Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gesundheitsminister Olivier Véran sagt, man nehme sich Zeit „für das Erklären und die Pädagogik“ beim Thema Impfen.
+
Gesundheitsminister Olivier Véran sagt, man nehme sich Zeit „für das Erklären und die Pädagogik“ beim Thema Impfen.

Frankreich

Auf dem Weg ins Jahr 3855

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
    schließen

Beim Start seiner Impfkampagne lahmt Frankreich ganz gewaltig.

Der Élysée hat es wahrlich nicht leicht. Angesichts einer tief gespaltenen Nation, angesichts der Pandemie … und jetzt schwappt auch noch eine Welle des Sarkasmus über das offizielle Paris. Das findige Webportal „Contrepoint“ hat ausgerechnet, dass Frankreich bei dem von der Regierung vorgegebenen Rhythmus erst im Jahr 3855 komplett geimpft sein wird. Das „Journal international de Médecine“ spricht von einem „Fiasko“, nachdem es schon zu Neujahr bitter verglich: „Während Großbritannien und Israel ungefähr 800 000 Geimpfte aufweisen, Deutschland deren 80 000, stagniert Frankreich bei 332.“

Lieferengpässe können als Ausrede nicht herhalten: Die EU-Länder werden mit Impfdosen im Verhältnis zu ihren Bevölkerungszahlen versorgt. Der Pariser Arzt William Dab macht die Bürokratie verantwortlich: „Dasselbe hatten wir schon bei dem Manko der Schutzmasken im letzten Frühling und später bei den PCR-Tests.“ Ganz so klar ist es nicht. Liest man die jüngsten Regierungserklärungen, drängt sich der Verdacht auf, dass der Rückstand teils gewollt ist. Gesundheitsminister Olivier Véran verteidigte den langsamen Impfstart: „Wir nehmen uns die Zeit für das Erklären und die Pädagogik, wir sammeln zuerst die Zustimmung der Personen ein. Ich denke, dass das ein Vertrauensbeweis ist.“

Die vorsichtigen Worte richten sich an die 59 Prozent, die sich laut Umfrage nicht impfen lassen wollen. Dieser europäische Rekordwert wirkt erstaunlich für das Land der Aufklärung und des Kartesianismus. Er hat historische Gründe. Schon 1885 gab es heftige Widerstände, als der Forscher Louis Pasteur einen Impfstoff gegen die Tollwut entdeckte. Seitdem ein britischer Arzt 1998 die erwiesene Falschmeldung in die Welt setzte, die klassische MMR-Impfung führe zu Autismus, weigern sich viele in Frankreich, ihre Kinder vor Masern, Mumpf und Röteln zu schützen.

Auch jetzt geht das allgemeine Misstrauen gegenüber den Gesundheitsbehörden in Frankreich weit über den Kreis der Verschwörungstheoretiker hinaus. Die Regierung habe Angst, dass eine entschlossene Impfkampagne eine breite Abwehrfront bewirken könne, glaubt der bekannte Arzt Axel Kahn. Ihm zufolge wäre es wichtig, jetzt mit Elan zu agieren: „Wenn wir langsam zur Sache gehen, werden die Impfskeptiker nur noch eher glauben, dass eine Gefahr besteht.“ Kahns Kollege Michaël Rochoy warnt, die Regierung täusche sich, wenn sie glaube, dass ein progressiver Impfanlauf mehr Menschen überzeugen würde.

So ziemlich alle – von den opportunistischen Ultrarechten über die medizinischen Fachleute bis zu fassungslosen Impfwilligen – werfen der Staatsführung vor, sie schüre mit ihrer Intransparenz das Misstrauen im Land. So wetterte der Pariser Bezirksbürgermeister Geoffroy Boulard, er habe 600 Risikopersonen eruiert und bei den Behörden angefragt, wie er die Impfung vorbereiten solle. „Nicht einmal eine Antwort haben wir erhalten.“

Nun zeigt die Kritik Wirkung. Am Sonntag versprach Regierungssprecher Gabriel Attal die „Beschleunigung“ der Impfkampagne: jede Woche 500 000 Dosen. Kurz zuvor hatte Präsident Emmanuel Macron seinem Unmut Luft gemacht: „Wir bewegen uns im Rhythmus eines Familienspaziergangs. Das muss sich schnell und umfassend ändern.“ Dass er als Leiter der wöchentlichen Covid-Krisensitzungen das Impftempo bestimmt, überging er.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare