Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aukus-Pakt

Streit um U-Boote: Frankreich sieht Zukunft der Nato belastet

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
    schließen

Frankreichs Außenminister wirft USA und Australien „Lüge“ und „Doppelzüngigkeit“ vor.

Update vom 18.09.2021, 21.03 Uhr: Der Streit um den geplatzten U-Boot-Deal zwischen Frankreich und Australien belastet nach den Worten des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian die Zukunft der Nato. Der Vorfall habe Auswirkungen auf die Festlegung des neuen strategischen Konzepts der Verteidigungsallianz, sagte Le Drian am Samstag dem Sender France 2. Den Verbündeten Frankreichs warf er "Lüge" und "Doppelzüngigkeit" sowie einen schweren Vertrauensbruch und "Missachtung" vor, die eine "ernste Krise" ausgelöst hätten.

Am Freitagabend hatte Frankreich in einem außergewöhnlichen diplomatischen Schritt zwischen Verbündeten seine Botschafter aus Washington und Canberra zu Konsultationen zurückgerufen. Die USA, Großbritannien und Australien hatten zuvor die Gründung eines neuen Sicherheitsbündnisses für den Indopazifik verkündet, woraufhin Australien ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft mit Frankreich platzen ließ. Stattdessen will Australien US-Atom-U-Boote anschaffen.

Zoff um U-Boote: Paris ruft Botschafter aus USA und Australien zurück

Update von Freitag, 17.09.2021, 22:45 Uhr: Frankreich hat im Streit um den geplatzten U-Boot-Deal mit Australien seine Botschafter aus Washington und Canberra zu Konsultationen zurückgerufen. Außenminister Jean-Yves Le Drian begründete die „außergewöhnliche Entscheidung“ in einer Mitteilung am Freitag damit, dass die Ankündigungen der australischen und der US-Regierung „außerordentlich ernst“ seien. Am Mittwoch hatten die USA, Großbritannien und Australien ein neues Sicherheitsbündnis für den indopazifischen Raum angekündigt.

Das Abkommen sieht unter anderem den Bau atombetriebener U-Boote in Australien sowie den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern durch Canberra vor. Kurz nach Bekanntgabe des Abkommens hatte Canberra überraschend einen milliardenschweren U-Boot-Deal mit Frankreich aufgekündigt, was in Paris Empörung hervorrief.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der amerikanisch-französischen Beziehungen, dass Paris seinen Botschafter aus Washington zurückruft. Ein für Freitag geplanter Empfang in der Residenz des französischen Botschafters in Washington war aus Protest bereits abgesagt worden.

China droht Australien mit „nuklearem Krieg“ wegen Aukus-Deal mit USA

Erstmeldung: Sydney – Die Empörung in China war groß. Fast harmlos zu nennen war noch das, was ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums in einer ersten Stellungnahme zum neuen Sicherheitspakt zwischen den USA, Großbritannien und Australien von sich gab. Die Allianz sei „extrem unverantwortlich“, sagte Zhao Lijian, der Pakt untergrabe „den regionalen Frieden und die Stabilität ernsthaft und fördere das Wettrüsten“.

Ganz anders klang dann schon das, was ein chinesischer Militärexperte später verkündete. In einem Gespräch mit Chinas staatlicher Zeitung Global Times nahm der ungenannte Beamte jedenfalls kein Blatt vor den Mund und sprach davon, dass Australien nun als „potenzielles Ziel für Nuklearangriffe“ angesehen werden müsse. China und Russland würden eine Nation wie Australien nun nicht mehr als „unschuldige Nicht-Atommacht“ behandeln, sondern als „einen Verbündeten der USA, der mit Atomwaffen bewaffnet werden könnte“. Der australische Premierminister Scott Morrison bringe sein Land mit dem Pakt ernsthaft in Gefahr.

Joe Biden, Boris Johnson und Scott Morrison schmieden das neue Aukus-Bündnis.

Aukus-Pakt: Atom-U-Boote für Australien – China reagiert empört

Tatsächlich sieht das neues Bündnis, das in Anlehnung an die englischen Abkürzungen der beteiligten Länder den Namen Aukus trägt, unter anderem den Bau von atombetriebenen U-Booten in Australien vor. „Wir haben die Absicht, diese U-Boote in Adelaide in Australien in enger Kooperation mit den USA und Großbritannien zu bauen“, kündigte Morrison bei einer Videokonferenz mit US-Präsident Joe Biden und dem britischen Premier Boris Johnson an. Biden betonte dabei explizit, dass es sich nicht um nuklear bewaffnete U-Boote für Australien handele. „Das sind konventionelle U-Boote, die nuklear angetrieben werden.“

Die drei Staats- und Regierungschefs erwähnten China bei der Ankündigung ihres Deals nicht explizit. Morrison sagte jedoch, das neue Dreierbündnis solle helfen, die „Herausforderungen“ in der „zunehmend komplexen“ indopazifischen Region anzugehen. Morrison hatte sich zuvor um das Gespräch mit China bemüht und eine „offene Einladung“ an Präsident Xi Jinping ausgesprochen. Biden sprach von sich „rasch entwickelnden Bedrohungen“ und einem „historischen Schritt“. Johnson bemühte sich, die Vorwürfe aus China zu entkräften. Die Allianz sei „nicht feindselig gegenüber irgendeiner anderen Macht“.

Aukus-Pakt: Außer China schäumt auch Frankreich vor Wut

Doch nicht nur China war erzürnt, auch Frankreich schäumte vor Wut. Und das aus einem naheliegenden Grund. Die Regierung in Australien kündigte nämlich sogleich den 2016 abgeschlossenen Deal mit Paris zum Bau von zwölf neuen U-Booten auf. Damit gehen Paris sicher geglaubte 56 Milliarden Euro flöten.

Frankreichs Außenminister zeigte sich denn auch reichlich übellaunig und bemühte sich erst gar nicht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Jean-Yves Le Drian polterte jedenfalls herrlich drauflos. Canberra sei Paris „in den Rücken gefallen“, tobte er. „Ich bin wütend und verbittert. So etwas macht man nicht unter Verbündeten.“ Auch Joe Biden bekam bei dieser Gelegenheit gleich sein Fett weg. Die „einseitige, brutale und unvorhersehbare Entscheidung“, sagte der Außenminister, erinnere auffallend an den Stil des ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Das ging fast schon unter die Gürtellinie.

Aukus-Pakt: Neuseeland will Atom-U-Booten Durchfahrt verbieten

Wenig begeistert von dem Pakt zeigte sich auch Neuseeland. Die Position des Landes „in Bezug auf das Verbot von nuklearbetriebenen U-Booten in unseren Gewässern bleibt unverändert“, sagte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern und kündigte an, dem Nachbarn mit solchen U-Booten keinen Zutritt zu gewähren. Der Pazifikstaat lehnt Atomkraft strikt ab.

Die Aukus-Allianz dürfte auch das angespannte Verhältnis zwischen den USA und China weiter belasten. Joe Biden war zuletzt bei verschiedenen Themen immer wieder mit China aneinandergeraten. (cs/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Mc2 Naomi Johnson/U.S. Navy via www.imago-images.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare