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Heilwasser? Menschen nehmen im Rahmen des Kumbh-Mela-Festivals ein heiliges Bad im Ganges.
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Heilwasser? In Indien nehmen Menschen im Rahmen des Kumbh-Mela-Festivals ein heiliges Bad im Ganges - trotz Corona.

Virus-Krise

Corona-Zahlen in Indien explodieren – Sogar die Krematorien sind überlastet

  • VonAgnes Tandler
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Indien meldet täglich neue Höchststände bei Corona-Neuinfektionen und Todeszahlen in der Pandemie. Es fehlt an Medikamenten und an Sauerstoff.

Bis zuletzt sandte der indische Journalist Vinay Srivastava verzweifelte Hilferufe auf Twitter. „Meine Sauerstoffsättigung liegt bei 31“, schrieb der 65-Jährige im nordindischen Lakhnau am Freitagabend. „Wann hilft mir jemand? Ich brauche dringend Sauerstoff.“ Dies war sein letzter Tweet – wenig später starb Srivastava an Covid-19, während er auf einen Krankenwagen wartete. Seine Anrufe bei Ärzt:innen, Kliniken, Apotheker:innen und medizinischen Laboren waren erfolglos geblieben. „Dort nimmt niemand mehr das Telefon ab“, klagte er. Am Sonntag meldete Indien 261.500 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages und 1501 neue Corona-Tote. Die Gesamtzahl der indischen Corona-Fälle stieg auf fast 14,8 Millionen. Insgesamt starben bislang 177.150 Menschen an dem Virus.

„Das ist schlimmer als der Zweite Weltkrieg“, schimpft Jalil Parkar, Lungenfacharzt am Lilavati Hospital in Mumbai. Mehr als 800 Ärzt:innen sind in Indien an Covid-19 gestorben. „Wir sind erschöpft, wir sind am Ende“, sagte Parkar der „Hindustan Times“. Mumbai ist besonders schwer von der neuen Corona-Welle betroffen. Im privaten Vinayaka-Krankenhaus in Chembur, etwa eine Stunde entfernt von Mumbai, starben acht Patient:innen an einem Tag, weil die Sauerstoff-Reserven erschöpft waren. Mehr als 150 Krankenhäuser im Land warten seit einem halben Jahr darauf, eine Anlage zur Abfüllung von medizinischem Sauerstoff zu bekommen, so wie die Regierung es zugesagt hat. Auch Medikamente wie Remdesivir sind in den Kliniken ausgegangen.

Corona-Krise in Indien: Neue Mutation weit ansteckender

Selbst die Krematorien kommen nicht mehr hinterher. In der vergangenen Woche wurden jeden Tag mehr als 100 Corona-Tote in die Kurukhsetra-Verbrennungsstätte in der Stadt Surat gebracht. Bei der Verbrennung der Leichen rund um die Uhr schmolzen die Metallgerüste der Öfen.

Coronavirus

Alle Informationen rund um das Thema erhalten Sie auf unserer Themenseite Corona-News.

Als Reaktion auf die Krise wurden in zahlreichen Großstädten harte Lockdowns erlassen, darunter auch in der Hauptstadt New Delhi. Sorge bereitet das Auftreten einer neuen Virusmutation: Die B.1.617-Variante ist in dem stark heimgesuchten Bundesstaat Maharashtra bereits für mehr als 60 Prozent der neuen Corona-Erkrankungen verantwortlich. Diese erstmals Anfang des Jahres in Indien aufgetauchte Variante ist weit ansteckender als der Wildtyp. Krankenhäuser berichten, dass inzwischen auch die Anzahl der behandelten Kinder zunimmt. Einen starken Zuwachs gibt es in der Altersgruppe zwischen einem und fünf Jahren.

Indien: Gesundheitssystem hält Belastungen in Corona-Krise nicht stand

Indiens Gesundheitssystem ist chronisch unterfinanziert. Weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes entfallen auf den Bereich. Das von der indischen Regierung vollmundig angekündigte „größte Impfprogramm der Welt“ stockt, weil zu wenig Geld in den Sektor gesteckt wurde, in der Hoffnung, die Privatwirtschaft würde die Dinge schon richten. Nun klagt das Serum Institute of India (SII), der größte Impfstoffhersteller der Welt, über massive Engpässe bei den Rohmaterialien für seine Produktion.

Das SII hat seine Lieferungen an das Ausland auf null zurückgefahren, um den heimischen Markt zu beliefern. Nur 2,5 Prozent der indischen Bevölkerung sind bislang vollständig geimpft. Bei diesem Tempo könnte ein Jahrzehnt vergehen, bis 70 Prozent der 1,3 Milliarden Inder eine Spritze erhalten werden.

Corona-Krise: Massenveranstaltungen, als ob es kein Virus gäbe

Trotz der schweren Krise herrscht vielerorts jedoch „Business as usual“: So geht die mehr als einen Monat dauernde Mega-Wahl im indischen Bundesstaat West-Bengalen unverändert weiter. Auch die Kumbh Mela, die größte religiöse Massenveranstaltung der Welt, findet statt als gäbe es keine Pandemie. Bislang haben im nordindischen Haridwar fast fünf Millionen Hindu-Pilger:innen ein traditionelles Bad im Ganges genommen, viele von ihnen ohne Mund-Nasen-Schutz und andere Corona-Schutzvorkehrungen.

„Die Bilder von Wahlkampfveranstaltungen, von religiösen Versammlungen, vom Bauern-Protest – jede Form der Massenversammlung – sind nicht nur idiotisch, sie sind auch eine Beleidigung für die Ärzte, die an vorderster Front kämpfen“, kritisierte die indische TV-Reporterin Barkha Dutt. (Agens Tandler)

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