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Bei vielen Lieferdiensten sind die Arbeitsbedingungen prekär.
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Bei vielen Lieferdiensten sind die Arbeitsbedingungen prekär.

Arbeitswelt

Auf jedem Sattel sitzt ein Chef

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
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Der Lieferdienst Khora arbeitet als Kollektiv - und ist basisdemokratisch organisiert.

In den vergangenen Wochen haben Streiks beim Lieferdienst Gorillas für Aufsehen gesorgt. Mehrmals besetzten Fahrerinnen und Fahrer die Lagerräume des Unternehmens in Berlin. Auslöser war nach Angabe der Streikenden die Entlassung eines Mitarbeiters. Ihr Frust aber hatte sich schon lange vorher aufgestaut: Sie beklagten übergriffige und autoritäre Vorgesetzte, schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Mitspracherechte. Es sind Probleme, mit denen nicht nur die Beschäftigten von Gorillas zu kämpfen haben.

Anders, besser, will es die Lieferdienst-Kooperative Khora machen. Deren Fahrerinnen und Fahrer radeln durch Berlin - als gleichberechtigte Anteilseigner:innen. „Wir sind basisdemokratisch organisiert“, sagt der Khora-Fahrer Anderson. Der 37 Jahre alte Student ist seit einigen Monaten Teil des Kollektivs.

Das Plenum entscheidet

Basisdemokratisch, das heißt: Alle Entscheidungen treffen die rund 20 Khora-Mitglieder gemeinsam im Plenum. Auch wenn es deshalb viele und lange Diskussionen gebe, sei das eine der größten Stärken des Kollektivs, sagt Anderson: „Dass wir uns alle mit unseren unterschiedlichen Perspektiven einbringen können.“

Khora entstand 2019. Damals hatte Deliveroo gerade den deutschen Markt verlassen. Zurückgeblieben waren die Fahrerinnen und Fahrer des Lieferdienstes - plötzlich ohne Arbeit und ohne Einkommen.

Also gründeten zwei Fahrer Khora - damals noch unter einem anderen Namen und mit dem festen Willen, es besser zu machen als Deliveroo: Fairer sollte der Lieferdienst sein, mit mehr Mitspracherechten für die Fahrerinnen und Fahrer.

Gleicher Lohn für alle

Heute ist das Kollektiv Mitglied der Genossenschaft Smart. Über sie erhalten die Kurier:innen einen Zugang zur Sozial-, Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung. Die Aufträge werden über die Plattform einer französischen Genossenschaft abgewickelt. Die Einnahmen werden gleichmäßig auf alle Fahrer:innen verteilt.

Ein Modell für die Zukunft? „Wir glauben definitiv daran“, sagt Anderson, räumt aber auch ein, dass Prognosen schwierig seien. Insbesondere für Berlin, wo derzeit viele Lieferdienste auf den Markt drängen. Dass der Lockdown vorbei und der Sommer vor der Tür steht, sei kein Problem, meint Anderson, im Gegenteil. Viele Restaurants hätten begonnen, sich darüber Gedanken zu machen, mit welchem Lieferdienst sie zusammenarbeiten wollen. Das Khora-Kollektiv rechnet sich gute Chancen aus. sbh

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