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Allein im Südsudan sind 40 Prozent der Bevölkerung auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen.
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Allein im Südsudan sind 40 Prozent der Bevölkerung auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen.

Kriege und Dürre

UN befürchtet vier Hungersnöte gleichzeitig

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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In mehreren Ländern zeichnet sich eine fatale Hungersnot ab. Bis zu 20 Millionen Menschen könnten ihr zum Opfer fallen, warnen Experten.

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Mit Somalia, Südsudan und Nigeria stehen gleich drei afrikanische Staaten derzeit unabhängig voneinander vor einer Hungersnot. Ihr könnten nach den Worten des Chefökonomen des Weltgesundheitsprogramms (WFP), Arif Husain, im nächsten halben Jahr bis zu 20 Millionen Menschen zum Opfer fallen. Da auch im Jemen auf der arabischen Halbinsel eine Hungersnot bevorsteht, zeichnet sich derzeit in vier Staaten der Welt gleichzeitig eine Katastrophe ab – das gab es in der jüngeren Zeitgeschichte noch nie.

„Die Lage ist schrecklich“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Donnerstag in New York: „Wenn wir jetzt nicht handeln, ist eine Tragödie sicher.“ Nach seinen Angaben werden in diesem Jahr 5,6 Milliarden US-Dollar nötig sein, um den Hungernden zu helfen. Zur Verfügung stünden den Hilfswerken des Staatenbunds derzeit jedoch nur 90 Millionen Dollar.

Am schlimmsten betroffen ist der Südsudan. In mehreren Distrikten des jüngsten Staats der Welt mussten die UN Anfang der Woche bereits eine Hungersnot ausrufen.

Im ganzen Land sind 4,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Kaum besser sieht es am Horn von Afrika – vor allem in Somalia, aber auch in Äthiopien und Kenia – aus: Dort sind laut WFP mehr als elf Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Auch am Tschadsee, an den der Niger, Kamerun, der Tschad und Nigeria angrenzen, herrscht Nahrungsknappheit, was vor allem auf die Umtriebe der nigerianischen Boko-Haram-Sekte zurückgeführt wird.

Von Menschen gemacht

Fast alle diese Krisen wurden – einschließlich der Tragödie im Jemen – von Menschen heraufbeschworen: Sie sind weniger dem Klima als Kriegen oder den Umtrieben islamistischer Extremisten zuzuschreiben. So tobt im Südsudan seit mehr als drei Jahren ein Bürgerkrieg, bei dem es um einen Machtkampf führender Politiker, aber auch um miserable Regierungsführung und um ethnische Spannungen geht. Die Kämpfe haben bereits mehr als drei Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und verhindert, dass Farmer ihre Felder bestellen. Immer wieder werden auch Hilfsorganisationen angegriffen und deren Warenlager geplündert.

Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass die UN eine Hungersnot erklärt. 2011 waren in Somalia 260 000 Menschen verhungert.

Nach der Definition der UN herrscht dann eine Hungersnot, wenn täglich zwei von 10 000 Menschen wegen Unterernährung sterben und 20 Prozent der Bevölkerung Mangelerscheinungen aufweisen. Das ist schon jetzt unter 100 000 Südsudanesen der Fall. Derzeit sind hier 4,9 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen – rund 40 Prozent der Bevölkerung. „Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet“, sagt Serge Tissot von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO).

Anders als im Südsudan und am Tschadsee ist die Katastrophe, die sich am Horn von Afrika anbahnt, vor allem auf die seit Jahren ausbleibenden Regenfälle zurückzuführen. Experten sprechen von der schlimmsten Dürre seit einem halben Jahrhundert, für die außer dem Wetterphänomen El Niño auch die Klimaerwärmung verantwortlich gemacht wird. Kenia hat bereits den Notstand über die besonders betroffenen Regionen im Nordosten des Landes ausgerufen. Wegen der drastisch angestiegenen Lebensmittelpreise ist allerdings die gesamte Bevölkerung Kenias von der Dürre in Mitleidenschaft gezogen.

In Kenias Nachbarland Somalia könnte sich die Trockenheit nach Einschätzung der Kinderhilfsorganisation Save the Children noch „weitaus verheerender auswirken als die Hungersnot im Jahr 2011“. Insgesamt seien am Tschad-See, im Südsudan, am Horn von Afrika sowie in Jemen 1,4 Millionen Kinder vom Hungerstod bedroht, meldet das UN-Kinderhilfswerk Unicef. „Noch können viele Leben gerettet werden“, so Unicef-Chef Anthony Lake: „Aber die Zeit wird knapp.“

In allen afrikanischen Brennpunkten kam es sowohl wegen der Kriegshandlungen als auch wegen des Hungers zu starken Flüchtlingsbewegungen: Allein in der Region um den Tschad-See haben 2,6 Millionen Menschen ihre Heimat verloren. Wie im Südsudan mit seinen drei Millionen Vertriebenen suchen die meisten Opfer von Hungersnöten und Kriegen Zuflucht in den Nachbarländern: Dass durch die gegenwärtigen Tragödien auch die Wanderungsbewegungen nach Europa zunehmen, gilt als ausgeschlossen. Mehr als 93 Prozent aller afrikanischen Flüchtlinge suchen Schutz auf dem eigenen Kontinent: Von der kostspieligen Migration nach Europa können nur die wenigsten träumen.

Im Osten von Afrika bahnt sich eine Hungersnot an. Schuld sind Heuschrecken und ein Wetterphänomen.

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