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Ausgerechnet der Öl-Nation Irak geht das Benzin aus

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Einwohner von Basra machen ihrem Ärger gewaltsam Luft / Bremer gibt Saboteuren und Schmugglern die Schuld

Von Hans Dahne (dpa)

BASRA / HILLA / BAGDAD, 10. August (dpa). Eigentlich schwimmt Irak auf den zweitgrößten Erdölreserven der Welt. Die Situation ist inzwischen so paradox, dass eines der ehemals größten Förderländer nach Angaben der US-Zivilverwaltung Diesel, Benzin und Kochgas aus Jordanien, Kuwait und der Türkei importieren muss.

Für die Verknappung machen die Alliierten vor allem Sabotage und Schmuggel verantwortlich. US-Zivilverwalter Paul Bremer nennt dies ein "Verbrechen gegen alle Iraker". Die geschmuggelte Menge gebe Grund zur Besorgnis und führe zu Engpässen in einigen Landesteilen.

13 Jahre UN-Sanktionen, die Zerstörung von Energieanlagen und Leitungen im Krieg zum Sturz Saddam Husseins sowie Hamsterkäufe der beunruhigten Bevölkerung bleiben bei der Suche nach der Wurzel des Übels unerwähnt.

Mehr als 100 Kleinschiffe haben die alliierten Truppen bislang aufgebracht. Mehr als 150 Schmuggler wurden festgenommen und den Gerichten übergeben. Der bislang größte Coup gelang der britischen Marine am Freitag, als sie im nördlichen Arabischen Golf ein Schmuggel-Schiff aufbrachte, das nach Bremers Worten 1100 Tonnen Diesel an Bord hatte. Die "Navstar 1" ist in Panama registriert, die Besatzung stammt den Angaben zufolge aus der Ukraine. Öltanker haben in der Regel ein Ladevolumen von 100000 bis 500000 Tonnen. Auch im unbeladenen Zustand befindet sich immer kleinere Mengen Diesel für die eigenen Motoren an Bord.

Die illegale Ausfuhr von Ölprodukten ist kein neues Phänomen. Saddams getöteter Sohn Udai soll eine ganze Schmuggel-Flotte betrieben haben, um das UN-Embargo zu umgehen. Heute machen nach Erkenntnissen der US-Zivilverwaltung vor allem Funktionäre der inzwischen verbotenen Baath-Partei von Ex-Diktator Saddam Hussein Kasse. Die beladenen Kleinschiffe sollen sich zwischen Fischerbooten verstecken, in iranische Hoheitsgewässer flüchten und dann versuchen, die internationalen Gewässer zu erreichen.

Bei Mittagstemperaturen um 50 Grad Celsius beeinträchtigt der Mangel an Treibstoff, Kochgas und Diesel unmittelbar das Leben der Iraker. Bei stundenlangen Stromabschaltungen helfen nur Generatoren, um wenigstens eine Klimaanlage betreiben zu können oder Licht im Haus zu haben.

Während in Basra die Stimmung überkochte, nehmen die Einwohner von Hilla rund 100 Kilometer südlich von Bagdad die Engpässe noch mit einem Grummeln hin. In Zweierreihen stehen rund einen Kilometer lang die Autos vor einer Tankstelle. Die Wartenden klagen auch über die Preisexplosion. Benzin ist zehn Mal teurer als vor dem Krieg. Bei Kochgas beträgt der Preis fast das Zwanzigfache.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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