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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erhöht mit immer neueren Enthüllungen den Druck auf Saudi Arabien.

Fall Khashoggi

Auch Deutschland soll Tonaufnahme von Mord haben

Die Türkei soll auch dem deutschen Geheimdienst Tonaufnahmen zum Mord an dem systemkritischen saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi gegeben haben.

Die Türkei erhöht im Fall des getöteten systemkritischen saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi den Druck auf Saudi-Arabien und stellt wichtigen Bündnispartnern Tonaufnahmen der Tat zur Verfügung. Auch der deutsche Geheimdienst soll sie haben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigte am Samstag in Ankara erstmal offiziell die Existenz von Tonaufnahmen zur Ermordung Khashoggis. Diese habe man mit einer Reihe von Ländern geteilt - auch mit Deutschland, sagte Erdogan vor seiner Reise zu Gedenkveranstaltung zum Ende des Ersten Weltkriegs in Paris. „Sie haben die (aufgezeichneten) Gespräche gehört und kennen sie“, sagte Erdogan. Was auf den Bändern genau zu hören ist, blieb zunächst unklar.

Aus Berlin hieß es dazu am Sonntag lediglich, dass es einen nachrichtendienstlichen Austausch zu dem Thema gab. Ein Regierungssprecher sagte, man nehme grundsätzlich nur vor den zuständigen, geheim tagenden Gremien des Bundestags Stellung.

Der im US-Exil lebende saudische Regierungskritiker Khashoggi war Anfang Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht worden. Er wollte Dokumente für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen. Unter immensem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gab die autokratische Regierung in Riad schließlich den Tod von Khashoggi zu, der auch für die „Washington Post“ schrieb.

Riad beschuldigte dabei hochrangige Regierungsmitarbeiter, ein 15-köpfiges Spezialteam zur Ausführung der Tat auf eigene Faust losgeschickt zu haben. Damit wollte die Führung offenbar den mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman und auch König Salman aus der Schusslinie nehmen. Diese hätten von dem Plan nichts gewusst. Die Version wurde international als wenig glaubwürdig angezweifelt.

Riad müsse herausfinden, wer von den Mitgliedern des Spezialteams, die in Saudi-Arabien festgenommen wurden, der Täter gewesen sei, forderte Erdogan. Der Mörder sei sicher unter den Verhafteten. „Es gibt keinen Grund, woanders nach ihnen zu suchen.“ In einem Kommentar für die „Washington Post“ hatte Erdogan zuletzt gesagt, der Befehl zur Tötung des Dissidenten sei „von den höchsten Ebenen der saudischen Regierung“ gekommen.

Die türkische Regierung hält in der Affäre damit den Druck auf Riad aufrecht. Mit der Strategie stückweise verbreiteter - teilweise durchgestochener - Informationen hatte Ankara Riad in den vergangenen Wochen in die Defensive gezwungen.

Beobachter betrachten vor allem das Verhalten von US-Präsident Donald Trump als ausschlaggebend für die Aufklärung des Falls. Trump hatte sich unter anderem mit Verweis auf lukrative Waffengeschäfte mit Riad bislang nicht zu Sanktionen gegen seinen Verbündeten entschieden. (dpa/afp)

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