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John Bolton (M), US-Sicherheitsberater, immer in der Nähe von Donald Trump.

John Bolton

Trumps „Bad Cop“ außer Kontrolle

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US-Präsident Donald Trump feuert mit John Bolton bereits seinen dritten Sicherheitsberater. „Ich war mit vielen seiner Vorschläge nicht einverstanden“, sagt Trump.

Am Ende waren sich der Präsident und sein wichtigster Berater nicht mal mehr über die Umstände von dessen Ausscheiden einig. „Ich habe John Bolton gestern Abend informiert, dass seine Dienste im Weißen Haus nicht länger gebraucht werden“, twitterte Donald Trump. „Ich habe gestern Abend meinen Rücktritt angeboten“, behauptete der auf jeden Fall Gewesene.

W iderspruch mag Trump gar nicht. Und Scharfmacher Bolton gibt kaum je klein bei. Insofern steht Washington eine neue Schlammschlacht auf höchster Ebene bevor. Unstrittig ist nur das Zerwürfnis zwischen dem Präsidenten und dem früheren Fox-Kommentator, dessen Einschaltquoten und markige Sprüche ihn einst so beeindruckten, dass er ihn im April 2018 zum Nationalen Sicherheitsberater machte.

W as genau den Ausschlag für die abrupte Trennung gab? Immerhin verkündete Trump den Rausschmiss seines bereits dritten Sicherheitsberaters weniger als zwei Stunden vor einem geplanten Auftritt Boltons, der dann unterblieb. Dass der Präsident und sein Ratgeber in der Iran-, der Nordkorea-, der Afghanistan- und der Russland-Politik nicht einer Meinung waren, war freilich schon länger klar. Ende August lehnte Bolton nach US-Medienberichten zwei Auftritte in renommierten TV-Shows ab, weil er Trumps Linie nicht verteidigen wollte. „Ich war mit vielen seiner Vorschläge nicht einverstanden“, retournierte der Präsident.

Das war nicht immer so. Bolton hat seine Positionen während der knapp anderthalb Jahre im Weißen Haus nicht geändert. Er galt immer als der radikalste Haudrauf unter Washingtons Falken. Den Irak-Krieg bejubelte er. Den Iran will er bombardieren. Das von Trump gekündigte Atom-Abkommen mit Teheran hängte er wie eine Trophäe an die Wand seines Büros. „Wenn es nach John ginge, befänden wir uns jetzt in vier Kriegen“, soll der Präsident im Frühjahr selbst gesagt haben. Doch Trump gefiel die markige Rhetorik, und in der Tanker-Krise mit dem Iran schien er Bolton zeitweise bewusst als „Bad Cop“ zu benutzen, während er sich selbst als knallharter Verhandler in Szene zu setzen versuchte.

Doch die Distanzierung des Hardliners störte zunehmend das Bild des selbsternannten größten Dealmakers aller Zeiten: Bolton machte deutlich, dass er den Abzug der US-Truppen aus Syrien für überstürzt hielt.

Er wies darauf hin, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un trotz schmeichelnder Briefe an Trump weiter Raketen testet. Anders als der Präsident wollte er Russland nicht wieder in den Kreis der G7-Staaten aufnehmen und stand einem Treffen Trumps mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani ablehnend gegenüber.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass Bolton mit seinem letzten Vorstoß in Sachen Afghanistan erfolgreich war: Nach Medienberichten hatte er entschieden gegen ein geplantes Geheimtreffen Trumps mit Taliban-Vertretern protestiert. Am Samstagabend sagte Trump die Begegnung nach einem Anschlag in Kabul ab. Inzwischen hat er noch angemerkt, dass er nach dem Bekanntwerden seines – offenbar dilettantisch vorbereiteten – Projekts einen Ansehensverlust fürchtete.

Besiegelt ist freilich auch das politische Schicksal von Bolton. Am meisten dürfte sich darüber Außenminister Mike Pompeo freuen, der aus seinen Differenzen mit dem Sicherheitsberater keinen Hehl machte. Bis über beide Ohren lächelnd trat er am Dienstag vor die Presse. „Gestern Abend hat Präsident Trump Botschafter Bolton zum Rücktritt aufgefordert“, bestätigte er die Rausschmiss-Version seines Chefs. Auch sonst ist Pompeo ein treuer Diener seines Herrn. In der kommenden Woche will Trump den Bolton-Nachfolger benennen. Über die Person wird noch wild spekuliert. Dass Pompeo nach der Rochade deutlich mehr Gewicht haben dürfte, gilt als ausgemacht.

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