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Aufschwung für Kriegsgegner

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Frieden hatten sich die Amerikaner friedlicher vorgestellt

Von  Von Bruno Lenz (New York)

In diesen Tagen startet die US-Friedensbewegung eine neue Kampagne. Tausende von Ansteck-Buttons mit dem Slogan "Bush Lies - Who Dies?" (Bush lügt - Wer stirbt?) sind gedruckt, darunter die Forderung: "Bringt die Truppen jetzt nach Hause". Damit wollen die Friedensbewegten jenen Schwung wieder aufnehmen, der ihnen bei Kriegsbeginn in Irak im März verloren gegangen war. Nachdem in der Anfangsphase des Krieges überbordender Patriotismus keine Gegenmeinung zuließ, wachsen jetzt selbst bei Befürwortern des Militäreinsatzes Zweifel.

"Ich weiß nicht, wann die Zahl der verletzten und getöteten Soldaten ein Problem für die Wahl werden", sagte David Norcross der  konservativen Washington Times, "der Präsident muss die Amerikaner weiter spüren lassen, dass er das Sagen hat, und unnötige Verluste vermeiden." Sonst bekommt auch Norcross selbst ein Problem: Er organisiert nämlich den Parteitag der Republikaner im nächsten Jahr in New York, auf dem George W. Bush mit großem Brimborium für seine Wiederwahl nominiert werden soll.

 Nachgerade allergisch reagieren die Konservativen derweil auf Vergleiche der US-Mission in Irak mit der in Vietnam. Die meisten Amerikaner hatten sich den Frieden in Irak friedlicher vorgestellt. Nur die Nachricht vom Aufspüren und Töten der beiden Söhne Saddam Husseins verhinderte bislang, dass Bushs Beliebtheitswerte in den Umfragen wieder in den Keller fielen. Um zu beweisen, dass die Kriegsgegner übertreiben, führte die Washington Times kürzlich sogar eine makabre Rechnung an: Im Durchschnitt sei, seit Bush die Kampfhandlungen am 1. Mai für beendet erklärt hatte, jeden zweiten Tag ein Amerikaner in Irak getötet worden. 1968, im blutigsten Jahr des Vietnam-Krieges, so das Blatt weiter, fielen dagegen 14 594 US-Soldaten, also etwa 40 am Tag.

Die Kommentatoren der liberalen Medien giften zurück, an vorderster Front steht wie üblich die New York Times. "Der Konflikt in Irak ist ebenso eine Narren-Geschichte wie der Krieg in Vietnam", schreibt dort Bob Herbert, "Irak ist nicht Vietnam, wo über 50 000 Amerikaner fielen. Aber wie in Vietnam haben trügerische Führer unser Land in eine tragische Situation manövriert, von der ich nicht glaube, dass die Amerikaner sie auf lange Zeit unterstützen."

Mittlerweile werden selbst die demokratischen Präsidentschaftskandidaten mutiger, wenn es darum geht, ihr Unbehagen über das Vorgehen in Irak zu artikulieren. Am furchtlosesten tritt der ehemalige Gouverneur von Vermont auf, Howard Dean, und feiert damit in der Frühphase des Marathonwahlkampfes überraschende Erfolge. Die Magazine Newsweek und Time widmeten ihm sogleich eine Titelgeschichte. Auf die Frage, ob er nicht fürchte, dass ihm seine Opposition langfristig schaden könnte, wenn sich die Situation in Irak bessere, sagte Dean: "Ich glaube nicht, dass man seine Jungs in den Krieg schickt, wenn man nicht den Willen hat, den Amerikanern genau zu sagen, warum. Aber der Präsident hat das nicht getan."

Dossier: Irak nach dem Krieg

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