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Kopf der Interkontinentalrakete Atomrakete Titan Missile Museum Green Valley Tucson Arizona USA
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Lern-Karteikarten in Internet sollen den genauen Standort von US-Atomraketen in Deutschland verraten haben. (Symbolbild)

Standorte

Atomwaffen in Europa: US-Soldaten geben versehentlich Standorte preis

  • VonMirko Schmid
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Inhalte von Karteikarten, mit denen in Europa stationierte US-Militärs brisante Details lernen, waren wohl lange Zeit öffentlich im Internet einsehbar.

Die Standorte von Atomwaffen der US-Streitkräfte in Europa sind ein gut gehütetes Geheimnis. Weder das Verteidigungsministerium der USA noch die NATO-Verbündeten in Europa lassen sich Details darüber entlocken. Zwar wird die Existenz nuklearer Sprengköpfe in US-Besitz in den europäischen Mitgliedsstaaten des Verteidigungsbündnisses nicht dementiert – aber eben auch nicht bestätigt.

Umso überraschter waren die Journalist:innen der Recherche-Seite Bellingcat, als sie durch einfaches googlen an Karteikarten gelangten, welche den in Europa stationierten US-Streitkräften dabei helfen sollen, sich sensible Details einzuprägen. Und diese Details haben es in sich. Nicht nur, dass umfassende Informationen über die genauen Standorte der Nuklearraketen benannt sein sollen. Darüber hinaus wird wohl haarklein aufgeführt, welche der Tresore, in denen die Atomwaffen üblicherweise aufbewahrt werden, „heiß“, also mit einsatztauglichen Sprengköpfen bestückt, und welche „kalt“ sind, also aktuell keine nuklearen Waffen beherbergen.

Investigativjournalist findet sensible militärische Daten mit Google

Die Online-Lernkarteikarten sollen auch Informationen über die Stückzahlen der Sprengköpfe enthalten haben, sowie deren genaue Position innerhalb der Stützpunkte in Europa, darunter Standorte in Deutschland, den Niederlanden und der Türkei.

Um an die sensiblen Daten zu kommen, soll laut dem Bellingcat-Investigativjournalisten Foeke Potsma nicht mehr notwendig gewesen sein, als eine simple Google-Anfrage mit militärischen Fachbegriffen wie „WS3“ für Waffenlagerungs- und Sicherheitssysteme, „PAS“ für Flugzeugbunker und „vault“ für unterirdische Bunkerksysteme. Diese Suchanfragen hätten auf frei zugängliche Plattformen wie Quizlet, Chegg Prep und Cram geführt, wo ganze Sets der brisanten Lernkarten verfügbar gewesen seien.

Ein Set mit 70 Karten – Titel: „Study!“ – etwa soll die genau Anzahl an einsatzfähigen Atomwaffen auf dem Luftwaffenstützpunkt Volkel in den Niederlanden enthalten haben. Die niederländische Regierung behandelt diese sensiblen Daten als Staatsgeheimnis. Andere Sets hätten militärische Codewörter preisgegeben, mittels derer US-Einsatzkräfte in erzwungenen Telefongesprächen zu verstehen lassen können, dass sie sich in einer Zwangssituation befinden.

Die öffentlich einsehbaren Lernkarteikarten des US-Militärs reichen zurück bis ins Jahr 2013

Der zeitliche Rahmen der einsehbaren Karteikarten soll sich über ein knappes Jahrzehnt erstrecken. Bellingcat nennt die Zeitspanne zwischen der ältesten Karte aus dem Jahr 2013 und der aktuellsten, die auf April 2021 datiert sein soll. Militärexperte Jeffrey Lewis sprach in diesem Zusammenhang gegenüber Bellingcat von einem „eklatanten Verstoß“ gegen geltende Sicherheitspraktiken.

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Bei der Geheimhaltung der Standorte von US-Atomwaffen in Europa gehe es laut Lewis nicht primär um den Schutz der Waffen, sondern in erster Linie darum, Verbündete vor unangenehmen Fragen zu schützen. Zum Beispiel jene, ob es nach heutigen Maßstäben noch angebracht sei, im Rahmen von NATO-Vereinbarungen US-Sprengköpfe in Europa zu stationieren. Die Regierungen der Bündnispartner stünden nun zusätzlich unter einem Rechtfertigungsdruck, schließlich würde das Argument durch das Leak der Karteikarten bekräftigt, die US-Atomwaffen in Europa seien nicht sicher. (Mirko Schmid)

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