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The man is back: Barack Obama vorm Kanzleramt.

Obama in Berlin

Obama zu Gast bei der Freundin

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Obamas Besuch bei Merkel weckt nostalgische Erinnerungen.

Wenn jemand eine Freundin besucht, ist das in der Regel nichts Besonderes. Wenn Barack Obama aber Angela Merkel besucht, dann merken viele auf.

Seit Freitagnachmittag ist er in Berlin, und sofort werden die Erinnerungen wach. An seinen ersten Auftritt im Jahr 2008 an der Siegessäule, vor 200 000 begeisterten Menschen und an eine zögerliche Kanzlerin, der dieser Hype suspekt war. Und die den Präsidentschaftskandidaten dann doch im Kanzleramt empfing. Zwischen den beiden hat sich über die Jahre wohl tatsächlich so etwas wie Freundschaft entwickelt, das ist selten unter Politikern.

Es ist oft spekuliert worden, was die Nähe zwischen diesen beiden auf den ersten Blick doch so unterschiedlichen Persönlichkeiten ausmacht. Eine mögliche Antwort ist, dass sie beide als Außenseiter den Weg an die Spitze ihrer Länder geschafft haben, entgegen aller Wahrscheinlichkeit und gegen mächtige Netzwerke.

Barack Obama hat über seine Amtszeit hinaus Ansehen und Einfluss gewahrt

Angela Merkel gelang dies als erste Frau, Ostdeutsche und Protestantin in der westdeutsch, männlich und katholisch ausgerichteten CDU und Barack Obama als Schwarzer mit multikulturellem Hintergrund in einer von Weißen dominierten Partei, deren Establishment in Hillary Clinton die natürlich Präsidentschaftskandidatin sah. Solche Erfahrungen verbinden. Dazu kommt eine nüchterne Sicht auf die Welt und das jeweils Machbare, verbunden mit einem festen Vertrauen in die Gültigkeit von Fakten und die menschliche Vernunft. Natürlich ist Merkels Einladung an Barack Obama auch eine Botschaft an den aktuellen Präsidenten in Washington. Sie nimmt keine Rücksicht auf Warnungen, das könnte Donald Trump verärgern.

Aber neben Merkel sind auch viele andere Deutsche, die Berliner zumal, ihrer Sympathie zu diesem besonderen Präsidenten treu geblieben, trotz aller während seiner achtjährigen Amtszeit aufgetretenen Belastungen, etwa durch die Spionageaffäre um die NSA und den von ihm geförderten Krieg der Drohnen. Mit seinem Charme und seinem massenwirksamen Charisma, seiner Empathie und seinem Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit stellt er eine ideale Projektionsfläche für alle dar, die an das gute Amerika glauben.

Das wirkt umso stärker, als er gleich zwei Mal im unmittelbaren Vergleich mit Präsidenten stand, die eher das Gegenteil, das hässliche Amerika repräsentieren: Sein Vorgänger Gorge W. Bush, den bei seinem Feldzug gegen den Irak internationale Regeln genau so wenig interessiert haben wie das heute bei seinem Nachfolger Trump der Fall ist. In diesem Kontrast strahlt die Lichtgestalt Obama umso heller.

Es gibt nur wenige Politiker, denen es gelingt, weit über ihre Amtszeit hinaus Ansehen und Einfluss zu wahren oder sogar zu steigern. In Deutschland ist Helmut Schmidt dafür ein Beispiel, dessen Ruhm umso mehr zu wachsen schien, je länger seine Kanzlerschaft zurück lag. Gleichwohl sind es wohl bestimmte Charaktereigenschaften, die dabei eine Rolle spielen. Eine klare Haltung, Bescheidenheit und die Achtung dessen, was sich nach allgemeinem Empfinden gehört, zählen dazu. Deshalb ist das Ansehen von Schmidts Nachfolgern Helmut Kohl und Gerhard Schröder eher überschaubar – während es sich bei Angela Merkel wieder anders entwickeln könnte.

Die Popularität Obamas und seiner Ehefrau Michelle zahlt sich im Übrigen im wahrsten Sinne des Wortes aus. Er gehört zu den am besten bezahlten Rednern weltweit. Für einen Vortrag vor Bankern in New York soll er kürzlich 400 000 Dollar erhalten haben. Die billigsten Eintrittskarten für einen Auftritt in der Kölner Arena am Donnerstag kosteten 75 Euro. Für 5000 Euro konnte man an einem Abendessen mit dem Ex-Präsidenten teilnehmen. Allerdings fließen diese Einnahmen zum größten Teil nicht in die Taschen der Obamas sondern kommen ihren Stiftungen zugute.

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