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Endlich wieder feiern: Das Konzert-Event „fete de la musique“ Ende Juni in Paris.
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Endlich wieder feiern: Das Konzert-Event „fete de la musique“ Ende Juni in Paris.

Coronavirus

Corona in Frankreich: Bangen vor der vierten Welle

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Frankreichs Kulturfestivals von Aix bis Avignon treibt die Sorge vor einer vierten Corona-Welle um. Trotz steigender Infektionszahlen macht sich Impfmüdigkeit breit.

Frankreich - Marion Cotillard, Spike Lee oder Carla Bruni auf dem roten Teppich: Die Glamour-Bilder vom Beginn des Filmfestivals in Cannes haben etwas Trügerisches: Unweit der Treppen, die die Welt bedeuten, steht ein Zelt, in dem pro Stunde rund 300 Kinogänger:innen auf das Coronavirus getestet werden können. Das war die Bedingung, dass das Kulturevent an der Côte d’Azur nach einer coronabedingten Unterbrechung im vergangenen Jahr am Dienstag überhaupt starten konnte. Die 20 000 Akkreditierten müssen in Cannes auch einen Corona-Impfpass vorweisen.

Landauf, landab öffnen diese Woche die Sommerfestivals – in Aix-en-Provence für klassische Musik, in Juan-les-Pins für Jazz. Frankreich kann endlich wieder einer Lieblingsbeschäftigung frönen: an einem lauschigen Abend in Urlaubsambiente einer hochkarätigen Bühnendarbietung folgen.

Frankreich und Corona: Idylle will sich nicht überall einstellen

Idylle will sich aber nicht überall einstellen. Beim Theaterfestival in Avignon, das erstmals seit 2019 wieder stattfindet, sind Schutzmasken außer auf der Bühne vorgeschrieben, und auch die Schauspieler:innen und Techniker:innen müssen sich einmal pro Woche testen. Die Tanzdarbietung einer südafrikanischen Truppe musste bereits abgesagt werden.

Der zuständige Präfekt Bertrand Gaume warnte vorbeugend: „Wenn sich die Lage verschlimmert, würde das Theaterfestival stark beeinträchtigt.“ Das Newsportal Francebleu deutete die Aussage so: Der Präfekt habe Angst vor einem „riesigen Cluster“. Deshalb erklärte er die Schutzmasken nun in der ganzen provenzalischen Altstadt für obligatorisch. In Paris, wo langsam wieder ausländische Tourist:innen herbeiströmen, verfolgen die Behörden die Entwicklung ebenfalls mit Sorge: Der Inzidenzwert ist auf über 50 (Fälle pro 100 000 Einwohner) gestiegen. Unter den Zehn- bis Dreißigjährigen liegt er klar über 100. Und dieser Wert hat sich binnen einer Woche verdoppelt.

Vierte Corona-Welle droht Frankreich – Trotzdem müssen Impfdosen entsorgt werden

Es ist fast paradox: Während die Ansteckungszahlen in Frankreich seit Dienstag erstmals seit Wochen wieder steigen, macht sich in der Bevölkerung eine wachsende Nachlässigkeit breit, die sich auch in Impfmüdigkeit äußert. Leere Impfzentren warten vielerorts auf Kunden; einzelne haben bereits geschlossen. Impfdosen müssen entsorgt werden. Dabei haben erst 35 Prozent der Französinnen und Franzosen eine zweite Dosis erhalten.

Das ist zu wenig, um der Ankunft einer vierten Welle im Frühherbst oder auch nur der Ausbreitung der Delta-Variante wirksam zu begegnen. Gesundheitsminister Oliver Véran sagte, die vierte Welle könnte Frankreich schon „Ende Juli“, also mitten in den Schulferien ereilen.

Corona-Impfung in Frankreich: Offizielle TV-Spots rühmen die Freiheit

Die Regierung improvisiert deshalb an Ferienstränden und in Bergstationen in aller Hast mobile Impfzentren, teilweise auch als „vacci’drives“ für Autokunden. Offizielle TV-Spots rühmen die Freiheit – aber natürlich nicht den Entscheid, auf die Impfung zu verzichten, sondern die Bewegungsfreiheit für die geimpften Personen.

Drakonische Schritte hat Präsident Emmanuel Macron bisher unterlassen – er will seinen Landsleuten nicht die Ferienlaune vergällen. Immerhin denkt er nun darüber nach, die Impfung für einzelne Berufskategorien wie das Pflegepersonal oder Lebensretter wie die Feuerwehr für obligatorisch zu erklären. Selbst in den Altersheimen soll weniger als die Hälfte des Personals immunisiert sein.

Herdenimmunisierung gegen Corona ist in Frankreich noch lange nicht erreicht

Einzelne Gewerkschaften sind aber weiter gegen eine Pflicht, da sie jeden Zwang für kontraproduktiv halten. Macron hatte sich im vergangenen Jahr ähnlich geäußert; langsam scheint er sich aber mit einer Impfpflicht zumindest für das Pflegepersonal abzufinden. Der Vorsitzende des Covid-19-Rates, Jean-François Delfraissy, erinnerte diese Woche daran, dass eine neue Welle nur durch eine Herdenimmunisierung von 80 Prozent verhindert werden könnte. Frankreich ist noch nicht einmal auf der Hälfte des Weges angelangt. (Stefan Brändle)

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