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Bosnisch-serbische Truppen entführten im Juli 1995 Tausende gefangener Bosnier aus der Enklave Srebrenica und erschossen sie.

Massaker

Beispiel Srebrenica

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Wenn Soldaten nicht dürfen, wie sie können.

Es war der Super-GAU der Vereinten Nationen: Unter den Augen eines Bataillons niederländischer Blauhelme entführten bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 Tausende gefangener Bosnier aus der Enklave Srebrenica. Menschen, die sich in Todesangst zu den Niederländern flüchten wollten, wurden abgewiesen. In den Tagen darauf wurden sie von den serbischen Truppen erschossen. Ausgerechnet die UN, die ihre Friedenstruppen mit so viel humanitärem Pathos ausstatten, versagten vor der simplen Anforderung, bedrohten Menschen bei Gefahr im Verzuge nach Maßgabe der eigenen Möglichkeiten Schutz zu gewähren.

In die tragische Lage geführt aber hat die Blauhelme in Srebrenica ihr Mandat, und das hat nicht die UN zu verantworten. Von vornherein war umstritten gewesen, ob man Friedenstruppen überhaupt in ein Land schicken soll, wo noch gekämpft wird. Bis dahin hatten sie immer nur Waffenstillstände überwacht. Die Bilanz des Experiments fällt nicht so eindeutig aus, wie die Katastrophe von Srebrenica vermuten lässt. Immerhin haben es die UN-Soldaten den ganzen Krieg in Bosnien über geschafft, Versorgungswege offen zu halten, und so verhindert, dass Enklaven ausgehungert wurden.

1993 hatte der Sicherheitsrat beschlossen, in Bosnien „Schutzzonen“ zu schaffen, in die Menschen aus dem Kampfzonen sich dann massenhaft flüchteten. Es war ein widersprüchlicher Beschluss: Er gab den Friedenstruppen nicht das Mandat, diese Zonen auch zu verteidigen. Das Versäumnis brachte eine fatale Kettenreaktion in Gang. Weil die Blauhelme ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung einsetzen durften, ließen die Bosnier in den Schutzzonen sich von der UN auch nicht entwaffnen. Als es dann zwischen Serben und Bosniaken außerhalb und innerhalb der Schutzzonen zu Scharmützeln kam, konnten die Blauhelme nur hilflos zusehen. Das Maß voll machten dann ein UN-Sonderbeauftragter, der das Mandat der Friedenstruppen sehr restriktiv auslegte, und ein lokaler Kommandant, der seine Befehle über die Pflicht zur Nothilfe stellte.

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