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Behandlungen in Tierarztpraxen werden teurer

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Von: Martin Rücker

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Die Tierärztekammer verdoppelt die Sätze für Imfpungen vom 22. November an.
Die Tierärztekammer verdoppelt die Sätze für Imfpungen vom 22. November an. © Inna Astakhova/PantherMedia

Die neue Gebührenverordnung der Bundestierärztekammer treibt die Preise hoch. Grund sind vor allem die höheren Kosten in den Praxen.

In zahlreichen Tierarztpraxen dürfte derzeit ein unscheinbarer Zettel aushängen, gestaltet von der Bundestierärztekammer. Überschrieben ist er mit „Anpassung der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte“, und unter Verweis auf „gestiegene Kosten für medizinische Geräte, Personal, Versicherungen, Entsorgung und Energie“ wirbt er um Verständnis für die anstehende Preiserhöhung.

Vom 22. November an könnte es für Tierbesitzer:innen teurer werden. Mit der neuen Gebührenordnung steigen die für Behandlungen vorgesehenen Sätze im Durchschnitt um mehr als 20 Prozent an. Für eine „allgemeine Untersuchung mit Beratung“ betragen sie bei Hund und Katze dann 23,62 Euro – die alten lagen bei 8,98 Euro (Katze) und 13,47 Euro (Hund). Für eine Schutzimpfung ist ein Satz von 11,50 Euro (ohne Impfstoffkosten) statt bislang 4,49 Euro vorgesehen, für die Kastration eines Katers 30,32 statt 19,24 Euro. Bei der Kastration einer Katze verringert sich der Satz dagegen leicht von 57,72 auf 56,48 Euro.

Tierarztpraxen haben Spielraum beim Preis

Wie hoch die Rechnung am Ende ausfällt, ist damit allerdings nicht gesagt. Die Praxen haben großen Spielraum: Wie bisher auch, können sie das Ein- bis Dreifache der festgelegten Sätze abrechnen, bei Notfalldiensten dürfen sie bis zum Vierfachen gehen. Tierärzt:innen sollen ihre Gebühren so auf die Umstände des Einzelfalls anpassen: Gibt es Komplikationen oder verhält sich ein Tier wenig kooperativ, darf die Praxis auch höhere Aufwände abrechnen. Die Bundestierärztekammer empfiehlt den Inhaber:innen darüber hinaus, die Entscheidung auch von den Kosten der Praxisführung abhängig zu machen.

Welche Preissteigerungen genau auf Haustierbesitzer:innen zukommen, ist damit schwer vorherzusagen. Einer vor zwei Jahren veröffentlichte Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge rechneten die Praxen 2019 im Durchschnitt den 1,44-fachen Satz ab, im Notdienst den 2,25-fachen. Branchenkenner berichten, dass die Tendenz seit langem steigend ist, bei noch immer viel Luft nach oben. Bei der Bundestierärztekammer bestätigt man, dass zwar auch die bisherige Gebührenordnung eine kostendeckende Abrechnung ermöglicht. Die Praxen bräuchten die neuen Sätze vor allem aber zur Legitimation für höhere Rechnungen.

Fachkräftemangel in der Tiermedizin soll mit höheren Löhnen abgemildert werden

Die Studie, mit der das Ministerium die Kosten jeder tierärztlichen Leistung einzeln bewerten ließ, lieferte auch die Grundlage für die Novelle der Gebührenordnung. Neu ist vor allem die seit mehr als 20 Jahren unveränderte Struktur: Moderne Verfahren wie Computertomographie (CT) waren im bisherigen Regelwerk noch überhaupt nicht vorgesehen. Die Gebühren waren zuletzt 2017 umfassend und 2020 noch einmal an einzelnen Stellen erhöht worden – der Kammer zufolge hinkten die Veränderungen der Inflationsrate jedoch stets hinterher. Dass sich die Kosten für Tierarztpraxen weiter erhöhen, ist hingegen unstrittig. Zuletzt stiegen beispielsweise die Tariflöhne für tiermedizinische Fachangestellte um bis zu 22 Prozent. Tierärzt:innen hoffen, damit den Fachkräftemangel abmildern zu können.

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