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Manuel Valls hat für den Bürgermeisterposten in seiner Geburtstadt kandidiert - erfolglos.P

Spanien

Der Aufmischer von Barcelona

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Der französische Ex-Premier Manuel Valls zeigt als Kommunalpolitiker in Kataloniens Hauptstadt klare Kante gegen Separatisten – ein Porträt.

Dass Manuel Valls kein Politiker wie andere ist, merkten die Spanier Ende Mai. Da erklärte er, dass er bei der anstehenden Bürgermeisterwahl in Barcelona „ohne Vorbedingungen und Ultimaten“ für die Amtsinhaberin Ada Colau stimmen werde. Alle waren verwirrt: sowohl die Linke Ada Colau, die katalanischen Separatisten als auch Ciudadanos – die Partei, mit der sich Valls im September vorigen Jahres zusammengetan hatte. Bedingungslose Unterstützung für einen politischen Gegner, so etwas gibt es in Spanien nicht, belehrten ihn seine Bündnispartner. Valls hörte nicht auf sie. Am Samstag machte er mit seiner Stimme die Wiederwahl Colaus möglich, und am Montag verstieß ihn Ciudadanos.

Kann sein, dass das spanische Abenteuer des früheren französischen Ministerpräsidenten nun schon vor seinem Ende steht. Aber der 56-Jährige hat sich doch den Respekt etlicher Spanier erworben, die einen wie ihn noch nicht kannten. Natürlich strebt auch er nach der Macht. „Ein Politiker, der keine Ambitionen hat, ist entweder kein Politiker, oder er sagt nicht die Wahrheit“, stellte er in einem Interview klar. Er wäre gern französischer Präsident geworden, aber seine damaligen sozialistischen Parteigenossen wollten ihn nicht. In Frankreich war für seine Ambitionen kein Platz mehr. Im vergangenen Jahr beschloss er dann, sein Glück in seiner Geburtsstadt Barcelona zu versuchen. Er ist auch hier gescheitert, zumindest vorerst. Aber auf alle Fälle in Ehren.

„Wenn es nach Ciudadanos gegangen wäre, hätte Barcelona heute einen separatistischen Bürgermeister“, schrieb Arcadi Espada in der Zeitung „El Mundo“. Er schrieb es gleich drei Mal hintereinander, so beeindruckt war er.

Espada ist einer der Gründer von Ciudadanos, und er versteht nicht, was mit seiner Partei los ist, oder er versteht es doch: Der Ciudadanos-Vorsitzende Albert Rivera kennt nur noch ein Zuhause, die spanische Rechte. Die spanische Rechte wählt keine linke Bürgermeisterin, auch wenn deren Alternative ein Separatist ist. Lieber tut sie sich mit der rechtsradikalen Vox zusammen. Manuel Valls kann das nicht fassen. Die Trennung von Rivera ist nur folgerichtig.

Bei den Kommunalwahlen Ende Mai kam Valls mit Unterstützung von Ciudadanos – die einmal das spanische Gegenstück zu Macrons En Marche sein wollten – nur auf gut 13 Prozent der Stimmen, womit Valls alle Bürgermeisterträume vergessen konnte. Aber seine Stimme im Stadtparlament hatte doch das Gewicht, die Wahl des separatistischen Kandidaten Ernest Maragall zu verhindern, eines 76-jährigen Ex-Sozialisten, der Barcelona unbedingt zur Hauptstadt der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung machen wollte. Was sie nie gewesen ist und nun, dank Valls, auch erstmal nicht sein wird.

Am 15. Juni, dem Wahltag im Rathaus von Barcelona, wiederholte Valls, was er schon früher gesagt hatte: dass Nationalismus im schlimmsten Falle Krieg bedeute. Deshalb hält er sich vom Nationalismus fern, vom spanischen ebenso wie vom katalanischen. Unter dem empörten Gejohle des separatistischen Publikums sagte er dem ehemaligen katalanischen Innenminister Joaquim Forn ins Gesicht, dass er kein politischer Häftling sei. Forn, der nur für einen Tag aus der U-Haft freigekommen war, ist einer der Politiker, die sich vor dem Obersten Gerichtshof in Madrid wegen „Rebellion“ zu verantworten haben.

„Die Justiz muss handeln, wie morgen die Politik handeln muss“, sagte Valls. Er ist nicht in der Politik, um sich Freunde zu machen. Er muss jetzt auf eigenen Beinen laufen. Wie weit er kommt, steht noch dahin.

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