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Auch nach Einbruch der Dunkelheit sind noch hunderte rechte Demonstrationsteilnehmer vor Ort.

Krawalle in Chemnitz

Ausschreitungen und Verletzte in Chemnitz

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Die Nacht verlief ruhig +++ Teilnehmer von "Pro Chemnitz" zeigen Hitlergruß +++ Polizei spricht von mehreren Verletzten +++ Die Ereignisse des vergangenen Tages.

05:30 Uhr: Nach Ende der beiden Demonstrationen räumte ein Polizeisprecher Personalmangel in den eigenen Reihen ein. „In der Nacht ist alles ruhig geblieben“, teilte die Polizei am Dienstagmorgen mit. 

00:50 Uhr: Auch nach dem Abschluss der Kundgebungen gerieten der Polizei zufolge „vereinzelt“ Teilnehmer der verschiedenen Lager aneinander. Die Polizei begleitete nach eigenen Angaben eine größere Menschengruppe zum Bahnhof. Auf der Abreise seien vier Teilnehmer der Versammlung Pro Chemnitz „durch 15 bis 20 Angreifer verletzt“ worden, teilte die Polizei später mit. Zwei der Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden. Die Ermittlungen dauerten an.

23:05 Uhr: Mittlerweile ist stellenweise von bis zu 5.000 Teilnehmern an der „Pro Chemnitz“ Demonstration die Rede. Die Polizei geht davon aus, dass gewaltbereite Demonstranten aus ganz Deutschland angereist sind. Ein Polizeisprecher bestätigt gegenüber dem Fernsehsender NTV, dass die Polizei nicht mit einer so großen Teilnehmerzahl gerechnet habe.

22:15 Uhr:  Laut der Polizei Sachsen beruhigt sich die Lage in Chemnitz. Auch der Verkehr läuft wieder normal.

22:03 Uhr: Die Demonstrationen sind mittlerweile zu Ende. Mehrere Beobachter berichten davon, dass mehrere gewaltbereite Gruppen Neo-Nazis und Hooligans durch die Stadt ziehen. Es soll zu mehreren Festnahmen gekommen sein.

So sieht aktuell die „Trauer“ der „besorgten Bürger“ in Chemnitz aus. Der Neonazi Mob tobt. #c2708 #Chemnitz pic.twitter.com/yxpIesJgYe

— Carsten Schellhorn (@cschellhorn)

27. August 2018

21:53 Uhr: Jürgen Kasek von den sächsischen Grünen spricht von einer „Eskalation mit Ansage“. Er wirft den Einsatzkräften vor, nicht entschlossen genug gegen vermummte Hooligans vorgegangen zu sein.

21:45 Uhr: Ein Polizeisprecher berichtet davon, dass mehrere Mitglieder der „Pro Chemnitz“ Demonstration versucht haben, die Teilnehmer des anderen Demonstrationszuges anzugreifen.

21:39 Uhr: An dem Demonstrationszug „Pro Chemnitz“ haben sich laut verschiedener Angaben bis zu 2.500 Menschen beteiligt. Rund 100 Vermummte sollen den Hitlergruß aus dem Zug gezeigt haben.

21:23 Uhr: Es fliegen weiter Feuerwerkskörper und vereinzelt sind auf Videos immer wieder Rangeleien zu sehen.

21:01 Uhr: Auf den Videos, die mehrere Augenzeugen auf Twitter veröffentlichen, ist zu sehen, dass zwischen rechten und linken Demonstrationen nur wenige hundert Meter Platz ist.

20:57 Uhr: Die Schlachtrufe werden offenbar immer martialischer. Laut Journalist Henrik Merker unter anderem: „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“.

20:55 Uhr: Die Versammlung „Pro Chemnitz“ läuft zunächst weiter. Die Polizei hatte den Aufmarsch vorübergehend gestoppt, weil sich mehrere Personen vermummt hatten.

20:49 Uhr: Auf Twitter werden Videos veröffentlicht, die Rechtsradikale zeigen, während sie durch Chemnitz marschieren. Dabei skandieren sie: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“.

#c2708 #Chemnitz Das ist keine friedliche Demo, sondern #Faschismus in #Deutschland im Jahr 2018. Gewaltbereite #Neonazis die nur auf Eskalation warten. "Deutschland den Deutschen..." #Sachsen #FckNZS pic.twitter.com/pUnR6QpjVY

— Antifa Zeckenbiss (@AZeckenbiss)

27. August 2018

20:41 Uhr: Laut der Polizei gibt es mehrere Verletzte. Die Wasserwerfer befinden sich im Einsatz. Aus beiden Demonstrationszügen seien „Feuerwerkskörper und andere Gegenstände“ geworfen worden.

20:30 Uhr: Es kommt zu mehreren Auseinandersetzungen, die Polizei versucht die Demonstranten auseinander zu halten.

20:00 Uhr: Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden hat die Ermittlungen zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes übernommen. Das teilte die Behörde am Montagabend mit.

Steffen Seibert verurteilt die Angriffe

Die Bundesregierung und die sächsische Landesregierung haben nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz vor Hetzjagden auf Ausländer und Selbstjustiz gewarnt. In Berlin verurteilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag die Übergriffe auf Migranten scharf. „Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin, das hat bei uns in unseren Städten keinen Platz, und das kann ich für die Bundesregierung sagen, dass wir das auf das Schärfste verurteilen“, betonte Seibert. Bundesinnenminister Horst Seehofer äußerte sich zu den Vorgängen zunächst nicht.

Am Montagabend kam es erneut zu einem Aufmarsch der Rechten in Chemnitz. Die Polizei meldete am frühen Abend, es hätte bei Zusammenstößen zwischen Rechten und linken Gegendemonstranten mehrere Verletzte gegeben. Sie hätten zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden müssen, nachdem Kundgebungsteilnehmer der beiden Lager mit „Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen“ geworfen hätten, teilte die Polizei mit.

Zuvor hatte der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) gesagt, es sei „widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird.“

Am Sonntagnachmittag waren etwa 800 Demonstranten durch die Innenstadt von Chemnitz gezogen. Unter ihnen waren gewaltbereite Rechte, die gegen „Ausländerkriminalität“ protestierten.

„Man sieht zum wiederholten Mal, dass es rechten Hooligans gelingt, so zu mobilisieren, dass die Sicherheitskräfte erst einmal überfordert sind“, sagte Extremismus-Experte Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen im FR-Interview. „Das hat sich schon mehrfach gezeigt, in Köln, Heidenau, Freital und Clausnitz. Dass die Sicherheitskräfte davon so überrascht werden, das macht mir ehrlich gesagt größere Sorge als die Menge, die sich zusammenfindet.“ Von Seiten der Polizei dürfe es „null Toleranz für Selbstjustiz geben“, forderte er.

Die Linke-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz kritisierte das zu geringe Polizeiaufgebot am Sonntag. Auch am Montag berichteten mehrere Reporter, dass zu wenige Beamte vor Ort seien. (FR/dpa/afp/epd)

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