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Polizeibeamte untersuchen den Tatort in der katholischen St.-Sebastians-Kirche in Negombo.

Attentate am Ostersonntag

Regierung Sri Lankas macht einheimische Islamisten verantwortlich

Die Gruppe National Thowheeth Jama'ath soll die Selbstmordattentate auf Kirchen und Hotels verübt haben. Die Zahl der Toten steigt auf fast 300.

Sri Lankas Regierung hat eine einheimische radikal-islamische Gruppe für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht. Die Regierung sei fest davon überzeugt, dass die Gruppe National Thowheeth Jama'ath die Selbstmordattentate verübt habe, sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne am Montag. Zuvor habe es Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppe gegeben. Das teilte ein Forensiker des Verteidigungsministeriums Sri Lankas am Montag mit. 

Die Zahl der Todesopfer der nahezu zeitgleichen Explosionen in drei Kirchen und drei Luxushotels am Sonntagvormittag (Ortszeit) ist derweil auf fast 300 gestiegen. Laut Polizei gab es 24 Festnahmen.

Bei den koordinierten Explosionen wurden nach Behördenangaben mehr als 450 Menschen verletzt. Am Abend wurde ein weiterer Sprengsatz am größten Flughafen des Inselstaats gefunden und entschärft, wie Medien berichten. 

Sri Lankas Geheimdienst lagen vor den Angriffen am Ostersonntag nach Worten des Premierministers Ranil Wickremesinghe Hinweise auf einen möglichen Anschlag vor. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien, sagte Wickremesinghe in einer Fernsehansprache am Sonntagabend. Er gab zudem an, alle bislang festgenommenen Tatverdächtigen stammten offenbar aus Sri Lanka. Mithilfe der internationalen Gemeinschaft solle ermittelt werden, ob diese Verbindungen ins Ausland hatten.

Anschläge in Sri Lanka: Mindestens 35 Ausländer unter den Opfern

Nach Angaben der Tourismusbehörde sind unter den Toten 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten den Angaben zufolge Bürger Indiens, der USA, Großbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei. 

US-Außenminister Mike Pompeo bestätigte am Sonntag, dass mehrere US-Bürger unter den Anschlagsopfern seien, nannte dabei aber keine Zahl. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und verurteilte die Taten zugleich aufs Schärfste. Solche Attacken auf Unschuldige seien Angriffe auf universelle Werte. Sie zeigten einmal mehr die brutale Natur radikaler Terroristen, deren einziges Ziel es sei, Frieden und Sicherheit zu bedrohen, hieß es in einer Mitteilung Pompeos. Die US-Regierung habe Sri Lanka Hilfe dabei angeboten, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch drei Dänen seien unter den Todesopfern, teilte der Bürgerdienst des dänischen Außenministeriums auf Twitter mit. Die Angehörigen der Opfer seien bereits unterrichtet worden. Berichte über weitere Getötete aus Dänemark gebe es bislang nicht. Das Urlaubsparadies Sri Lanka ist für dänische Touristen ebenso wie für deutsche ein beliebtes Reiseziel.

Wenige Stunden nach den Anschlägen auf Hotels und Kirchen in Sri Lanka ist einem Medienbericht zufolge nahe dem größten Flughafen des Inselstaates ein weiterer Sprengsatz entdeckt worden. 

Dabei habe es sich um eine Rohrbombe gehandelt, sagte der Sprecher der Luftwaffe, Gihan Seneviratne, am Sonntag der Onlineausgabe der lokalen „Sunday Times“. Eine Patrouille habe den Sprengsatz nahe dem Flughafen Bandaranaike gefunden, er sei von Spezialkräften in einem kontrollierten Bereich unschädlich gemacht worden.

Mindestens acht Detonationen erschüttern Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka

Es gab mindestens acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einer „terroristischen Attacke“ und machte Extremisten für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert, sagte er. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre bis zum frühen Montagmorgen.

Der südasiatische Inselstaat mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hat es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. 2009 war dort ein Bürgerkrieg zu Ende gegangen.

Bei den Kirchen handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Gotteshäusern fanden gerade Ostermessen statt. Dort gab es die meisten Opfer.

Explosionen in den Luxushotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombio

Außerdem gab es Explosionen in den Luxushotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombio. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort der Hauptstadt Colombo mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag (Ortszeit) in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort Colombos.

Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus der Kirche in Colombo gemeldet, die übrigen alle innerhalb von nur 30 Minuten.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte, die Streitkräfte und die Polizei würden der „Verschwörung“ auf den Grund gehen. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte hielten mit mehreren Ministern eine Krisensitzung ab.

Minister Harsha de Silva schrieb auf Twitter, in einer Kirche in Colombo habe es „schreckliche Szenen“ gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Retter Verletzte aus einer verwüsteten Kirche trugen.

Einsatzkräfte stehen nach einer Explosion vor dem St. Anthony's Shrine in Colombo, Sri Lanka.

Eine 20 Jahre alte Touristin aus Dänemark, die mit drei Freundinnen in einem Hotel in Colombo untergekommen ist, sagte dem dänischen Rundfunk zur Explosion in der St.-Antonius-Kirche: „Es herrschte Chaos in der Straße mit Menschen und Rettungswagen überall. Viele der Einheimischen haben die Straße hinunter gezeigt und gesagt, es habe eine Explosion gegeben und viele seien tot.“

Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten.

Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Weltweites Entsetzen

Die Angriffsserie stieß weltweit auf Entsetzen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem Präsidenten Sri Lankas und schrieb: „Fassungslos und voller Entsetzen verfolge ich die schrecklichen Nachrichten über die feigen Terroranschläge in Sri Lanka, bei denen so viele unschuldige Menschen den Tod fanden und viele mehr verletzt wurden.“ Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: „Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren.“ Sie fügte hinzu: „Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.“

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem „grausamen und zynischen Verbrechen“. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte sich ähnlich. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb: „Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit.“ Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez twitterte: Der Tod „Dutzender Menschen, die Ostern feierten, bringt uns zum Weinen“. Die britische Premierministerin Theresa May forderte: „Wir müssen zusammenhalten und sicherstellen, dass niemand seinen Glauben in Furcht praktizieren muss.“

Auswärtiges Amt aktualisiert Reisehinweise

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. „Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten“, schrieb das Ministerium.

„Sollten Sie auf der Insel im Osterurlaub sein, melden Sie sich bitte bei Ihren Verwandten und Freunden“, schrieb das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes auf Twitter. Die Telefon- und Internetverbindungen im Land seien überlastet. „Wenn Sie Ihre Angehörigen vor Ort erreichen wollen, versuchen Sie es mit einer SMS. Bewahren Sie Ruhe, wenn Sie nicht sofort eine Antwort erhalten und versuchen Sie es erneut“, riet das AA besorgten Angehörigen.

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden.

Sri Lankas Bürgerkrieg war 2009 nach 26 Jahren zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee ging gegen die Aufständischen mit aller Härte vor und besiegte sie schließlich. Die UN wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor. (dpa)

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