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Demonstranten vor dem Hauptquartier der Armee in Khartum.

Nach Sturz von Al-Baschir

Aufruf zu stärkeren Protesten

Im Sudan drängt die Zivilgesellschaft das Militär, die Macht abzugeben.

Im Sudan sind die Verhandlungen zwischen dem regierenden Militärrat und Vertretern der Demonstranten unterbrochen worden. Das sagte ein Sprecher der Protestbewegung, Mohammed al-Amin, am Sonntagabend vor Tausenden Demonstranten in der Hauptstadt Karthum. Er rief dazu auf, die Proteste gegen das Militär fortzusetzen, „bis unsere Forderungen erfüllt werden“. Die Demonstranten verlangen eine sofortige Übergabe der Macht – und zwar an eine ausschließlich zivile Regierung.

Das Militär hat Mitte April die Regierung von Präsident Omar al-Baschir gestürzt und weigert sich bisher, die Macht wieder abzugeben. Am Sonntag sagte der Vorsitzende des militärischen Übergangsrats, General Abdel Fattah al-Burhan, der Militärrat wolle innerhalb einer Woche auf die Forderungen der Demonstranten eingehen. Möglich wäre demnach auch eine gemeinsame Übergangsregierung von Politikern und Militärs.

Das reicht den Demonstranten nicht. Der Militärrat sei nur eine „Verlängerung“ der Regierung des gestürzten autoritären Staatschefs Al-Baschir, sagte Al-Amin. „Wir rufen dazu auf, die Demonstrationen zu eskalieren.“

Die sudanesische Zivilgesellschaft geht seit Dezember gegen die Regierung auf die Straße. Auslöser war ein Anstieg der Brotpreise. Doch bald forderten die Demonstranten auch einen Rücktritt Al-Baschirs. Am 11. April wurde der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Staatschef vom Militär gestürzt und in ein Gefängnis gebracht worden. Die Armee stellte Wahlen in den nächsten zwei Jahren in Aussicht.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sagten dem nordafrikanischen Krisenstaat am Sonntag drei Milliarden Dollar Finanzhilfen zu – überwiegend für Lebensmittellieferungen, Medikamente und Erdölprodukte.

Für die Interessen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten spielt das Land eine Schlüsselrolle. Unter anderem kämpfen sudanesische Truppen in der von Saudi-Arabien geführten Allianz im Jemen gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Nach dem Sturz Al-Baschirs sagten beide Golfstaaten der Militärführung ihre Unterstützung zu. Die EU erkennt den militärischen Übergangsrat dagegen nicht an. (afp/epd)

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