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Ein Mitglied der Sikh-Gemeinde demonstriert in Neu Delhi gegen den Waffenbesitz in den USA.
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Ein Mitglied der Sikh-Gemeinde demonstriert in Neu Delhi gegen den Waffenbesitz in den USA.

Attentat auf Sikh-Tempel

Attentäter war "frustrierter Neonazi"

  • Damir Fras
    VonDamir Fras
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Bei dem mutmaßlichen Todesschützen von Wisconsin handelt es sich nach Angaben von US-Experten um einen „frustrierten Neonazi“. Der 40-jährige Ex-Soldat sei der Kopf einer rassistischen Rockband namens "End Apathy" (Schluss mit der Apathie) gewesen, die die Überlegenheit von Weißen propagiert habe.

Satwant Kaleka stellte sich dem wild um sich schießenden Mann in den Weg, berichteten Augenzeugen. Er wollte ihn ablenken, vielleicht sogar überwältigen. Doch es gelang nicht. Der 65 Jahre alte Vorsteher der Sikh-Gemeinde in der Stadt Oak Creek im US-Bundesstaat Wisconsin wurde von einer Kugel aus der Waffe des Amokläufers in den Rücken getroffen. Kaleka starb einige Stunden später in einem Krankenhaus. „Er wollte doch nur seinen Tempel beschützen, seine Leute, seine Lieben“, sagte Kalekas Nichte Simran am Montag einem lokalen Fernsehsender: „Das ist alles so sinnlos.“

Am Tag nach der Bluttat in dem Sikh-Tempel von Oak Creek, bei der sechs Gläubige und der Schütze starben, war das Motiv des Attentäters immer noch unklar. Die US-Behörden nannten die Tat einen Fall von Inlandsterrorismus. Mehrere US-Medien berichteten, der Schütze sei ein 40 Jahre alter, weißer Armee-Veteran gewesen, der erst vor kurzer Zeit in die Nachbarschaft des Sikh-Tempels gezogen sei. Das Pentagon teilte am Montag mit, der Schütze Wade Michael Page sei ein ausgebildeter Fallschirmspringer und auf psychologische Kriegsführung spezialisiert. Er war von 1992 bis 1998 in der US-Armee.

FBI schweigt zu Mutmaßungen

Aus Tätowierungen am Körper des Attentäters wurde geschlossen, er könnte ein Anhänger der sogenannten White Supremacists gewesen sein, die an die Überlegenheit der weißen Rasse gegenüber anderen glauben. Die US-Bundespolizei FBI wollte sich zu den Mutmaßungen zunächst nicht äußern. „Wir haben noch kein Motiv“, sagte FBI-Agentin Theresa Carlson.

Das Rassismusforschungsinstitut Southern Poverty Law Center veröffentlichte ein Foto des mutmaßlichen Attentäters während eines Konzerts. Darauf ist er mit kahlgeschorenem Kopf und in einem ärmellosen T-Shirt zu sehen, das den Blick auf seine unter anderem mit Keltenkreuzen tätowierten Arme freigibt. Im Internet existieren demnach weitere Fotos der Band, die vor nur einer teilweise sichtbaren mutmaßlichen Nazi-Flagge posierten.

Nach bisherigem Ermittlungsstand betrat der Amokläufer am Sonntagvormittag gegen 10.30?Uhr das Tempelgelände und begann, mit einer halbautomatischen Pistole auf die Gläubigen zu schießen. „Er sagte nichts, er schoss einfach“, berichtete ein Mitglied der Sikh-Gemeinde unter Berufung auf Augenzeugen der Bluttat.

Insgesamt tötete der Mann sechs Menschen. Polizeibeamte, die von verängstigten Gläubigen telefonisch alarmiert worden waren, versuchten, den Todesschützen zu stoppen. Einer der Beamten wurde dabei schwer verletzt. Einem anderem Polizisten gelang es schließlich, den Attentäter zu erschießen, wie der Polizeichef von Oak Creek, John Edwards, sagte.

„Das ist eine wahre amerikanische Tragödie“, sagte Kavneet Singh von der Sikh-Organisation Saldef der Nachrichtenagentur AFP. Die USA seien schließlich ein Land, das auf der Basis von religiöser Freiheit und dem Glauben an Bürger- und Menschenrechte gegründet worden sei.

Bärte und Turbane

Die Sikhs, Angehörige einer im 15. Jahrhundert in Indien gegründeten monotheistischen Glaubensbewegung, sind seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wiederholt Opfer von Diskriminierungen in den USA geworden. Nach dem Amoklauf wurden Spekulationen laut, der Attentäter könnte die Sikhs in Oak Creek womöglich mit Muslimen verwechselt haben.

„Die meisten Leute sind einfach ignorant und kennen die Unterschiede zwischen den Religionen nicht“, sagte die Geschäftsfrau Ravi Chawla der New York Times: „Sobald sie einen Turban sehen, glauben sie, einen Taliban vor sich zu haben.“ Sikh-Männer tragen häufig Bärte und bunte Turbane.

In den USA leben mehr als 300.000 Angehörige dieser Glaubensrichtung. US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney verurteilten die Tat mit scharfen Worten.

Erst vor gut zwei Wochen hatte ein Amoklauf die US-Öffentlichkeit erschüttert. Ein 24 Jahre alter Student der Neuro-Wissenschaften erschoss zwölf Menschen in einem Kino in Aurora im Bundesstaat Colorado. (mit afp)

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