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Die Ergebnisse des Gipfels zwischen der USA und Nordkorea in Singapur beschäftigen die Menschen in Seoul (Symbolbild).

Trump und Kim

Aufgewühlte Koreaner

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Ob die Kriegsgefahr nach dem Singapur-Gipfel gebannt ist, darüber diskutieren Experten in Berlin.

Drei Tage nach dem historischen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un in Singapur haben deutsche und südkoreanische Experten in Berlin über die Situation diskutiert. Dass das Treffen in Singapur kaum konkrete Ergebnisse gebracht hatte, darüber war man sich bei der Veranstaltung der Friedrich Ebert Stiftung und der Botschaft der Republik Korea einig. Allerdings auch darüber, dass die Tatsache, dass das Treffen stattgefunden hatte, einen historischen Einschnitt in den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea markiert.

Jeder Beobachter im Saal aber konnte sehen, wie unterschiedlich man dennoch die Lage betrachtete. Die Koreaner waren allesamt aufgewühlt und voller Hoffnung. Die Deutschen dagegen waren skeptisch bis misstrauisch. „Trump und Kim sind beide nicht zuverlässig“, sagte die sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens, eine langjährige Kennerin Koreas. Sie fügte hinzu: „Eine Lösung wird es ohne China, Russland und Japan nicht geben.“ Dem stimmte Kim Joon Hyung zu. Er ist Politikprofessor an der Handong Global University in Pohang und ein enger Berater von Südkoreas Präsident Moon Jae In. „Aber“, so fügte er hinzu, „ich bin zwar Wissenschaftler und versuche alles ganz objektiv zu betrachten, aber hier geht es nicht ohne Emotionen“.

Aufgewühlt waren alle koreanischen Teilnehmer der Tagung. Niemand von ihnen hatte noch einen Monat zuvor mit einem Gespräch zwischen Trump und Kim gerechnet. Mancher sagte, er habe bis zwei Tage vor Beginn des Gipfels noch befürchtet, Trump würde einen Rückzieher machen.

Was hat Trump und Kim einlenken lassen?

Es war Präsident Bush Jr. gewesen, der 2001 der „Sonnenscheinpolitik“ des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung den Garaus gemacht hatte, ein Jahr nachdem Südkoreas Präsident für sie den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Ohne die Intervention der USA stünden die beiden Koreas einander nicht mehr hochgerüstet gegenüber, sondern wären wirtschaftlich, kulturell, menschlich eng verflochten. Es hätte die atomare Aufrüstung Nordkoreas und schon gar nicht die Entwicklung einer Trägerraketen-Technologie gegeben, die in der Lage ist, Städte in den USA zu bedrohen.

Was hat Trump und Kim am Ende einlenken lassen? Kims Atomraketen hätten Trump, so sagten einige Teilnehmer, Respekt gelehrt. Er habe da wohl verstanden – niemand weiß für wie lange –, dass ein Atomkrieg keine kluge Option wäre. Kim dagegen wisse natürlich sehr genau, dass seine Atomwaffen, seine Raketen nicht allein von den USA sondern mehr noch von seinen Nachbarn, vor allem von Japan, als Bedrohung gesehen würden. Ein atomarer Erstschlag wäre das sichere Ende des nordkoreanischen Systems.

Alle Teilnehmer, das versteht sich angesichts der Veranstalter der Tagung fast von selbst, waren sich darüber einig: der abrupte Wechsel von der gegenseitigen Androhung, Atomwaffen einzusetzen, zu einer Politik des Gesprächs, war auch die Leistung des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In. Er ist erst seit Mai 2017 im Amt. Er wies auch in der Zeit härtester Konfrontation – öffentlich und noch mehr nicht öffentlich –, auf die Unumgänglichkeit von – auch direkten – Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea hin. Verhandlungen, die Nordkorea eine Sicherheitsgarantie geben müssten. Ohne die sei keine auch noch so zarte Abrüstung zu haben. Moon Jae In wies nicht nur auf die Notwendigkeit von Verhandlungen hin, er verhandelte auch mit Nordkorea. Auch, als das den USA überhaupt nicht gefiel.

So wurden auf dieser Tagung mehrfach Willy Brandt und seine Neue Ostpolitik erwähnt, deren Kern ja der Verzicht auf die Forderung nach einem Regimewechsel war. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied: Für Moon Jae Ins Politik gegenüber Nordkorea gibt es eine breite Zustimmung in der Bevölkerung. Ja, sein Wahlerfolg basierte zu einem guten Teil gerade auf dem Versprechen einer neuen „Nordpolitik“.

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