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Eine Ausbreitung des Virus könnte in den Lagern (hier Moria) laut Experten nicht gestoppt werden.  

Flüchtlinge

Baerbock fordert klare Worte

Grüne: „Merkel und Macron müssen Erdogan Ansage machen“.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat Druck gemacht im Ringen um eine Lösung für den Umgang mit Flüchtlingen aus Syrien. Mit Blick auf ein Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sagte Baerbock im Inforadio des RBB: Sie erwarte eine „sehr deutliche Ansage vonseiten der Bundeskanzlerin und dem französischen Präsidenten“.

Merkel, Erdogan und Macron wollten am Dienstag per Videoschalte über den Syrien-Konflikt und seine Folgen beraten. Es dürfte vor allem um die Lage der Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze gehen. Welche Ergebnisse das Gespräch brachte, war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht bekannt. „Die Europäer müssen gegenüber Herrn Erdogan sehr deutlich machen, dass die Türkei ihre Grenzen kontrollieren muss, aufhören muss, Geflüchtete zur Spielmasse zu machen“, sagte Baerbock.

Warnung vor Corona

Unterdessen warnen Fachleute seit Tagen, dass in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäisinseln eine unkontrollierbare Coronavirus-Epidemie droht. Auf dem Festland kämpft die griechische Regierung mit immer mehr Mitteln gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Den überfüllten Migrantenlagern auf den Ägäisinseln aber widmeten die Behörden bisher wenig Aufmerksamkeit. Dabei ist dort die Ansteckungsgefahr besonders groß.

Am Dienstag gab das griechische Ministerium für Migration und Asyl einen Maßnahmenkatalog bekannt, mit dem die drohende Gefahr gebannt werden soll. Der Zwölf-Punkte-Plan umfasst Besuchsverbote in den Camps für die kommenden zwei Wochen. Bei Neuankömmlingen wird die Temperatur gemessen. Mit mehrsprachigen Flugblättern werden die Lagerbewohner informiert, wie sie die Ansteckungsgefahr reduzieren können. Sportveranstaltungen und Schulunterricht werden eingestellt. Die sanitären Einrichtungen und Gemeinschaftsräume in den Lagern sollen regelmäßig desinfiziert werden.

Einige Maßnahmen des am Dienstag veröffentlichten Katalogs klingen angesichts der Zustände in den Lagern geradezu grotesk. So wird den Bewohnern empfohlen, Abstand voneinander zu halten und Menschenansammlungen zu meiden – wie soll das in der Praxis gehen? Das Lager Vathy auf Samos wurde für 648 Bewohner gebaut, beherbergt aber aktuell 7463 Menschen. Im größten griechischen Insellager, dem Camp Moria auf Lesbos, halten sich 19 344 Bewohner auf. Auslegt ist es für 2840 Personen.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) fordert eine sofortige Evakuierung der Lager. Hilde Vochten, medizinische Koordinatorin in Griechenland, fürchtet, es wäre unmöglich, einen Ausbruch in einem der Lager einzudämmen. (dpa/öhl)

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