+
Der Hauptsitz des Biotechnologie-Unternehmens Biontech in Mainz.

Impfstoff

Bald starten erste Tests an Menschen

Die Mainzer Firma Biontech arbeitet an  einem genbasiertem Impfstoff gegen das Sars-Cov-2-Virus. 

Es ist erstmal nur ein kleiner Schritt, doch die Hoffnungen dahinter sind riesig: In Deutschland können die ersten Tests am Menschen mit einem Corona-Impfstoff starten. Bislang gibt es weltweit nur wenige solcher Studien. Ein Impfstoff gilt als das zentrale Mittel im Kampf gegen Covid-19 – und somit auch für den Weg zurück in die gesellschaftliche Normalität. Doch noch ist völlig unklar, wann es das heiß ersehnte Mittel wirklich geben wird.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab am Mittwoch bekannt, dass es erstmals eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten erteilt. Das Unternehmen Biontech mit Sitz in Mainz darf nun sein Mittel – einen sogenannten RNA-Impfstoff – zunächst an etwa 200 gesunden Freiwilligen testen.

Dass noch in diesem Jahr ein erster zugelassener Impfstoff für die Impfung der Bevölkerung bereit steht, hält PEI-Präsident Klaus Cichutek aber für unwahrscheinlich. „Solche Vorhersagen sind mit aller Vorsicht zu genießen.“ Er geht indes davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt vier klinische Studien mit einem Impfstoffkandidaten in Deutschland starten werden.

Die Entwicklung und Prüfung des jetzt zugelassenen Impfstoff-Kandidaten erfolgte mit beeindruckender Geschwindigkeit: Erst Mitte Januar haben die Biontech-Wissenschaftler mit der Erarbeitung eines Konzepts begonnen. Ende Januar begannen die Forschungsarbeiten. Das Zulassungsverfahren konnte schließlich in nur vier Tagen abgeschlossen werden.

Nach Angaben von Biontech-Chef Ugur Sahin sollen die klinischen Tests Ende April beginnen. Die ersten Daten zur „groben Verträglichkeit“ der vier Impfstoffkandidaten sollen dann Ende Juni/Anfang Juli vorliegen. Laut Biontech ist die klinische Prüfung in Deutschland Teil eines internationalen Testprogramms. Unter anderem soll der eigene Kandidat demnach auch in den USA in Kooperation mit dem Pharmariesen Pfizer in klinischen Testreihen erforscht werden.

Der von Biontech entwickelte Wirkstoff gehört in die Gruppe der genbasierten Impfstoffe, konkret der sogenannten mRNA-Impfstoffe. Diese enthalten genetische Informationen des Erregers. Im Körper werden daraus virale Proteine hergestellt, gegen die das Immunsystem dann Abwehrstoffe bildet. Biontech arbeitet bisher vorrangig an der Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs.

Seit Ausbruch der Covid-19-Epidemie sind nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller weltweit mindestens 80 Impfstoffprojekte angelaufen, vier Wirkstoffe werden demnach derzeit bereits in klinischen Studien in China und in den USA getestet.

Zu den aktuellen Entwicklern von mRNA-Impfstoffen gegen Corona gehören auch die jüngst von den USA umworbene deutsche Firma Cure-Vac und das US-Unternehmen Moderna. Allerdings ist die Technologie neu, es gibt weltweit noch keinen einzigen zugelassenen Impfstoff nach diesem Wirkprinzip.

Unterdessen meldet das Schweizer Pharmaunternehmen Roche Fortschritte bei der Entwicklung eines Antikörpertests auf das Coronavirus. Der Test werde Anfang Mai zur Verfügung stehen, und die monatliche Produktionskapazität werde ab Juni auf einen zweistelligen Millionenumfang hochgefahren, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Wer Antikörper hat, gilt zumindest vorübergehend als immun gegen das Virus und könnten ohne Gefahr für sich und andere wieder am öffentlichen Leben teilnehmen. Bisherige Antikörpertests gelten allerdings als wenig zuverlässig. (dpa/afp/FR)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion