„Inkompetenz“

Barack Obama greift Donald Trump frontal an

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Barack Obama meldet sich mit beißender Kritik an Donald Trump zu Wort. Er wirft seinem Nachfolger Versagen im Kampf gegen die Pandemie vor und klagt: Viele Menschen in den USA hätten nicht sterben müssen.

  • Barack Obama attackiert Donald Trump bei Kundgebung 
  • Michelle Obama hatte zuvor in einer Videobotschaft gegen Trump gepoltert
  • Trump News: Alle Informationen und Neuigkeiten zum US-Präsidenten im Überblick

Update vom Donnerstag, 22.10.2020, 07.00 Uhr: In den USA ist es üblich, dass sich Präsidenten mit öffentlicher Kritik an ihren Nachfolgern zurückhalten. Daran hat sich auch Barack Obama bisher zumeist gehalten. Erst seit Mai, als George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam und Menschen im ganzen Land gegen Rassismus und Polizeigewalt protestierten, hat sich Obama wieder vermehrt zu Wort gemeldet. Nun aber hat Obama mit einer beißenden Kritik an Donald Trump seine Tonlage noch mal deutlich verschärft.

In einer Rede in Philadelphia warf Obama seinem Nachfolger Donald Trump in drastischen Worten Versagen bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie vor. Trump habe die Pandemie ignoriert und dann mit „Inkompetenz“, „Falschinformationen“ und Planlosigkeit alles noch schlimmer gemacht, sagte Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung. Viele Menschen in den USA hätten nicht sterben müssen, wenn die Regierung auch nur „grundlegende“ Maßnahmen ergriffen hätte, sagte Obama. Der Vergleich mit anderen Ländern wie Südkorea oder Kanada zeige, dass die Zahl der Corona-Toten deutlich geringer hätte ausfallen können.

Trump habe „kein Interesse gezeigt“, den Menschen in Amerika zu helfen und das Präsidentenamt nur als „Reality Show“ genutzt, kritisierte Obama. Der Republikaner sei nicht fähig, „den Job ernst zu nehmen“, sagte der Ex-Präsident. „Und der Rest von uns muss mit den Konsequenzen leben.“ Obamas Fazit: „Wenn er die ganze Zeit seinen Job gemacht hätte, dann wäre es nie so schlimm geworden.“

Barack Obama attackiert Donald Trump.

„Die Pandemie wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen“, räumte Obama ein. Das „Ausmaß der Inkompetenz und der Falschinformationen“ seitens der Regierung habe die Situation aber weiter verschlimmert. „Die Idee, dass dieses Weiße Haus irgendetwas anderes getan hat, als es komplett zu vermasseln, das stimmt einfach nicht“, sagte Obama. Südkorea und die USA hätten am gleichen Tag die erste bestätigte Infektion gehabt, aber die US-Regierung habe nicht gehandelt. „Am Fernseher twittern oder Sachen erfinden löst keine Probleme“, sagte Obama weiter.

Obama warb mit Nachdruck dafür, Trump abzuwählen. Falls dieser die Wahl erneut gewinnen sollte, würde das Land in den nächsten vier Jahren so weit zurückgeworfen, dass es „wirklich schwierig“ würde, „sich aus diesem Loch wieder zu befreien“, sagte Obama. „Wir befinden uns in einem tiefen Loch.“

Michelle Obama wirft Donald Trump Versagen in Corona-Krise vor

Erstmeldung vom 07.10.2020: Washington - Dass die frühere First Lady Michelle Obama die Verbalkeule zu schwingen weiß, hat US-Präsident Donald Trump schon mehrfach am eigenen Leib erfahren müssen. Rund einen Monat vor der US-Wahl 2020 hat die Frau von Trumps Vorgänger Barack Obama nachgelegt und dem US-Präsidenten Versagen in der Corona-Krise vorgeworfen.

„Im Moment herrscht in unserem Land Chaos wegen eines Präsidenten, der seinem Job nicht gewachsen ist“, polterte Michelle Obama in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft. Die US-Bevölkerung spüre die Konsequenzen aus Trumps fahrlässigem Umgang mit der Corona-Krise und dass er noch immer keinen schlüssigen Plan zur Bekämpfung hat.

Doch davon nicht genug. Obama betonte, dass andere Länder die Pandemie unter Kontrolle hätten, die USA hingegen nicht, denn: „Sie wurden vom gleichen Virus getroffen wie wir. Sie hatten die gleichen Mittel wie wir. Aber womit sie nicht fertig werden mussten, war dieser Präsident.“

Trump belüge die Amerikaner und spiele die Bedrohung der Pandemie herunter, selbst jetzt nach Trumps eigener Corona-Infektion. „Wir können diesem Präsidenten nicht vertrauen, uns die Wahrheit über irgendetwas zu sagen“, erklärte Obama. Zudem warf sie dem US-Präsidenten „vorsätzliches Missmanagement“ der Pandemie vor. So seien mittlerweile mit über 200.000 Menschen mehr Amerikaner nach einer Corona-Infektion gestorben als in den Kriegen im Irak, in Afghanistan, in Vietnam und Korea zusammengenommen. „Nehmen Sie all diese heldenhaft geopferten Leben und verdoppeln sie die Zahl. Das ist in etwa das Ausmaß dieser Tragödie“, schimpft Obama.

Ihre Lösung: die Wahl des Demokraten Joe Biden. Dieser tritt am 3. November bei der US-Wahl gegen den Republikaner Trump an.

Michelle Obama schimpft: Donald Trump ist „rassistisch“

Nicht nur Missmanagement in der Corona-Krise, auch die Spaltung der USA wirft Obama dem Nachfolger ihres Mannes vor. Trump schüre Ängste vor Afroamerikanern, betonte sie. Er spalte das Land und verbreite Verschwörungstheorien. „Was der Präsident macht, ist offenkundig falsch, moralisch falsch und ja, es ist rassistisch.“

Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA

Wie Obama in der Videobotschaft weiter ausführte, versuche Trump, Wähler davon abzuhalten, am 3. November ihre Stimme abzugeben. Zudem verbreite der US-Präsident Lügen über Minderheiten und behaupte, diese würden US-Vorstädte ruinieren. Darin jedenfalls sei Trump „richtig, richtig gut“. Bei einer Wiederwahl drohe Trump die USA „zu zerstören“.

Und so wiederholte die frühere First Lady einmal mehr ihren Appell an die US-Bevölkerung, bei der Präsidentschaftswahl für Biden zu stimmen: „Stimmt für Joe Biden, als ob euer Leben davon abhängen würde.“

Unterdessen hat Donald Trump Verhandlungen über ein Corona-Hilfspaket platzen lassen. mit dpa/afp

Rubriklistenbild: © Matt Slocum

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