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Gustl Mollath wird seit sechs Jahren gegen seinen Willen in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Fall Gustl Mollath

Nur die Bank glaubt dem Angeklagten

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Seit Februar 2006 sitzt Gustl Mollath in psychiatrischen Anstalten ein. Nun erklärte er sich bereit, sich abermals begutachten zu lassen - unter gewissen Bedingungen.

Seit Februar 2006 sitzt Gustl Mollath in psychiatrischen Anstalten ein. Nun erklärte er sich bereit, sich abermals begutachten zu lassen - unter gewissen Bedingungen.

Gustl Mollath war ein wohlhabender Mann. Der Franke llebte vom Tuning schneller Autos. Seine damalige Frau war als Anlageberaterin der Hypo-Vereinsbank in Nürnberg tätig. Vor rund zehn Jahren gerieten die Eheleute in Streit. Nach Darstellung des 56-Jährigen versuchte er, seine Partnerin davon abzubringen, schwarzes Geld für Kunden in die Schweiz zu schaffen. Sie zeigte ihn an, weil er sie bedroht und zeitweise eingesperrt habe.

Das Landgericht Nürnberg hielt die Schilderungen für glaubwürdig, verurteilte Mollath aber nicht. Stattdessen wies es ihn wegen seines angeblich „paranoiden Gedankensystems“ in die Psychiatrie ein.

Als „merkwürdiges Verhalten“ wurde auch Mollaths Überzeugung gerechnet, dass seine Ehefrau „bei einem riesigen Schwarzgeschäft von Geldverschiebungen in die Schweiz beteiligt sei“.

Seit Februar 2006 sitzt Mollath in psychiatrischen Anstalten ein. Mindestens einmal im Jahr wurde er seitdem begutachtet – und stets kamen die Fachleute zu dem Schluss, dass er in der Psychiatrie bleiben müsse. Dabei soll gegen ihn verwandt worden sein, dass er sich psychiatrischen Behandlungen verweigere und keine entsprechenden Medikamente einnehmen wolle.

Mollath will neue Beweise schaffen

Am Donnerstag sagte Gustl Mollath der Süddeutschen Zeitung, er sei bereit, sich abermals begutachten zu lassen. Er verbinde dies aber mit Bedingungen. Wichtigste Forderung sei, dass das Gespräch aufgezeichnet werde – als Beweisstück.

Im Laufe des Verfahrens gegen ihn hatte Mollath 2003 auf ungewöhnliche Weise Anzeige gegen seine Frau erstattet, unter anderem mit den Vorwürfen der Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Er überreichte dem Richter umfangreiche Notizen, die neben vielem anderen auch detaillierte Angaben über die angeblichen Delikte enthielten. Die Staatsanwaltschaft nahm aber keine Ermittlungen auf.

Anders die Hypo-Vereinsbank. Sie prüfte Mollaths Angaben bereits 2003 und stellte fest, alle nachprüfbaren Behauptungen hätten sich als zutreffend herausgestellt. Die Ermittlungsbehörde wurde darüber aber erst jetzt informiert.

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