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Der langjährige Generalsekretär, "Dialog-Beauftragte" und Sprecher der Türkisch-Islamischen Union Ditib, Bekir Alboga, will in die türkische Politik wechseln.

Ditib

Bekir Alboga tritt für Erdogans Partei an

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Ex-Ditib-Sprecher Bekir Alboga will in die türkische Politik wechseln. Wird er für seine Arbeit für die islamische Szene in Deutschland mit einem Parlamentssitz belohnt?

Der langjährige Generalsekretär, „Dialog-Beauftragte“ und Sprecher der Türkisch-Islamischen Union Ditib, Bekir Alboga, will in die türkische Politik wechseln. Die Ditib bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass sich der 55-Jährige für die islamisch-konservative AK-Partei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zur Parlamentswahl am 24. Juni um ein Mandat in der Provinz Konya bemüht. Die Kandidatur sei eine persönliche Entscheidung und habe keinen Bezug zum Verband, betonte die Sprecherin auf Anfrage. „Die Mitglieder und das Personal sind selbstverständlich nach dem Demokratieverständnis frei in der politischen Meinungsbildung.“ Alboga ließ auf Anfrage mitteilen: „Für die Zeit der politischen Tätigkeit lege ich meine Ämtern bei der Ditib nieder.“ Im vorigen Dezember hatte er die Wiederwahl in den Ditib-Vorstand verfehlt. Seither ist er nach Angaben der Ditib in der Verbandszentrale für „soziale Dienste zuständig“.

Die nordrhein-westfälische Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), nannte den Vorgang „mehr als verwunderlich“ und sprach von einem „Versorgungsposten“ für Alboga. „Die Kandidatur für Erdogans AKP wirft ein sehr fragwürdiges Licht auf Bekir Albogas ständige Beteuerungen, die Ditib sei nichts anderes als ein deutscher Verein und der Integration der türkischstämmigen Mitbürger in die deutsche Gesellschaft verpflichtet“, sagte Güler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Angesichts der von der AKP betriebenen Spaltungstendenzen seien Albogas Ambitionen nicht als Brückenschlag zwischen der türkischen und der deutschen Gesellschaft zu verstehen, sondern als Beitrag zum Bemühen Ankaras, die in Deutschland lebenden türkischen Staatsbürger dauerhaft an das Herkunftsland zu binden. „Jemand, dem wirklich an Integration und Verständigung gelegen ist, kandidiert nicht für die AKP“, so Güler.

Der Grünen-Politiker Volker Beck, ein erklärter Kritiker der Ditib, sagte, nun zeige sich, dass das Bekenntnis des Verbands zu Deutschland und zur Demokratie für Alboga in Wahrheit „taktische Manövriermasse“ sei. „Lange Jahre das freundliche Gesicht der Ditib und immer Deutschland zugewandt, gilt für Herrn Alboga am Ende ,Erdogan first‘.“ Nach Einschätzung von Insidern passt Albogas überraschender Schritt zu Gerüchten, denen zufolge Erdogan nach der Wahl in Deutschland die Moschee-Gemeinden der Ditib in die Zuständigkeit des Islamrats und der ihm nahestehenden Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs geben wolle. Alboga als wichtige Figur der islamischen Szene in Deutschland würde für seine bisherige Arbeit mit einem Parlamentssitz in Ankara belohnt.

Alboga, 1963 in der Türkei geboren, kam 1980 nach Deutschland, wo er Islamwissenschaften studierte. Nach einer Tätigkeit als Imam in Mannheim kam er 2004 in die Ditib-Zentrale nach Köln. Er war mehrfach Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland. 2013 erwarb er neben der türkischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit.

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