Porträt

Der Aufstieg geht weiter

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Die Magdeburgerin Katrin Budde gilt als machtbewusst, schlagfertig, kantig und bissig. Wer sie unterschätzt, dem ergeht es wie SPD-Landeschef Hövelmann, den sie nun ablöst. Von Bernhard Honnigfort

An Entschlossenheit mangelt es der Politikerin nicht. An Durchsetzungskraft auch nicht. Nach der Bundestagswahl im September, die für die Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt besonders bitter ausfiel, meldete sich Katrin Budde, 44, zu Wort und kündigte an, Parteivorsitzende werden zu wollen. Es war eine Aufforderung zum Duell an den angeschlagenen Parteichef Holger Hövelmann.

Die SPD war bei der Wahl auf 16,9 Prozent halbiert worden und hatte alle Wahlkreise verloren. SPD-Landeschef und Innenminister Hövelmann dachte noch, er könne Parteichef bleiben. Auf alle Fälle wollte er nicht die alleinige Schuld für das schlechte Abschneiden auf sich nehmen. Dann mischte sich Katrin Budde ein, und der gesamte Parteivorstand musste gehen. Am Samstag trat sie gegen Hövelmann auf dem Landesparteitag in Magdeburg an - und wurde mit 60 zu 41 Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt.

Die Magdeburgerin ist eine sehr erfahrene Politikerin in Sachsen-Anhalt. Sie gilt als machtbewusst, schlagfertig, kantig und bissig. Wer sie unterschätzt, dem ergeht es wie Hövelmann.

Die Diplom-Ingenieurin für Arbeitsgestaltung hatte 1989 die SPD in Magdeburg mitgegründet. Seit 1994 gehört sie dem Landesvorstand an, seit 2006 ist sie stellvertretende Vorsitzende; vor 19 Jahren zog sie in den Landtag ein, seit 2006 führt sie die SPD-Fraktion. Unter SPD-Ministerpräsident Reinhard Höppner war sie von 2001 bis 2002 Wirtschaftsministerin.

In Magdeburg rätselt man nun, ob Budde auch noch Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl 2011 werden möchte. Bislang ist ausgemacht, dass Finanzminister Jens Bullerjahn die Sozialdemokraten anführen soll. 2011 tritt der beliebte CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer nicht mehr an. Und die Linkspartei rechnet fest damit, stärkste Partei zu werden, was sie bei der Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt schon wurde. Sachsen-Anhalt, heißt es bei den Linken, könnte das erste rot-rote Bundesland werden mit einem Linken als Regierungschef - wenn denn die SPD mitmacht.

Bullerjahn gilt als Technokrat, Reformer und grauer Sparer, weniger als ein Politiker, der die notorisch wahlmüden Menschen in dem Bundesland ansprechen kann. In der sachsen-anhaltinischen SPD gibt es erhebliche Zweifel, ob er der Richtige ist. Budde sagte am Samstag Sätze, die sich durchaus so deuten ließen, dass sie und ihre linkeren Positionen 2011 vielleicht das bessere Angebot sein könnten: "Wir dürfen Reformen nicht nur am Reißbrett planen, sondern wir müssen die Leute mitnehmen." Reißbrett, das meinte wohl den Genossen Bullerjahn.

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