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So leer sind die Ramblas in Barcelona selten.

Urlaub 2020

Corona-Krise: Spanien mit bangem Blick auf die Touristenzahlen

  • Martin Dahms
    vonMartin Dahms
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Die spanische Wirtschaft ist vom Reiseverkehr abhängig – jetzt droht wegen starker Anstiege der Corona-Neuinfektionen erneut der Einbruch.

  • Die Zahl der Corona-Fälle ist in Spanien stark angestiegen.
  • Großbritannien führt Quarantänepflicht für Spanien-Urlauber ein.
  • Darunter leidet der Touismus in Spanien.

Spaniens oberster Seuchenschützer, Fernando Simón, sprach jüngst über die Quarantänepflicht für britische Spanien-Reisende. „In gewisser Weise kommt uns das zugute, weil es verhindert, dass Leute aus dem Vereinigten Königreich kommen“, sagte der Direktor des Koordinationszentrums für Sanitäre Notfälle. Und auch den Belgiern ist er dankbar dafür, dass sie nicht mehr nach Spanien reisen. „Das ist ein Problem, das sie uns nehmen. Weniger Risiko des Imports von Fällen.“ So kann man das auch sehen.

Spanien: Corona-Infektionen besser verfolgen

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht das anders. Er versteht die Welt nicht mehr. Einen ganzen Tag lang verhandelten britische und spanische Regierungsstellen miteinander, nur damit das britische Außenministerium am Montag bekanntgab, dass nun auch Besucher der Balearen und der Kanaren nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien unter 14-tägige Quarantänepflicht fielen. In einem TV-Interview sprach Sánchez von einer „unangemessenen Entscheidung“ der Briten.

Großbritannien ist Spaniens wichtigste Touristenquelle. Die ist jetzt mit einem Schlag versiegt. 2019 kamen knapp 18 Millionen Briten, das waren 21,6 Prozent aller ausländischen Besucher. Mit großem Abstand folgten Deutsche und Franzosen mit jeweils gut elf Millionen Spanien-Reisenden.

Auswärtiges Amt warnt wegen Corona vor Reisen nach Nordspanien

Das Auswärtige Amt in Berlin empfiehlt, drei Regionen auf dem Festland – Katalonien, Aragón und Navarra – zu meiden. Ansonsten weiß es, dass die beliebten Inseln im Mittelmeer und im Atlantik zurzeit so gefährlich oder ungefährlich wie Deutschland selbst sind.

In Spanien ist die Zahl der registrierten Neuinfektionen in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen. Von gut elf Fällen pro 100 000 Einwohner innerhalb von zwei Wochen Ende Juni auf gut 50 Fälle Ende Juli. Fast zwei Drittel der Neuinfektionen während der vergangenen Woche konzentrieren sich auf Aragón und Katalonien. Viele Ansteckungen gab es in schlecht ausgestatteten Wohnheimen für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft oder bei Familienfeiern.

Spanien ist von einer zweiten sanitären Corona-Krise weit entfernt

Auch die Zahl der behandlungsbedürftigen Erkrankten steigt, ohne bisher das Gesundheitssystem an seine Grenzen zu bringen wie Ende März, Anfang April. Die Zahl der Krankenhauseinlieferungen innerhalb einer Woche hat sich von 137 Ende Juni auf 386 Ende Juli knapp verdreifacht. Die Zahl der wöchentlichen Corona-Toten hält sich konstant im einstelligen Bereich. Von einer zweiten sanitären Krise ist Spanien zurzeit noch weit entfernt. Doch um ein immer weiteres Ansteigen der Infiziertenzahlen zu verhindern, braucht das Land ein deutlich besseres System der Nachverfolgung der Ansteckungsketten.

Der Fokus der Sorgen vieler Spanier hat sich jedoch verschoben. Die Wirtschaft ist vom Tourismus abhängig. 2019 trug er 12,3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Nach dem Alarmzustand, der am 21. Juni auslief, begann sich der Fremdenverkehr wieder zu erholen. Noch gibt es keine guten Covid-19-Daten, aber erste Eindrücke: etliche volle oder halbvolle Hotels, Flugzeuge am Himmel von Mallorca, gut besetzte Terrassen. Die britische Quarantäne-Pflicht ist ein herber Schlag ins Kontor. Die spanische Tourismusindustrie teilt nicht die Gelassenheit des Seuchenschützers Simón. Die Mesa de Turismo, ein Lobbyverband, fordert seinen Rücktritt, „weil er den Ruin des Sektors feiert“.

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