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Bankrott, aber noch nicht am Ende

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Von: Thomas Spang

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Heizt gern ein: der Rechtsextremist Alex Jones.
Heizt gern ein: der Rechtsextremist Alex Jones. © Getty Images/afp

Ein Prozess könnte das Lügen-Imperium des amerikanischen Hetzers und Verschwörungstheoretikers Alex Jones erschüttern. Und ihm drohen hohe Schadensersatzforderungen trauernder Eltern.

Das Studio der „Alex Jones Show“ in der texanischen Hauptstadt Austin wirkt erstaunlich professionell. Wie auch die tiefe, raspelnde Stimme des fülligen Moderators den Eindruck von Seriosität vermittelt, wenn er in seiner einstündigen Sendung sechs Tage lang in der Woche vor der „New World Order“ warnt oder seine Überlebens-Produkte anpreist, die er auf seiner Webseite vertreibt. Die sind genauso „Fake“ wie alles andere, was Jones seinen Fans verkauft.

Die Verschwörungstheorie von der in Hollywood gestellten Mondlandung ist dabei noch das harmloseste, was der Rechtsaußen seit 1999 zum Besten gibt. Er verbreitet die Behauptung, dass der Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City 1995, der Terror vom 11. September und diverse Massenschießereien „Insider“-Jobs waren. Diese sollten liberalen Eliten und Globalisten nur einen Vorwand liefern, den Amerikanerinnen und Amerikanern ihre Freiheiten zu nehmen und eine sozialistische Weltregierung zu schaffen.

Diesen Unsinn hatte früher schon die „John Birch Society“ verbreitet, deren Schriften der junge Zögling eines Zahnarztes und einer Hausfrau konsumierte. Der College-Aussteiger griff das im Kern antisemitische Muster von der Kabale reicher Globalisten zur Unterdrückung der weißen Amerikanerinnen und Amerikaner auf und überführte es in das Internet-Zeitalter. Seine Show gehört zu den Wegbereitern der postfaktischen Welt, die in der Wahl Donald Trumps ihren Höhepunkt fand.

Kein Wunder, dass Jones half, die „große Lüge“ von den angeblich „gestohlenen Wahlen“ zu verbreiten und für den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 zu trommeln. „Wir haben erst begonnen, uns gegen die Globalisten zu wehren“, agitierte er mit einer Flüstertüte bei den Protesten. In seinen Sendungen hatte er wiederholt Vertreter der „Proud Boys“ und „Oath Keepers“ zu Gast, auf seiner Website „Info-Wars“ veröffentlicht er Links zu weißen Nationalisten, die über „Umvolkung“ schwadronieren.

Seinem „Info-Wars“-Imperium droht nun der finanzielle Ruin durch drei Prozesse, die Eltern der Opfer des Grundschulmassakers von Sandy Hook (2012) angestrebt haben. Diese hatten ihn auf Schmerzensgeld verklagt, weil er den Tod der 28 Kinder in seinen Shows als „erfunden“ und die Hinterbliebenen als „Krisen-Schauspieler“ bezeichnet hatte.

Weil der Moderator sich den Aufforderungen der drei Gerichte in Texas und Connecticut widersetzte, befanden ihn alle für schuldig. In den Folgeinstanzen geht es jetzt um die Höhe der Entschädigungen. Das erste Urteil wird diese Woche in Texas erwartet, wo die Eltern des in Sandy Hook erschossenen sechsjährigen Jesse Lewis, der in Sandy Hook ums Leben kam, 150 Millionen Dollar Schmerzensgeld verlangen.

Vergangenen Freitag meldete die Dachgesellschaft von Infowars Bankrott an. Unklar ist, über welches Vermögen Jones verfügt. Mit dem Verkauf seiner Survival-Produkte nahm er allein zwischen 2015 und 2018 rund 165 Millionen Dollar ein.

Einen Schaden können die Gerichtsurteile allerdings nicht wieder gut machen: Die Etablierung einer faktenbefreiten Verschwörungskultur auf der politischen Rechten. Wie weit Jones Einfluss reicht, lässt sich am Loblied des Fox-Moderators Tucker Carlson ablesen. Er nannte Jones einen „der populärsten Journalisten auf der Rechten“, der ein „viel besserer Führer zu der Realität“ sei als die „Mainstream“-Medien.

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