In einem Luftschutzkeller in Stepanakert.
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In einem Luftschutzkeller in Stepanakert.

Berg-Karabach

Viele Tote in Südkaukasus

Moskau will vermitteln. Die Türkei fordert Armenien zum Rückzug auf.

Offiziell gilt seit 1994 eine Waffenruhe in der Südkaukasusregion Berg-Karabach – doch die neuen Kämpfe zwischen armenischen und aserbaidschanischen Truppen zeigen, wie brüchig die Waffenruhe ist. Mindestens 68 Soldaten hat Armenien seit dem Beginn der Gewalt Sonntagfrüh verloren, teilte das Militär mit. Die Zahl der Opfer auf der Seite Aserbaidschans verschweigt Baku bisher. Inoffiziell ist die Rede von mehreren Dutzend Toten, darunter auch Zivilisten.

Es sind die schwersten Kämpfe seit Jahren in Berg-Karabach. Die Region ist historisch umstritten. Bereits zum Ende der Sowjetunion, 1988, kam es dort zu blutigen Kämpfen, Pogromen und Vertreibungen.

Das christlich-orthodoxe Armenien und auch das muslimische Aserbaidschan sind ökonomisch eng mit Russland verflochten. Moskau bot am Montag an, zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln. „Russland hat die Möglichkeit, seinen Einfluss und die traditionell guten Beziehungen zu beiden Ländern für eine Lösung dieses Konflikts zu nutzen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Auch die Bundesregierung rief zu einem Ende der Eskalation in Berg-Karabach auf. Der neuerliche Ausbruch des Konflikts sei eine „sehr gefährliche Entwicklung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Es müsse ein „sofortiger Waffenstillstand“ erfolgen, außerdem müssten die Verhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder aufgenommen werden.

Armenien beantragte am Montag beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Sofortmaßnahmen gegen Aserbaidschan. Ein entsprechender Antrag der Regierung in Eriwan sei eingegangen und werde derzeit geprüft, sagte eine Sprecherin des Straßburger Gerichts. Der EGMR ist der gerichtliche Zweig des Europarates, dem sowohl Armenien als auch Aserbaidschan seit 2001 angehören.

In der umkämpften Region leben etwa 145 000 Menschen, überwiegend Armenier. Völkerrechtlich gehört die Region aber zu Aserbaidschan. Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten.

Deren Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte Armenien auf, den Einfluss auf die Region aufzugeben. „Die Zeit ist gekommen, die Krise in dieser Region zu beenden, die mit der Besatzung von Berg-Karabach begonnen hat“, sagte Erdogan am Montag. Bereits am Sonntag hatte er verkündet, Aserbaidschan zu unterstützen.

Ein Krieg in der Region könnte weitreichende Auswirkungen haben. Russland und die Türkei konkurrieren um Einfluss in der Kaukasusregion. Aserbaidschan hat seine Armee in den vergangenen Jahren mit Hilfe der Türkei hochgerüstet. Russland unterhält einen Militärstützpunkt in Armenien. (afp/dpa)

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