Viele Bayern dürfen gleich wieder die rosafarbenen Briefwahlunterlagen ausfüllen.
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Viele Bayern dürfen gleich wieder die rosafarbenen Briefwahlunterlagen ausfüllen.

Kommunalwahlen

Bayern wählt das Sichere

  • vonMike Schier
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Die Grünen hofften auf diverse Chefsessel in Bayerns Rathäusern. Sie wurden bitter enttäuscht. Die CSU rechnete mit einigen Niederlagen. Sie wurde aufs Äußerste überrascht.

  • Bayern hat gewählt.
  • CSU kann sich stabilisieren.
  • Aufwärtstrend der Grünen gestoppt.

Katharina Schulze hatte es sich gemütlich gemacht. „Spezi, Gummibärchen, Kekse, zwei Bildschirme um parallel auf den Webseiten nachzuschauen – also perfekt ausgestattet!“, ließ die Grünen-Fraktionschefin im Landtag die Bayern via sozialer Netzwerke wissen und postete dazu ein Bild von sich auf der Couch. Ihr Amtskollege Ludwig Hartmann war nach Landsberg gefahren, wo sein Bruder Moritz fürs Rathaus kandidierte. Man konnte das Gemütliche und Entspannte auch als Siegesgewissheit interpretieren. Die CSU-Spitze saß dagegen allein in der Landesleitung im Münchner Norden.

In Bayern haben die Amtsinhaber gesiegt

Nichts war normal an diesem Wahl-Sonntagabend. Fast alle Partys waren abgeblasen – man verfolgte die Ergebnisse im kleinen Kreis oder gleich allein zuhause. Kontakt wurde nur über glühende Telefonleitungen gehalten. Die Wählerinnen und Wähler allerdings trotzten dem Virus: Ihre Beteiligung war vielerorts höher als vor sechs Jahren.

Eine Richtung, wohin der Freistaat tendiert, ließ sich aber auch am Tag nach den sehr spät eingelaufenen ersten Bürgermeister- und Landratsergebnissen nur schwer ausmachen, zumal die Auszählung der Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte wegen des komplizierten Wahlrechts noch eine Weile dauern kann.

Ein Trend zeichnete sich aber sehr klar ab: Fast überall, wo die Amtsinhaber antraten, schnitten sie stark ab – auch wenn einige in die Stichwahl müssen. Das beinhaltete die Überraschung, dass die CSU entgegen mancher Vorhersage sich in den Städten recht gut schlug. Ebenso überraschend, wenn man Prognosen vertraut hatte: Die Grünen taten sich in vielen größeren Städten erstaunlich schwer.

CSU kann Ergebnisse stabilisieren

CSU-General Markus Blume konnte sich deshalb nicht verkneifen: „Die grüne Welle ist gebrochen.“ Vielleicht war das etwas vollmundig, aber Blume hatte einen Lauf: Er pries die „starken Kandidaten vor Ort“ und natürlich den „engagierten Wahlkampf von Markus Söder“ – das Corona-Krisenmanagement des Ministerpräsidenten bescherte den CSU-Kandidaten vor Ort allerdings sicher auch etwas Rückenwind.

Oberbayerns CSU-Chefin Ilse Aigner war da etwas vorsichtiger beim Blick nach vorne: Die nächsten beiden Wochen bis zu den Stichwahlen würden sehr schwierig, weil man keinen Straßen- und Haustürwahlkampf machen kann. Tageszeitungen und Online-Netzwerke würden jetzt wichtig. Am Wahlabend schwirrten auch noch Gerüchte durch die CSU, die Stichwahl müsse um mindestens eine Woche verschoben werden, wenn die Briefwahlunterlagen wirklich an jeden Haushalt verschickt werden. Offiziell gibt es dafür aber keine Bestätigung.

Grüne in Bayern weniger erfolgreich

So oder so. Die Grünen werden nun einiges zu besprechen haben. Ludwig Hartmanns Party in Landsberg fiel ziemlich flach: Bruder Moritz landete abgeschlagen auf Platz vier, weit hinter der Unabhängigen Doris Baumgartl (34,1 Prozent) und CSU-Amtsinhaber Mathias Neuner (28,6). Die anderen nicht gewonnenen Städte taten ihr übriges. Das treibt den strategisch denkenden Fraktionschef um: „Wenn wir künftig auf Sieg spielen wollen, müssen wir die Personen früher in Positionen bringen.“ Als Beispiel nimmt er Katrin Habenschaden in München, der er einen „bombigen Wahlkampf“ attestiert. „Ich hatte das Gefühl, dass es reichen könnte“, sagt Hartmann. Tat es aber nicht: SPD-Amtsinhaber Dieter Reiter muss sich mit der CSU-Frau Kristina Frank duellieren. Immerhin dürfte das Stadtratsergebnis großartig werden. Hartmann: „Tatsache ist, dass Katrin Habenschaden gestärkt aus der Wahl hervorgeht und in sechs Jahren eine ganz andere Startposition hat.“

Bis dahin gilt aber: Die alten Amtsinhaber sind meist auch die neuen. In Straubing schaffte OB Markus Pannermayr (CSU) satte 73,25 Prozent. In Würzburg darf Christian Schuchardt für CSU, FDP und Bürgerforum weitermachen. Und auch Fürths OB Thomas Jung von der SPD kann sich auf 72,9 Prozent ein wenig ausruhen. Überhaupt sind es Stadtobere, die der sonst überall gebeutelten SPD Hoffnung geben. Neben Reiter und Jung sind das Jürgen Dupper in Passau und Florian Hartmann in Dachau. „Ich hatte schon ein ganz gutes Gefühl“, sagt Natascha Kohnen. Die Landeschefin war viel unterwegs. „Das sind sehr eigenständige Wahlen, wo vor allem Kandidaten und Themen vor Ort die entscheidende Rolle spielen.“

SPD in Bayern zweitstärkste Partei

Deshalb kann auch niemand in der SPD jenseits des Freistaats ernsthaft über Trends nachdenken: Nürnberg war 18 Jahre lang eine sichere Bank für die SPD dank des beliebten OB Ulrich Maly. Um seine Nachfolge läuft nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen zur Stichwahl zwischen SPD-Mann Thorsten Brehm und CSU-Aspirant Marcus König. Und der liegt mit 36,5 Prozent vor Brehm.

In Regensburg wurde der SPD-Bürgermeister Joachim Wolbergs wegen Skandalen suspendiert. trat aus der Partei aus und mit einem eigenen Verein „Brücke“ wieder zur Wahl an. Aber die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein geht gegen die aktuelle SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in die Stichwahl.

Nur Landshut gibt die große Ausnahme in Bayern. Dort muss der bisher einzige FDP-Oberbürgermeister des Freistaats, Alexander Putz, in die Stichwahl. gegen die Grüne Sigrid Hagl.

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