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Übt sich in Demut: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Markus Söder

Der bayerische Löwe brüllt leiser

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Kooperation statt Krawall: Markus Söder gibt den Teamplayer und sucht als CSU-Chef in spe die Annäherung an die CDU.

Ich habe es mir lange überlegt. Es war keine leichte Entscheidung“, sagt Markus Söder am Montag vor der Landtagspresse in München. Es sei „eine Pflicht, eine Chance, eine Ehre, diese großartige Partei CSU zu führen“. Was man so sagt in solchen Momenten.

Nur: Besonders freudig wirkt Söder dabei nicht. Woraus man schließen kann, dass er noch nach seiner Rolle sucht, zumindest nach dem richtigen Ton. Bei einem Sonderparteitag am 19. Januar in München soll er zum neuen CSU-Chef gewählt werden.

Ausdrücklich stellt der Kandidat klar, dass aus seiner Sicht auch eine „Doppelspitze“ funktioniert hätte. Doch nach Seehofers Rückzugsankündigung hätten eben sowohl Manfred Weber als auch Alexander Dobrindt abgesagt. Der eine kandidiert als Spitzenkandidat der konservativen EVP bei der Europawahl, der andere fürchtet wohl, nicht den ausreichenden Rückhalt in der Partei zu bekommen.

Jobgarantie für Seehofer

Söder hat ein Minus von elf Prozentpunkten bei der Landtagswahl in Bayern Mitte Oktober zu verantworten. Er erweckt den Eindruck, als wäre es ihm durchaus recht gewesen, wenn einer von beiden den Hut in den Ring geworfen hätte. „Irgendwann muss auch mal jemand die Verantwortung übernehmen“, begründet der 51-Jährige seine Kandidatur. Ein Satz, der nicht gerade nach großem Machtanspruch klingt. Söder macht auf Demut – eine Eigenschaft, die in der Vergangenheit nicht unbedingt mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurde. „Nicht alles anders machen, aber manches besser“, das sei die Herausforderung, vor die CSU nun stehe, so der designierte Parteichef.

Überraschend deutlich fällt sein Bekenntnis zu Horst Seehofer als Bundesinnenminister aus. „Wir wollen Stabilität in der Regierung und auch Kontinuität. Das gilt auch personell“, sagt Söder. Es ist eine Art Jobgarantie für seinen langjährigen Widersacher, wenn auch von unbestimmter Dauer. Die Spekulationen über einen raschen Abgang Seehofers aus dem Bundeskabinett dürften damit erst einmal beendet sein.

Söder, der in der Vergangenheit oft als politisches Alphatier und rücksichtsloser Karrierist beschrieben wurde, gibt plötzlich den Teamplayer. „Die Zeiten von One-Man-Shows sind out“, kündigt er an. Er spricht von Mannschaftsspiel und Miteinander, von „neuer Offenheit“, von Zuhören und Fehlern, die gemacht worden seien. Die schwierigste Zeit für ihn sei in diesem Jahr der große Asylstreit innerhalb der Union gewesen. Nun gelte es, ein neues Verhältnis zur CDU zu begründen, Konstruktivität zu zeigen und sich klar von der AfD abzugrenzen sowie den Wähler-Exodus Richtung Grüne zu stoppen.

Kooperation statt Krawall und Kraftmeierei? Geht es nach Söder, der selbst im Sommer den Konflikt über die Flüchtlingspolitik mit auf die Spitze getrieben hatte, soll der bayerische Löwe künftig in Berlin weniger laut brüllen. „Öfter“ als bisher werde er in der Hauptstadt sein. CDU und CSU sollten sich wieder als politische Familie verstehen. Der CSU-Chef in spe sieht da gute Voraussetzungen: Mit allen drei aussichtsreichen Kandidaten für die Merkel-Nachfolge an der Spitze der Schwesterpartei verstehe er sich gut.

„Stabil mit Stil und trotzdem offen für Neues“, so umschreibt Söder die neue Aufgabe. Er setzt dabei auch auf Manfred Weber, den im Moment größten Hoffnungsträger der CSU. Im Europawahlkampf werde seine Partei einen klar proeuropäischen Kurs fahren und nicht wie in der Vergangenheit auf ein „sowohl als auch“ setzen. Weber macht am Montag in Berlin noch einmal deutlich, wo seine persönlichen Prioritäten liegen, als er gefragt wurde, warum er nicht für das Amt des CSU-Chefs zur Verfügung stehe. Diese Aufgabe zu übernehmen, funktioniere nur ganz oder gar nicht: „Ein bisschen schwanger geht ja auch nicht.“

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