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USA

Trump-Fans bereiteten „Krieg“ in Washington vor – FBI wusste offenbar Bescheid

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Am 6. Januar stürmten gewaltbereite Trump-Fans das Kapitol in Washington. Ein FBI-Bericht warnte vor geplanten Ausschreitungen in Washington.

  • Unmittelbar nach dem Angriff aufs Kapitol hieß es vom FBI, dieser sei unvorhersehbar gewesen.
  • Jetzt taucht ein FBI-Bericht vom 5. Januar auf, der etwas anderes nahelegt.
  • In einem Online-Thread wurde die gemeinsame Fahrt nach Washington geplant und zu Gewalt aufgerufen.

Washington D.C. – Eine Woche ist vergangen, seitdem Gewaltbereite das Kapitol, den Sitz des US-Kongresses, stürmten, als dieser das Ergebnis der US-Wahl 2020 zertifizieren sollte. Bilder von Tumult vor dem Gebäude, Zerstörung und Chaos im Innern und verängstigten Kongressabgeordneten sorgten auch über die Grenzen der USA hinaus für Erschütterung.

Ausschreitungen in Washington: FBI wusste von geplantem „Krieg“

Jetzt, eine Woche später, wird bekannt, dass das FBI offenbar von geplantem „Krieg“ am Kapitol wusste. Laut einem Bericht der „Washington Post“ hat eine FBI-Stelle im Bundesstaat Virginia eine explizite Warnung herausgegeben, dass Extremisten sich auf eine Reise nach Washington vorbereiten, um Gewalt und „Krieg“ zu verüben. Das widerspricht der bisherigen Angaben, nach denen das FBI keine Hinweise auf den Angriff gehabt habe.

Am 6. Januar 2021 kam es am Kapitol in Washington zu schweren Ausschreitungen. (Archivfoto)

Sturm aufs Kapitol: FBI-Bericht warnte vor potenzieller Gewalt in Washington

Der FBI-Bericht, welcher der „Washington Post vorliegt, zeichne ein düsteres Bild von gefährlichen Plänen, einschließlich Personen, die eine Karte von Tunneln im Kapitol teilten und mögliche Treffpunkte für „Verschwörer“ in Kentucky, Pennsylvania, Massachusetts und South Carolina, um gemeinsam nach Washington zu fahren. In der FBI-Meldung heißt es, die Aufrufe zu Gewalt seien eine Antwort auf „unrechtmäßige Lockdowns“ und sollten am 6. Januar in Washington beginnen.

Ein Online-Thread habe ausdrückliche Aufrufe zu Gewalt behandelt, einschließlich folgender Anweisung: „Seid bereit zu kämpfen. Der Kongress muss hören wie Glas zerspringt, Türen eingetreten werden und Blut von ihren BLM und Pantifa Sklaven-Soldaten verschüttet wird. Werdet gewalttätig. Hört auf, das hier einen Marsch oder eine Demonstration oder einen Protest zu nennen. Fahrt bereit für einen Krieg dorthin. Wir kriegen unseren Präsidenten oder wir sterben. NICHTS sonst wird dieses Ziel erreichen.“ Die Abkürzung BLM dürfte sich auf die Bewegung Black Lives Matter beziehen, die sich gegen Rassismus starkmacht. Pantifa ist ein abschätziger Begriff für die Antifa.

FBI-Warnung vor Ausschreitungen am Kapitol: Unklar, ob sie weitergereicht wurde

Doch selbst mit diesen Informationen in der Hand wies der Autor der FBI-Meldung darauf hin, dass das FBI in das Recht auf freie Meinungsäußerung eingreifen könnte, wenn es dagegen vorgeht. Der Bericht ist dennoch der stärkste Beweis für das Versagen des Geheimdienstes, auf das das Chaos am Capitol Hill folgte, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen.

Nun wird darüber diskutiert, ob die Meldung aus Virginia schnell genug an die richtigen Stellen weitergegeben wurde. Laut dem „Washington Post“-Bericht wurde die FBI-Meldung 45 Minuten nach Erhalt der Informationen geschrieben und an das FBI in Washington weitergeleitet. Allerdings sagte Steven D‘Antuono, der Leiter des FBI-Büros in Washington, am vergangenen Freitag (08.01.2021), der Geheimdienst hätte keinen Hinweis darauf, dass die Pro-Trump-Demonstrationen etwas anderes als rechtmäßig wären.

Am Dienstag (12.01.2021) sagte D‘Antuono jedoch, der alarmierende Bericht sei „mit all unseren Ordnungskräften“ geteilt worden. Jedoch habe die Exekutive nicht viel dagegen ausrichten können, weil aus dem FBI-Bericht nicht hervorgegangen sei, wer die Gewaltaufrufe geschrieben hatte.

Chef der Kapitol-Polizei: FBI-Bericht mit Warnung nie bekommen

Der Chef der Polizei im Kapitol, Steven Sund, sagte am selben Tag in einem Interview, er habe nie eine solche Meldung bekommen und bestand darauf, dass er und andere die Warnung ernst genommen hätten, wäre sie weitergereicht worden. Sund war nach der Erstürmung des Kapitols zurückgetreten.

Der FBI-Bericht aus Virginia beinhaltet aber auch einen Hinweis darauf, dass es sich um nicht final bewertete Informationen handle und dass die Behörden, die ihn erhalten, keine Maßnahmen basierend auf dem Bericht ergreifen sollen, ohne mit dem FBI Rücksprache zu halten. Nun wird offenbar FBI-intern und in weiteren Behörden diskutiert, ob das Risiko, das von den Informationen ausging, falsch eingeschätzt wurde, weil es sich bei der Mehrheit der Demonstranten um Weiße, konservative Trump-Fans gehandelt habe. (Ines Alberti)

Rubriklistenbild: © John Harrington/Imago Images

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