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Corona-Test in Bayern

Corona-Desaster in Bayern: Interne Mails - Gesundheitsministerin Huml wusste früher von Test-Pannen

  • Kerstin Kesselgruber
    vonKerstin Kesselgruber
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  • Delia Friess
    Delia Friess
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In Bayern sind an Corona-Teststationen 44.000 Ergebnisse nicht übermittelt worden. Ministerin Huml hat bereits früher von den Test-Pannen gewusst als angegeben.

  • Coronavirus: In Bayern hat es eine große Panne bei Corona-Tests für Reiserückkehrer*innen gegeben.
  • Ministerpräsident Markus Söder will an Gesundheitsministerin Melanie Huml festhalten – obwohl diese zweimal ihren Rücktritt angeboten hat.
  • Woher genau die 900 Corona-Infizierten kommen, ist noch nicht bekannt. Interne Mails zeigen, dass Gesundheitsministerin Huml früher von den Test-Pannen gewusst hat.

Update vom Dienstag, 18.08.2020, 17.30 Uhr:  Der bayerischen Gesundheitsministerin Huml (CSU) waren die Pannen bei den Corona-Tests von Reiserückkehrer*innen bereits früher bekannt als mitgeteilt, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Huml und ihr Ministerium sollen bereits am Montag (10.08.2020) vergangener Woche per E-Mail über die Verzögerungen bei den Übermittlungen der Corona-Testergebnisse informiert worden sein. 

Huml soll dies dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) aber erst zwei Tage später mitgeteilt haben. Auch die Öffentlichkeit wurde erst zwei Tage später informiert. Zur Begründung sagte Huml, dass die ganze Dimension erst am Mittwoch (12.08.2020) erkennbar war, als klar war, dass die Personen nicht - wie zunächst gehofft - noch schnell informiert werden konnten.

Melanie Huml und Markus Söder bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zu Entwicklungen an den Corona-Teststationen für Reiserückkehrer.

Corona in Bayern: Testpanne war Huml (CSU) schon früher bekannt

Die Opposition wirft der Regierung Unfähigkeit vor. Auch der Rücktritt von Huml wurde bereits gefordert. Die viel kritisierte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) muss nun im Landtag erneut Rede und Antwort stehen. Auf Initiative der Opposition kommt dazu mitten in der parlamentarischen Sommerpause der Gesundheitsausschuss am Mittwoch (19.08.2020) um 13.00 Uhr zu einer Sondersitzung zusammen.

Corona-Panne in Bayern: Polizei holt Unterlagen aus Passauer Gesundheitsamt

+++ 11.00 Uhr: Nach der Panne in Bayern bei Corona-Tests für Reiserückkehrer*innen habe das Gesundheitsministerium in München Unterlagen aus dem Passauer Gesundheitsamt von der Polizei abholen lassen, berichten auch der Bayerische Rundfunk und n-tv. Die Unterlagen stünden "in Zusammenhang mit den Testungen an der Autobahnraststätte Donautal-Ost".

Markus Söder (CSU) gerät wegen Test-Panne in Bayern unter Druck.

Corona-Panne in Bayern: Polizei holt Datensätze aus Gesundheitsamt

Das Gesundheitsministerium in München bestätigte die Information am Donnerstag (13.08.2020). Es handle sich um Datenblätter und Laufzettel, die zum Abgleich mit den vorliegenden Testergebnissen benötigt werden. „Auf diese Weise konnten an der Autobahnraststätte Donautal Ost (A3) genommene Proben noch Personen zugeordnet werden, die dann über das Ergebnis nun unverzüglich informiert werden“, teilte das Ministerium mit. Um wie viele Datensätze es sich genau handele, wurde nicht genannt. Die „Passauer Neue Presse“ berichtete zuvor von 25.000 Unterlagen.

Corona-Panne in Bayern: Auch Claudia Roth ist betroffen

+++ 20.54 Uhr: Auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) ist von der Panne bei den Corona-Tests in Bayern betroffen. Sie warte noch heute auf die Ergebnisse ihres Tests vom 2. August, sagte sie der „Augsburger Allgemeinen“. Am Münchner Flughafen sei sie auf das Coronavirus getestet worden. Nachfragen seien aber ins Leere gelaufen, die Corona-Hotline sei nie erreichbar gewesen. „Mittlerweile bin ich bei einem Arzt in Augsburg gewesen – innerhalb von 23 Stunden hatte ich mein negatives Testergebnis“, sagte Roth.

Roth kritisierte den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) scharf: „Wenn sich Herr Söder als Top-Manager der Pandemie stilisiert und ständig noch mehr Kontrollen ankündigt, aber keinen Realitätscheck macht, ob überhaupt ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, dann ist das fahrlässig“, sagte Roth. „Es ist gerade in diesen Pandemie-Zeiten brandgefährlich, wenn das Vertrauen der Menschen in die Handlungsfähigkeit der Politik durch sowas verspielt wird.“

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ist ebenfalls von der Corona-Testpanne in Bayern betroffen.

Corona-Desaster in Bayern: Herkunft der Infizierten nicht bekannt

+++ 16.16 Uhr: Die Pressekonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml ist beendet.

+++ 16.04 Uhr: Wo genau die mehr als 900 Menschen herkommen, die mit Corona infiziert sind, ist noch nicht bekannt. Laut Melanie Huml hätten Stichproben ergeben, dass 40 Prozent von ihnen aus Bayern sind, 60 aus anderen Bundesländern. Es solle aber „zeitnah“ möglich sein, das auszumachen.

Zum Teil seien auch die Formulare mit den persönlichen Daten von den Getesteten nicht korrekt ausgefüllt worden. Huml betonte aber, dass die Freiwilligen, die die Tests abgenommen hätten, dafür keine Verantwortung trügen: „Man muss sich das vorstellen: Vollkörperschutz, mehr als 30 Grad, da bist du auch froh, wenn du den Zettel einfach hast“, sagte Huml.

Testpanne in Bayern: Noch nicht alle Corona-Infizierten informiert

+++ 16.00 Uhr: Rückkehrende aus Risikogebieten sind grundsätzlich in Quarantäne – aber nur, wenn sie sich beim Gesundheitsamt melden. Diese Unsicherheit räumte Melanie Huml ein. Deshalb habe Bayern ja die Tests an Flughäfen und Autobahnen eingeführt. Das Wichtigste sei jetzt, die Menschen zu erreichen.

+++ 15.59 Uhr: „Da ist ein großer Fehler passiert, der muss jetzt gelöst werden und darf auch nicht mehr passieren“, sagte Söder.

+++ 15.56 Uhr: Die mehr als 900 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, werden derzeit von den Mitarbeitenden des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kontaktiert. Wie viele schon erreicht worden sind, konnte Melanie Huml nicht sagen. „Manche sind schon erreicht, manche sind noch auf Rückruf“, sagte Söder.

Corona-Testpanne in Bayern: Melanie Huml bietet zweimal Rücktritt an

+++ 15.39 Uhr: Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml hat nach der Corona-Testpanne zweimal ihren Rücktritt angeboten. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder in der Pressekonferenz. Der Rücktritt wird aber nicht kommen, Söder hat ihn abgelehnt. „Das sind Fehler der vergangenen Tage“, sagte Söder. Das System der Tests sei über Nacht umgestellt worden, alle Mitarbeitenden hätten hart gearbeitet. Trotzdem hat Söder Fehler der Behörden eingeräumt. „Da ist eine Panne passiert, und zwar eine große Panne“, sagte Söder. „Nicht in der Strategie, sondern in der Umsetzung.“

+++ 15.30 Uhr: Nach der Corona-Testpanne an bayerischen Autobahnen stellen sich Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) an diesem Donnerstag um 15.30 Uhr gemeinsam im Prinz-Carl-Palais in München den Fragen der Öffentlichkeit, wie eine Regierungssprecherin sagte. Der Pressekonferenz ging eine Krisensitzung voraus.

Corona-Desaster in Bayern – 900 Infizierte nicht informiert

Erstmeldung vom Donnerstag, 13.08.2020, 12.48 Uhr: München - „Corona macht keine Ferien, Corona macht keine Pause. Bayern ist weiter absolut wachsam“, sagte Markus Söder (CSU) erst am Montag (10.08.2020) auf einer Pressekonferenz. Jetzt scheint der bayerische Ministerpräsident an seinem eigenen Anspruch zu scheitern. Am gestrigen Mittwoch (12.08.2020) wurde die peinliche Panne um die verzögerte Übermittlung von Testergebnissen bekannt.

Konkret warten rund 44.000 Personen noch auf ihre Testergebnisse, davon sind auch 900 Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Die freiwillig getesteten Personen laufen nun seit Tagen ohne ihr Wissen vielleicht mit dem Virus herum. Es hagelt Kritik aus allen Reihen. Alle wollen wissen, wie es dazu kommen konnte. Fraglich ist auch, wie lange die bayerische Landesregierung von dem Chaos an den Corona-Teststationen bereits wusste. Von Überlastungen ist schon seit Öffnung der Teststationen auch in der Presse die Rede.

Teststationen in Bayern: Zu lange Wartezeiten für Corona-Tests

Seit Ende Juli hatte die bayerische Landesregierung insgesamt acht Teststationen an Hauptbahnhöfen und Flughäfen in München und Nürnberg sowie an Autobahnraststätten Hochfelln-Nord, Inntal-Ost und Donautal-Ost aufbauen lassen. Dort können sich Reiserückkehrer*innen freiwillig einem Corona-Test unterziehen. Normalerweise dauert ein Corona-Test etwa 24 bis 48 Stunden. Die getesteten Personen warten aber nun seit Tagen auf ihre Testergebnisse. Freiwillig getestete Personen, die nichts von ihrer Infektion wissen, könnten in der Zwischenzeit andere Menschen infiziert haben. Reiserückkehrer*innen aus Risikogebieten stehen nach der Einreise 14 Tage unter Quarantäne.

Kritik aus Opposition und vom Roten Kreuz - Wer trägt Verantwortung für Panne?

Debakel um Corona-Tests in Bayern: Personen warten seit Tagen auf Testergebnisse

Söder übte sich am Mittwochnachmittag in Schadensbegrenzung und sagte eine Reise an die Nordsee mit den Worten „Bayern geht vor“ per Twitter ab. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) druckste dann am Abend in einem Interview in den Tagesthemen herum, nannte das Wort „bedauern“. Sie habe erst am Mittwochmorgen (12.08.2020) von der Panne erfahren. Eine wirkliche Erklärung lieferte sie nicht.

Peinliche Panne mit Corona-Tests in Bayern: Wie konnte das passieren?

Der Fehler kam nach Aussagen der CSU-Politikerin Huml zustande, weil die bayerische Landesregierung für die Corona-Teststationen „Dienstleister“ beauftragt habe, die die Tests digital bearbeiten sollten. Bis zur Einarbeitung dieser Dienstleister hätten Ehrenamtliche die Daten der getesteten Personen „händisch eingetragen“ . Es habe seine Zeit gebraucht, bis die Daten eingearbeitet worden seien, sagte Huml ebenfalls in den Tagesthemen. Es sei jetzt sehr, sehr wichtig, die infizierten Personen so schnell wie möglich herauszufiltern und zu informieren. Man arbeite die ganze Nacht daran.

Wie lange wusste die bayerische Landesregierung von dem Chaos an Corona-Teststationen?

Das Bayerische Rote Kreuz, das die Ehrenamtlichen zum Teil zur Verfügung stellte, reagierte umgehend und wies jede Schuld zurück: „Vorwürfe oder Andeutungen, die darauf schließen lassen, dass die Hilfsorganisationen eine (Teil-)Schuld an dieser Problematik haben, weist das Rote Kreuz zurück“, hieß es in einer Stellungnahme, wie auch BR24 berichtet.

Hilfsorganisationen hätten innerhalb eines Tages im Auftrag der bayerischen Landesregierung fünf Teststationen initiieren sollen. Sie hätten sich für das Testverfahren an den Vorgaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums (LGL) orientiert. „Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden“, hieß es weiter vom Bayerischen Roten Kreuz.

Chaos an Corona-Teststationen bereits länger bekannt

Auch das Chaos an den Teststationen ist wohl bereits seit Wochen bekannt. Bereits am 07.08. berichtete BR24, dass die Helfer*innen des Roten Kreuzes überlastet seien. Lange Schlangen vor den Teststationen sind in dem Bericht zu sehen. Theo Zellner, Chef des Bayerischen Roten Kreuzes, besuchte in der ersten Juli-Woche die Teststation an der Donautal-Raststätte der A3 bei Passau. Im Anschluss forderte er eine finanzierte Lösung, weil die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen kämen.

Von der kommenden Woche an müssten, wie von der Staatsregierung angekündigt, private Anbieter die Testungen übernehmen, betonte Zellner im Interview mit BR24. Das Testen und die Laborarbeiten seien eigentlich eine kommerzielle Aufgabe. Man sei eingesprungen, weil die Politik entschieden hat, freiwillige Testungen anzubieten, so Zellner.

Kritik aus allen Reihen an Söder und Huml: Wer übernimmt die Verantwortung?

Dass die 44-jährige Gesundheitsministerin Huml von den Zuständen in den Teststationen vor dem Mittwochmorgen (12.08.2020) nichts gewusst habe, ist fraglich. Erst am Freitag (07.08.2020) hat Huml ein Testzentrum am Münchner Flughafen besucht. Die Ministerin ist häufig unterwegs und besucht Orte, wo Infektionsherde entstehen. Auch bereits zuvor räumten Söder und Huml Verzögerungen im Testverfahren ein. Getan hat sich trotz dieser Kenntnis allerdings anscheinend nichts.

Corona-Testzentren in Bayern: Kritik aus der Opposition wird lauter

Nun hagelt es auch aus der Opposition Kritik: Markus Rinderspacher, SPD, Vize-Präsident im bayerischen Landtag, kritisierte in mehreren Tweets die Söder-Regierung. Wer „Tests für alle!“ in großen Buchstaben propagiere, könne in der Folge von der Zahl der durchgeführten Tests nicht ernsthaft „überrascht“ sein, kritisierte Rinderspacher. Das Bayerische Rote Kreuz hier in die Mitverantwortung zu nehmen, sei nicht in Ordnung. „Es geht um Regierungsversagen!“, schrieb der SPD-Politiker außerdem.

Uli Grötsch, Generalsekretär der SPD in Bayern, fordert sogar personelle Konsequenzen. „Frau Huml muss zurücktreten und Herr Söder muss sich erklären. Er muss Buße tun, weil er als Ministerpräsident seiner Verantwortung schlichtweg nicht gerecht geworden ist und mit der Gesundheit der Menschen in Bayern gespielt hat“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk am Donnerstagmorgen (13.08.2020).

Das Testsystem in Bayern soll bis Ende August weiter ausgebaut werden, teilte Söder erst am Montag (10.08.2020) mit. So sollen in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt Corona-Testzentren eingerichtet werden, insgesamt etwa 100. Bis Ende August will Söder dann eine Kapazität von 200.000 Corona-Tests pro Tag erreichen. Wie der bayerische Ministerpräsident einen reibungslosen und verzögerungsfreien Ablauf garantieren möchte, bleibt jedoch weiter offen. (Von Delia Friess)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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