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Baby-Milchpulver in den USA wird knapp: Joe Biden will handeln

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Von: Johanna Soll

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Mutter gibt Baby die Flasche: Engpässe bei Säuglingsnahrung in den USA
Mutter gibt Baby die Flasche: Engpässe bei Säuglingsnahrung in den USA © Gregory Bull/dpa/AP

In den USA gibt es einen dramatischen Engpass an Milchpulver für Babys. Während Joe Biden helfen will, kritisiert ihn Texas‘ Gouverneur Greg Abbott.

Washington, D.C. – In den USA besteht derzeit eine Lebensmittelkrise, die die jüngsten Amerikaner:innen betrifft: Es herrscht ein Mangel an Babymilchpulver. Millionen Babys in den USA sind auf Milchpulver angewiesen, das für Säuglinge empfohlen wird, die nicht ausschließlich gestillt werden. Jetzt hat sich sogar US-Präsident Joe Biden eingeschaltet und verspricht Maßnahmen, um dem landesweiten Mangel an Babynahrung entgegenzuwirken. Einzelhändler haben zu warnen begonnen, dass es Monate dauern könne, um das Problem zu beheben.

Die Biden-Regierung kündigte mehrere Regulierungsmaßnahmen an, um Babymilchpulver schneller wieder in die Verkaufsregale zu bringen. Sie forderte etwa die Bundeshandelskommission auf, gegen Preiswucher und unlauteren Wettbewerb vorzugehen. Außerdem drängt das Weiße Haus Behörden dazu, den Import von Babymilchpulver aus dem Ausland zu erhöhen, denn derzeit beziehen die USA nur rund zwei Prozent der Säuglingsnahrung außerhalb des Landes.

Baby-Milchpulver ist derzeit in den USA knapp – aus unterschiedlichen Gründen

Aktuell ist die Lage dramatisch: Landesweit liegt der Mangel an Babymilchpulver bei durchschnittlich 43 Prozent. In den US-Bundesstaaten Iowa, Missouri, North Dakota, South Dakota, Texas und Tennessee ist mehr als die Hälfte der Produkte nicht länger vorrätig. Eine Mutter aus New Orleans sagte dem US-TV-Sender NBC, sie sei an einem Tag in elf Geschäften gewesen und habe für ihren fünf Monate alten Sohn nur zwei Dosen mit Milchpulver finden können.

Doch was ist der Grund für den Babymilchpulver-Engpass in den USA? Lieferkettenprobleme aufgrund der Corona-Pandemie, Rückrufe des Milchpulvers wegen Gesundheitsbedenken und eine unverantwortliche Finanzstrategie eines großen US-Herstellers. Die Probleme begannen im vergangenen Jahr, als die Pandemie zu Arbeits- und Transportunterbrechungen und Lieferschwierigkeiten von Rohstoffen führte. Zudem hamsterten viele Eltern Milchpulver für ihre Babys, was die Vorräte des Einzelhandels schneller schmelzen ließ.

Im Februar kam hinzu, dass Abbott Nutrition mehrere große Babymilchpulver-Marken zurückrief und seine Produktionsstätte in Sturgis, Michigan vorläufig wegen bakterieller Verunreinigung schließen musste. Eine behördliche Untersuchung hatte ergeben, dass vier Babys nach dem Verzehr von Milchpulver aus dieser Fabrik eine bakterielle Infektion erlitten hatten.

Stellte der größte US-Hersteller von Babymilchpulver „Aktionäre über amerikanische Familien“?

Abbott Nutrition wies die Behauptungen zurück, seine Produkte seien für die Erkrankungen der Säuglinge verantwortlich gewesen und gab an, das Werk in Michigan könnte innerhalb von zwei Wochen seine Produktion wiederaufnehmen, sofern die US-Behörde für Nahrungsmittelsicherheit grünes Licht gibt. Abbott Nutrition ist eines von nur einer Handvoll Unternehmen, die den Großteil des in den USA verkauften Babymilchpulvers produzieren, sodass der Rückruf ein großes Segment des Marktes betrifft.

Aus der Politik gab es Verbalattacken gegen Abbott Nutrition, weil der Konzern Geld in Rückkäufe seiner eigenen Aktien gesteckt hatte, anstatt sich mit Versorgungsproblemen zu befassen. „Obwohl es keine Wunderwaffe für die aktuelle Babymilchpulver-Krise wäre, würde die Besteuerung von Aktienrückkäufen Unternehmen dazu bringen, zweimal darüber nachzudenken, bevor sie Aktionäre über amerikanische Familien stellen“, sagte der Demokratische Senator Ron Wyden aus Oregon und Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats dem US-Online-Wirtschaftsmagazin Insider.

Ganz andere Töne kommen hingegen von dem republikanischen Gouverneur von Texas, dem rechtsnationalen Hardliner Greg Abbott. In einer gemeinsamen Erklärung zusammen mit dem nationalen Grenzschutzrat hatte sich der Politiker darüber mokiert, dass Joe Bidens Regierung Migrantenkinder in US-Gewahrsam trotz des landesweiten Mangels mit Babymilchpulver ernährt.

Greg Abbott Gouverneur von Texas will nicht, dass Babys illegaler Eingewanderter mit dem knappen Milchpulver ernährt werden

Dies stelle „eine weitere in einer langen Reihe rücksichtsloser, realitätsfremder Prioritäten der Biden-Regierung dar, wenn es um die Sicherung unserer Grenzen und den Schutz der Amerikaner geht. Unsere Kinder verdienen einen Präsidenten, der ihre Bedürfnisse und ihr Überleben an die erste Stelle stellt – nicht einen, der illegalen Einwanderern lebenswichtige Vorräte gibt, bevor er den Menschen dient, denen gegenüber er seinen Amtseid ablegt hat.“

Greg Abbott ist Abtreibungsgegner und bezeichnet sich als „pro-life“. Zu seiner Erklärung schrieb die US-Journalistin Caitlin Cruz auf der feministischen US-Nachrichtenwebsite Jezebel: „Greg Abbott hat letztes Jahr einen Gesetzentwurf unterzeichnet, der die Abtreibung nach sechs Wochen verbietet und die Bürger dazu anhält, sich gegenseitig auszuspionieren und zu verklagen, um das Gesetz durchzusetzen. Es ist überhaupt nicht pro-life, vorzuschlagen, dass wir Babys in den USA verhungern lassen sollten, wenn sie nicht die richtigen legalen Dokumente haben.“

Weiter schreibt Caitlin Cruz: „Abbott weiß, er muss das Feuer am Lodern halten, während sich die texanischen Republikaner zunehmen mehr dem Trumpismus und dem Autoritarismus zuwenden. Immigrant:innen jeden Alters sind die perfekten Sündenböcke. Zuerst nehmen sie ihnen die Jobs weg; jetzt wollen sie Babys Nahrung aus dem Mund nehmen und Frauen dazu zwingen, Kinder auszutragen. Diese Heuchelei ist so schlimm, dass ich daran ersticke.“ (Johanna Soll)

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