Grenzschutz

Balkanländer schotten sich ab

  • vonThomas Roser
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Staus an slowenischen und kroatischen Grenzen. Einzelne Regierungen verhängen Zwangsquarantäne für Heimkehrer.

Selbst Bruderstaaten schotten sich in der Vielvölkerregion des Balkan aus Angst vor dem Coronavirus voneinander ab. Noch bevor auch in Kosovo die ersten Infektionsfälle bestätigt wurden, kündigte Albanien am Wochenende die Schließung aller Grenzübergänge zum Nachbarstaat an. Kosovos Premier Albin Kurti hat unterdessen von Montag an die komplette Einstellung des zivilen Luftverkehrs angeordnet und die Grenzen für alle Ausländer schließen lassen: Landsleute können zwar noch heimkehren, werden aber bei ihrer Rückkehr zu 14 Tagen Selbstisolation verdonnert.

Selbst zu Zeiten der UN-Sanktionen während der Jugoslawienkriege der 90 Jahre hielten die Balkanstaaten einen Teil ihrer Grenzen immer offen. Nun treibt das Cononavirus das grenzreiche Staatenlabyrinth in die Selbstisolation: Resolut suchen in der Coronakrise selbst Transitstaaten wie Slowenien, Kroatien oder Serbien ihr Heil in der Abschottung.

Chaotische Szenen und Staus wurden am Wochenende vor allem an der slowenisch-kroatischen Grenze vermeldet. Am Grenzübergang Macelj stauten sich Autos auf einer Länge von 20 Kilometer. Übermüdete Heimkehrer aus Westeuropa berichteten wegen verstärkter Gesundheitsüberprüfungen von Wartezeiten von über 30 Stunden. Busladungen ukrainischer Vertragsarbeiter, die nach Hause wollen, hängen derweil schon seit Tagen im Niemandsland an der italienisch-slowenischen Grenze fest.

„Wir sind im Krieg gegen das Virus, die Panik und die wirtschaftlichen Folgen“, lässt Kroatiens Premier Andrej Plenkovic die Alarmglocken klingeln. Die Heimkehr der Landsleute aus aller Welt verstärke die Verbreitung des Virus, so Kroatiens Gesundheitsminister Vili Beros: „Wir können ihnen die Rückkehr nicht verbieten, aber sie mit adäquaten Maßnahmen an den Grenzen empfangen und ihnen die Notwendigkeit zur Selbstisolation aufzeigen.“

Auf eine Zwangsquarantäne für alle Einreisenden aus dem Ausland setzt hingegen Bosnien und Herzegowina. An den Grenzübergängen wurden von der Armee bereits die ersten Militärzelte aufgestellt, in denen Einreisewillige 14 Tage biwakieren sollen. Serbien hat Bürgern aus zwölf Staaten vorläufig die Einreise verboten – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie die Nachbarstaaten Griechenland und Rumänien. Präsident Aleksandar Vucic forderte die Landsleute in der westeuropäischen Diaspora erneut auf, auf die gewohnten Heimreisen zu Ostern zu verzichten: „Das wäre unser Ende.“

In Nordmazedonien hat die Regierung die Zahl der noch geöffneten Grenzübergänge auf vier reduziert. In die Region von zwei abgeriegelten Kommunen, in denen wegen erhöhter Infektionszahlen der Ausnahmezustand verhängt worden ist, hat Präsident Stevo Penderovski die Armee beordert.

Rumäniens Präsident Klaus Johannis hat angekündigt, dass von Montag an im Karpatenstaat der Notzustand in Kraft tritt, der dem Land alle gesetzlichen Instrumente für den Kampf gegen das Virus zur Verfügung stelle. Auch in Serbien, wo der Aufschub der für den 26. April geplanten Parlamentswahlen immer wahrscheinlicher wird, hat Staatschef Vucic die baldige Verhängung des Ausnahmezustands in Aussicht gestellt: „Wenn der Ausnahmezustand eingeführt wird, gibt es keine Cafes, Bars, Kinos oder Theater mehr, sondern die Armee auf den Straßen und an den Grenzen.“

Von Thomas Roser

Die EU-Kandidaten im Südosten des Kontinents orientieren sich immer mehr an China und Russland. Die Mächtigen auf dem Balkan scheinen Europa nur vorführen zu wollen.

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