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Die liebe Familie darf natürlich nicht fehlen: Scott Morrison dankt Frau und Töchtern.

Australien

„Wunder“: Amtsinhaber Scott Morrison gewinnt Wahl überraschend

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In Australien bleibt der bisherige Premierminister Scott Morrison im Amt – womit keiner gerechnet hatte.

Der eigene Wahlsieg hat Australiens Premierminister so sehr überrascht, dass ihm als Erklärung nur Übernatürliches einfiel. „Ich habe schon immer an Wunder geglaubt“, jubelte Scott Morrison. Wochenlang hatte der konservative Premierminister, der erst im August 2018 das Amt des Regierungschefs eroberte, bei Umfragen hinter seinem Konkurrenten von der sozialdemokratischen Labour-Partei gelegen. Am Sonntag war klar: Morrisons Liberale Partei wird im Verein mit dem traditionellen Partner National Party zwar keine deutliche Mehrheit besitzen, ist aber dank unabhängiger Kandidaten in der Lage, die Regierung zu bilden.

„Ich glaube, am Ende hatten die Leute nach einer unglaublich negativen Kampagne einfach Furcht vor einem Wechsel“, sagte eine enttäuschte Oppositionsanhängerin. Möglicherweise glaubten die 16,4 Millionen Wahlberechtigten außerdem, dass Australien seit 2007 genug Wechsel an der Spitze erlebt hat. Sowohl die Labour-Partei wie auch die Konservativen zerfleischten sich seither in diversen internen Machtkämpfen. Morrison, der seinen konservativen Vorgänger Malcolm Turnbull stürzte, war bereits der fünfte Regierungschef seit dem Jahr 2013. Kein einziger Premierminister vollendete seit 2007 seine dreijährige Amtszeit.

Dem stramm konservativen Politiker waren wenig Chancen eingeräumt worden, weil der Urnengang als erste Klimawechsel-Wahl Australiens galt. Hier zeigen sich besonders deutlich die Folgen massiver Umweltverschmutzung und daraus folgender Klimaänderungen. Das Desaster im „Sonnenscheinstaat“ hat unter anderen einen Namen: Gautam Adani. Der indische Milliardär will im Outback von Queensland eine der größten Kohleminen der Welt eröffnen. Die schafft Arbeitsplätze; doch die Wähler sahen diese durch die ambitionierte Klimapolitik der Arbeiterpartei offenbar gefährdet.

Suche nach Stabilität

In Zeiten der Furcht vor einer ungewissen Zukunft und der Bedrohung des bisherigen Lebensstils entschieden sie sich auf der Suche nach Stabilität also für die politische Kraft, die Förderung von Bergwerkskonzeren und Privatunternehmen auf Kosten der Umwelt propagiert. Australien bestätigt damit einen Trend, der gegenwärtig weltweit in Staaten mit überwiegend weißer Bevölkerung vorherrscht: Nationalisten, Verleugner von Klimawandel und Politiker, die Abschottung statt Offenheit propagieren, sind auf dem Vormarsch.

Allerdings sieht laut Umfragen die Mehrheit der Australier im Klimawandel eine weitaus größere Gefahr als im Terrorismus oder in den Atomwaffen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un und wünscht sich endlich eine aktive Klimapolitik. In Australien gewinnt nach dem Mehrheitswahlrecht jedoch der Kandidat mit den meisten Stimmen, während der Verlierer leer ausgeht.

Auf das amtliche Endergebnis müssen die Australier nun noch warten. Nach vorläufigen Berechnungen haben Liberale und Nationale, die in der Hauptstadt Canberra seit sechs Jahren gemeinsam regieren, im Unterhaus 75 von insgesamt 151 Sitzen sicher. Zur Mehrheit von 76 Mandaten fehlte ihnen am Sonntag nur noch ein Mandat. Vier Wahlkreise standen noch auf der Kippe. Labor hat mindestens 67 Mandate, kann maximal aber nur auf 70 Sitze kommen. Die Grünen gewannen einen Sitz.

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