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„Verrückter“ Putin ist isoliert – Russlands Verbündete nehmen Abstand

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Von: Stefan Krieger

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China befürchtet, dass Russland unter dem „verrückten“ Putin zu einer „unbedeutenden Macht“ wird. Nicht nur Peking wendet sich zunehmend von Moskau ab.

Moskau – Peking plant offensichtlich eine Neuausrichtung seiner Außenpolitik und eine Abkehr von Moskau. Die chinesische Führung befürchtet einen Rückgang des wirtschaftlichen und politischen Einflusses Russlands als direkte Folge des Ukraine-Kriegs. Durch den für Moskau wenig erfolgreichen Verlauf der Invasion wird ein Sturz Putins befürchtet. Dies berichtete die Financial Times am Dienstag (10. Januar) unter Berufung auf anonyme chinesische Beamte und „regionale Experten“.

Zwar hatten Wladimir Putin und der chinesische Staatschef Xi Jinping während einer Videokonferenz Ende Dezember davon gesprochen, die bilateralen Beziehungen zu stärken, aber das Misstrauen gegenüber dem russischen Staatschef in den oberen Rängen der Kommunistischen Partei Chinas wächst, so die Financial Times. „Die Entscheidung zur Invasion wurde von einer sehr kleinen Gruppe von Leuten getroffen. China sollte Russland nicht einfach folgen“, zitiert das Blatt einen nicht näher genannten chinesischen Regierungsbeamten, der nachlegt: „Putin ist verrückt.“

Russlands Invasion in der Ukraine: China war nicht informiert

Den Informationen zufolge hatte China entgegen der weit verbreiteten Version keine Kenntnis von den Plänen des Kremls, im vergangenen Jahr eine groß angelegte militärische Invasion in der Ukraine zu starten. Man rechnete allenfalls mit einer begrenzten Militäroperation. Bei einem Treffen am 4. Februar des vergangenen Jahres soll Putin Xi mitgeteilt haben, dass Russland „nicht ausschließen würde, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, wenn ostukrainische Separatisten russisches Territorium angreifen und humanitäre Katastrophen verursachen“.

Kremlchef Putin lädt Chinas Parteichef Xi zu Staatsbesuch ein
Eigentlich sollten die Beziehungen gestärkt werden: Wladimir Putin und Xi Jinping während einer Videokonferenz. © Mikhail Klimentyev

Anonyme chinesische Quellen sagten dem Blatt weiter, sie glaubten, dass die Ziele des Kremls in der Ukraine zum Scheitern verurteilt seien und dass Russland aus dem Ukraine-Konflikt als „unbedeutende Macht“ hervorgehen würde. Kurzfristig könne Peking jedoch noch viel von den weiter guten Beziehungen zum Kreml profitieren, da man die Nähe zu Putin als nützliches Druckmittel in den Beziehungen zu Europa betrachte. China hofft auch, vom Wiederaufbauboom in der Nachkriegszeit in der Ukraine zu profitieren, sagten Beamte.

Rückschlag für Moskau: „Sehr komplizierte Probleme“ mit Armenien

Auch die ehemalige Sowjetrepublik Armenien durchkreuzt unterdessen russische Pläne. Entgegen einer Ankündigung aus Moskau will das Land sein Staatsgebiet nicht für Übungen des von Russland geführten Militärbündnisses OVKS zur Verfügung stellen. „In der aktuellen Situation halten wir die Durchführung von OVKS-Übungen auf dem Gebiet Armeniens für nicht zweckmäßig“, sagte der Regierungschef der Südkaukasusrepublik, Nikol Paschinjan, am Dienstag (10. Januar).

Die genauen Beweggründe dafür ließ Paschinjan zunächst offen. Das krisengeschüttelte Land, das stark auf Russland als Schutzmacht angewiesen ist, hat Moskau zuletzt immer wieder Untätigkeit in der Konfliktregion Berg-Karabach vorgeworfen. Für besonderen Unmut sorgt, dass in dem Gebiet stationierte russische Truppen sich aus armenischer Sicht nicht genug für die Freigabe des Latschin-Korridors einsetzen, den Kräfte aus dem verfeindeten Nachbarland Aserbaidschan blockieren.

Russlands Verteidigungsministerium hatte erst vor rund anderthalb Wochen angekündigt, die Organisation des Vertrags über die kollektive Sicherheit (OVKS) werde in diesem Jahr ihr Manöver „Unzerstörbare Bruderschaft - 2023“ in Armenien abhalten. Dem Bündnis gehören auch andere ehemals sowjetische Staaten wie Belarus und Kasachstan an. Kremlsprecher Dmitri Peskow versicherte am Dienstag, Armenien sei nach wie vor ein enger Partner Russlands – zugleich räumte er angesichts der jüngsten Äußerungen Paschinjans aber auch „sehr komplizierte Probleme“ ein. (skr/dpa)

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