Demonstrationen weltweit

Ein „Band der Solidarität“ gespannt

In Berlin demonstrieren Tausende gegen Rassismus – und halten sich offenbar weitgehend an die Abstandsregeln.

An einem bundesweiten Aktionstag gegen Ungerechtigkeit, Rassismus und Antisemitismus haben sich am Sonntag Menschen in mehreren Städten beteiligt. Dazu aufgerufen hatten rund 130 Organisationen sowie das Bündnis #unteilbar. Nach Angaben der Veranstalter fanden unter dem Motto #SoGehtSolidarisch Aktionen unter anderem in Berlin, Leipzig, Hamburg, Chemnitz, Plauen, Freiburg, Münster und weiteren Städten statt. Mit Demonstrationen sowie im Internet sollte ein „Band der Solidarität“ entstehen.

Quer durch Berlin bildete sich vom Brandenburger Tor aus bis zum Hermannplatz im Stadtteil Neukölln eine rund neun Kilometer lange Menschenkette. Daran beteiligten sich unter anderem Vertreter aus Kultur, Politik, Zivilgesellschaft, Migrantenorganisationen, Kirchen und Religionen. Insgesamt beteiligten sich nach Polizeiangaben 5000 Menschen, so viele wie angemeldet – Vertreter der Veranstalter sprachen von mehr als 20 000.

Die Berliner Polizei zog eine erste positive Zwischenbilanz. So würden die Kundgebungsteilnehmer die Mindestabstände einhalten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Es ist schön zu sehen, wie Protest auf die Straße gebracht werden kann, ohne andere zu gefährden“, sagte ein Polizeisprecher.

Wegen der Corona-Pandemie hatte das #unteilbar-Bündnis dazu aufgerufen, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Demonstriert werden sollte auch in vielen anderen Städten, in Erfurt wurde die Veranstaltung wegen einer Unwetterwarnung allerdings abgesagt.

Mit dem Aktionstag wurde „ein gesellschaftlicher Pakt gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsterrorismus“ gefordert. Zum Forderungskatalog zählten auch bessere Arbeitsbedingungen für alle, sozial und ökologisch gerechte Konjunkturprogramme, sicherer Wohnraum, eine humanere Flüchtlingspolitik, eine gerechtere Steuerpolitik sowie Klimagerechtigkeit.

Proteste gab es am Samstag zudem erneut in Australien. Trotz Warnungen wegen der Corona-Pandemie versammelten sich landesweit Tausende Menschen zu Protesten gegen Rassismus. Auch Australien kämpft mit einer von ethnischer Ungleichheit geprägten Vergangenheit durch die Unterdrückung der Aborigines.

Mehrheitlich in Schwarz gekleidete Demonstranten protestierten auch in mehreren Schweizer Städten gegen Rassismus. Allein in Zürich beteiligten sich nach Polizeiangaben mehr als 10 000 Menschen an der Demonstration, viele Teilnehmer hielten Schilder mit Aufschriften wie „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) oder „Auch Rassismus ist eine Pandemie“ in die Höhe.

Auch in Taiwans Hauptstadt Taipeh versammelten sich Hunderte Menschen zum Gedenken an George Floyd und anderer Opfer von Polizeigewalt in den USA. Kniend legten sie mehr als acht Schweigeminuten ein, um an den Todeskampf des Afroamerikaners zu erinnern. In Tokio protestierten Dutzende Menschen trotz Regens gegen rassistische Diskriminierung.

Der Tod von George Floyd am 25. Mai hatte weltweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Floyd war in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen, als ein weißer Polizist ihm minutenlang das Knie auf den Nacken drückte, obwohl der Festgenommene wiederholt sagte, er bekomme keine Luft. afp/dpa/epd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare