Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Coronavirus

Bei Beschwerden in die Praxis

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
    schließen

Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht aktuelle Sicherheitsinformationen zum Impfstoff von Astrazeneca. Unterdessen gibt es weitere Todesfälle bei Geimpften.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat in einem „Rote-Hand-Brief“ aktuelle Sicherheitsinformationen zum Impfstoff von Astrazeneca veröffentlicht. Darin weist der schwedisch-britische Pharmakonzern auf das „Risiko von Thrombozytopenie und Gerinnungsstörungen“ hin. Es heißt: „Eine Kombination aus Thrombose und Thrombozytopenie, in einigen Fällen einhergehend mit Blutungen, wurde sehr selten nach einer Impfung mit Covid-19-Vaccine Astrazeneca beobachtet.“ Ein Zusammenhang sei möglich, trotzdem überwiege der Nutzen des Impfstoffs die Risiken.

Dieses Argument hatte auch die Europäische Arzneimittelagentur Ema bei ihrer Entscheidung angeführt, dass der Impfstoff weiter eingesetzt werden könne. Zugleich hatte der zuständige Ausschuss für Risikobewertung der Ema aber empfohlen, die Produktinformationen des Impfstoffs zu aktualisieren.

Die Geimpften, heißt es darin nun, sollten angewiesen werden, „sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn sie nach der Impfung Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltende Bauchschmerzen entwickeln“. Außerdem sollten „alle Personen, die nach der Impfung neurologische Symptome aufweisen, wie starke oder anhaltende Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen, oder bei denen nach einigen Tagen auf der Haut Blutergüsse außerhalb des Verabreichungsortes der Impfung auftreten, umgehend einen Arzt aufsuchen“.

In Europa war es bei Geimpften zu mehreren Fällen von schweren Thrombosen, darunter auch Hirnvenenthrombosen, und inneren Blutungen gekommen. Die meisten Betroffenen sind Frauen jungen und mittleren Alters. Eine mögliche Erklärung dafür könnte laut „Rote-Hand-Brief“ sein, dass das Astrazeneca-Vakzin verstärkt an diese Gruppe verimpft wurde; viele Pflegekräfte sind Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte fünfzig. Vorher gab es auch die Spekulation, dass Hormone etwas damit zu tun haben könnten.

Seit der Entscheidung der Ema sind noch weitere Fälle bekannt geworden. So haben laut den norwegischen Behörden fünf Krankenschwestern schwere Blutgerinnungsstörungen entwickelt, drei davon starben an einer Hirnvenenthrombose. Auch die dänische Arzneimittelaufsicht meldete zwei neue Verdachtsfälle. Sowohl Norwegen als auch Dänemark haben die Impfungen mit Astrazeneca trotz der Ema-Empfehlung noch nicht wieder aufgenommen. In Frankreich, in der Region Pays de Loire, soll ein 24-jähriger Student zehn Tage nach der Impfung an Thrombosen und inneren Blutungen gestorben sein.

Auch in Deutschland gibt es weitere Fälle: Der Landkreis Oberallgäu und der Klinikverbund Kempten meldeten am Montag, dass eine Mitarbeiterin des Klinikums Immenstadt kurz nach der Impfung mit Astrazeneca gestorben sei. Eine Obduktion soll nun die Todesursache klären. Im Ravensburger Krankenhaus ist zudem ein Pfleger kurz nach der Impfung gestorben, auch sein Tod soll nun untersucht werden. Mit Stand 23. März wurden in Deutschland 16 Fälle einer Hirnvenenthrombose gemeldet.

Inzwischen wurde außerdem ein Obduktionsergebnis der Medizinischen Universität Wien veröffentlicht. Demnach soll eine 49 Jahre alte Krankenschwester aus Niederösterreich – einer der ersten bekannten Todesfälle nach einer Astrazeneca-Impfung in der EU – tatsächlich an multiplen Thrombosen in Folge der Impfung gestorben sein.

Dass die schweren Blutgerinnungsstörungen durch Immunreaktionen nach der Impfung verursacht wurden, wollen auch Forschungsteams der Universitäten Greifswald, Wien, Graz und Oslo unabhängig voneinander belegt haben. Sie gehen davon aus, dass die Komplikationen durch spezielle Antikörper ausgelöst werden, die an Thrombozyten – Blutplättchen – binden und fatale Kettenreaktionen in Gang setzen können. Als Therapie empfehlen die Fachleute der Uni Greifswald und die Deutsche Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung die hochdosierte intravenöse Gabe von Immunglobulinen.

Nach Irritationen über die Wirksamkeit des Astrazeneca-Vakzins hat das Unternehmen jetzt neue Daten vorgelegt und den Wert leicht nach unten korrigiert. Das US-Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) hatte Zweifel an den zunächst präsentierten Daten geäußert. Demnach schützt der Impfstoff zu 76 statt wie vorher angegeben zu 79 Prozent vor einer Covid-Erkrankung. Bei über 65-Jährigen betrage die Wirksamkeit 85 Prozent, schwere Verläufe verhindere der Impfstoff sogar zu 100 Prozent. Rund 20 Prozent der Teilnehmenden dieser neuen Studie seien 65 Jahre und älter gewesen, rund 60 Prozent sollen Vorerkrankungen haben. Ein erhöhtes Thrombose-Risiko sei nicht festgestellt worden. In den USA ist der Impfstoff ebenso wie in der Schweiz noch nicht zugelassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare