Behörden sehen keinen Anlaß für Stammheim-Untersuchung

STUTTGART. Als unbegründet und haltlos' hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Vorwürfe der Illustrierten 'stern' zurückgewiesen, sie habe im Zusammenhang mit

Von Peter Henkel

STUTTGART. Als unbegründet und haltlos' hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Vorwürfe der Illustrierten 'stern' zurückgewiesen, sie habe im Zusammenhang mit dem Tod der führenden Terroristen um Andreas Baader in Stammheim einseitig ermittelt, Widersprüche offengelassen und Erkenntnisquellen nicht ausgeschöpft. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde erklärte zu dem Bericht des Hamburger Magazins, er enthalte keine neuen Tatsachen, die Anlaß zu einer Wiederaufnahme oder Ergänzung der Untersuchungen gäben. Auch der Staatssekretär im Stuttgarter Justizministerium Eugen Volz erklärte, er habe aus dem Bericht 'keine neuen Eindrücke gewinnen' können. In seiner Eigenschaft als CDU-Landtagsabgeordneter, der Sprecher seiner Partei im Stammheim-Untersuchungsausschuß des Landtags gewesen war, fügte Volz hinzu, neue Tatsachen oder Beweismittel gebe es ebensowenig wie Zweifel am Selbstmord.

Der 'stern', der erstmals Bilder der toten Terroristen veröffentlicht, wie sie am 18. Oktober 1977 wenige Stunden nach der Erstürmung der Lufthansa-Maschine in Mogadischu in ihren Zellen gefunden wurden, präsentiert nach eigener Einschätzung "keine Mordgeschichte". Jedoch sei nach viermonatigen Recherchen 'die Geschichte des Justiz-Skandals von Stammheim' herausgekommen. Als Beispiel wird angeführt, daß die Akte Baader geschlossen worden sei, obwohl bis heute ungeklärt sei, wie der Anführer der 'Rote Armee Fraktion' (RAF) sich den tödlichen Schuß beigebracht habe. Während Gerichtsmediziner zu der Auffassung gelangt seien, der Schuß in den Hinterkopf sei aus der direkt aufgesetzten Waffe abgegeben worden, nehme ein Experte des Bundeskriminalamtes eine Entfernung von 30 bis 40 Zentimetern an. Ungeklärt sei auch, wie die Hülse des tödlichen Projektils in eine Lage rechts von der Leiche Baaders kommen und ein entfernter Blutfleck auf dem Boden entstehen konnte.

FR vom 1. November 1980

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