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12 4000 Flugkilometer in vier Tagen: Außenminister Maas (l.) bei Ägyptens Staatschef al-Sisi.

Diplomatie

Außenminister Maas will sein Profil schärfen

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Türkei, Libyen, Ägypten: Als Krisendiplomat in eigener Sache reist Außenminister Maas reist um die Welt. Eine Analyse.

Heiko Maas hat den Dienstagvormittag bei Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi verbracht. Bei einem Herrscher, dessen Militärregime Kritiker zu Tausenden wegsperrt. „Ein wichtiger Partner“ sei Ägypten, sagt Maas, als er von seinem Gespräch mit al-Sisi berichtet. „Die Stabilität dieses Landes ist ganz entscheidend für die Stabilität in der Region.“ Zur Stabilität trage aber auch die Wahrung von Bürgerrechten bei, schiebt der frühere Justizminister hinterher. Die politische Gratwanderung wird zur Kerndisziplin des Triathleten Maas.

Türkei, Libyen, Tunesien, Ägypten: Binnen vier Tagen legt Maas 12 4000 Flugkilometer zurück. In Ankara mahnt der SPD-Politiker die Türkei zur Zurückhaltung in Syrien; in Nordafrika lotet er die Chancen für eine deutsche Mittlerrolle im libyschen Bürgerkrieg aus. Maas eilt von einem Großkonflikt zum nächsten. Der Außenminister ist aber auch Krisendiplomat in eigener Sache. Maas fliegt an gegen seinen Ruf als passiver Außenminister.

Zweifel an seiner Eignung begleiten Maas seit seinem ersten Tag im Auswärtigen Amt. Der „Spiegel“ überschrieb im Sommer ein Porträt über Maas mit dem Titel „Mann ohne Leidenschaften“; er sei ein „politisches Leichtgewicht“. Der Text traf einen Nerv: bei Opposition und Beobachtern, aber auch im Auswärtigen Amt und in Maas’ Partei, der SPD. Der Druck auf den 53-Jährigen wuchs, als Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Idee von einem UN-geführten Syrien-Einsatz vorbrachte. Der Vorstoß der CDU-Chefin mochte naiv sein. Aber Kramp-Karrenbauer nahm damit Maas aus dem Spiel – aus seinem Spiel, der Außenpolitik. Hektik brach im Außenministerium aus, Maas musste sich seine Autorität zurückerkämpfen. Als Schauplatz wählte er ausgerechnet Ankara.

„Überall wird uns gesagt, das sei kein realistischer Vorschlag“, sagt Maas im türkischen Außenministerium. Er erwähnt Kramp-Karrenbauer nicht, und doch ist der Revanche-Charakter dieses hastig anberaumten Kurzbesuchs unverkennbar. Zu seiner Linken lächelt der türkische Außenminister still in sich hinein. Der Versuch eines Befreiungsschlags misslingt. „Das ist ein peinlicher Moment deutscher Außenpolitik“, sagt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen. Ein Chefdiplomat, der das Ansehen seines Staates beschädigt: Einem herberen Vorwurf kann ein Außenminister kaum ausgesetzt sein. Maas’ Zweifler sehen sich bestätigt.

Erfolg und Misserfolg eines Außenministers sind schwer messbar. Die Lösung internationaler Konflikte lässt sich nur selten einzelnen Politikern zuschreiben. Dafür sind sie zu komplex – zumal jetzt, da sich die in Jahrzehnten errichtete internationale Ordnung in Auflösung befindet. Maas weiß um die Macht der Bilder. Wie kein anderer seiner Vorgänger ist er darum bemüht, sich ihre Erzählkraft zunutze zu machen. Sein sorgsam kuratierter Instagram-Kanal gibt präzise Auskunft darüber, wie der Minister gesehen werden möchte: meist locker und lässig, mitunter entschlossen, stets perfekt ausgeleuchtet. Es sind Fotos wie von einem Filmset. In der Hauptrolle: Heiko Maas.

In Nordafrika ist der Saarländer auf großer Mission. Maas will ausländische Mächte, die die verfeindeten Parteien in Libyen völkerrechtswidrig mit Waffen und Geld beliefern, zur Einigung bewegen: Während Italien, Großbritannien und die USA die offiziell anerkannte Regierung in Tripolis unterstützen, halten Frankreich, Russland und Ägypten zum rivalisierenden General Chalifa Haftar. Endlich scheint ein Projekt gefunden, das sein Bild in der Öffentlichkeit wenden, das die Amtszeit von Heiko Maas prägen könnte.

Spektakuläre Bilder bringt der Nordafrikabesuch allemal. Die Abendnachrichten zeigen Maas, wie er verzweifelte Flüchtlinge in einem libyschen Elendslager trifft. Wie er in Sicherheit gebracht wird, als ein feindliches Flugzeug am Himmel aufgetaucht sein soll. Die Botschaft ist klar: Soll sich doch das politische Berlin im großkoalitionären Kleinklein beharken, Maas nimmt sich der wirklich wichtigen Fragen an.

Doch die Wucht der Bilder aus Nordafrika steht in scharfem Kontrast zur überschaubaren Bilanz dieser Reise. Mehr als Absichtsbekundungen gibt es nicht. Das Gefälle zwischen Inhalt und Inszenierung ist groß. Aus diesem Gefälle speist sich Enttäuschung über Maas.

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