Zwei, die sich prächtig verstehen: Staatschef Jair Bolsonaro (l.) und sein Bildungsminister Abraham Weintraub
+
Zwei, die sich prächtig verstehen: Staatschef Jair Bolsonaro (l.) und sein Bildungsminister Abraham Weintraub

Brasilien

„Banalisierung der jüdischen Tragödie“

Ein Minister diffamiert die Arbeit der brasilianischen Bundespolizei als „Reichspogromnacht“ - und löst Proteste aus.

Jüdische Organisationen in den USA und die israelische Botschaft in Brasilien protestieren gegen einen Nazi-Vergleich von Brasiliens Bildungsminister Abraham Weintraub. Wie brasilianische Medien berichten, hatte der Minister Hausdurchsuchungen der Bundespolizei verglichen mit der „Reichspogromnacht“ vom 9. November 1938 in Deutschland, in der jüdische Familien, Geschäfte und Synagogen angegriffen wurden.

Am Mittwoch hatte die Bundespolizei die Wohnungen von Politikern, Unternehmern und Bloggern durchsucht, die einem Netzwerk angehören sollen, das Falschmeldungen über Gegner von Präsident Jair Bolsonaro und Mitglieder der Zivilgesellschaft verbreitet.

Israel protestiert

Weintraub wütete daraufhin, die Polizeiaktion werde als „brasilianische Kristallnacht in Erinnerung bleiben“, die „sozialistische Presse“ werde vor Freude „Sieg Heil“ rufen. Dazu stellte er ein Foto, auf dem SA-Männer ein jüdisches Geschäft mit Plakaten „Deutsche! Wehrt Euch. Kauft nicht bei Juden!“ bekleben. Bei den Pogromen 1938 ermordeten Nazi-Brandstifter und ihre Trittbrettfahrer mindestens 400 Juden, 30 000 wurden inhaftiert.

Die israelische Botschaft kritisierte die „Banalisierung des Gedenkens an die Tragödie des jüdischen Volkes“. Brasiliens Politik möge bitte den Holocaust aus ihren internen Streitereien heraushalten. Die Shoah dürfe nicht mit politischen Vorkommnissen verglichen werden. Das „American Jewish Committee“ urteilte, der wiederholte Missbrauch von Holocaust-Begriffen in Brasilien sei eine Beleidigung der jüdischen Gemeinschaften und eine Verhöhnung der Opfer und Überlebenden des NS-Terrors.

Weintraub hat die Kritik an ihm damit abgetan, dass seine Großeltern die Konzentrationslager überlebt hätten, weshalb er „das Recht habe, über den Holocaust zu reden“. Aber der Oberste Gerichtshof ermittelt bereits wegen Rassismus-Vorwürfen gegen den Minister. Weintraub ist aber kein Einzelfall: Außenminister Ernesto Araujo hat Corona-Einschränkungen mit Konzentrationslagern verglichen. Präsident Bolsonaro hatte Hitlers NSDAP als linke Partei bezeichnet. (kna)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare