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Der Schwerwasser-Reaktor in Arak könnte nun womöglich doch darauf ausgerichtet werden, waffenfähiges Plutonium liefern.

Iran

Atomvertrag mit Teheran vor dem Aus

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Iranische Führung kündigt nächsten Bruch des Abkommens an – was folgt daraus? Eine Analyse.

Der Entschluss Teherans stand fest. Da half es nichts, dass sich die EU-Außenminister am Montag demonstrativ nicht in den Chor derer einreihen, die Teheran für die Angriffe im Persischen Golf verantwortlich machen. Die iranische Seite kündigte an, in zehn Tagen werde man die in dem Atomvertrag von 2015 vereinbarte Höchstgrenze an angereichertem Uran erstmals verletzen. Sollte die Islamische Republik ihren Worten Taten folgen lassen, wäre der vom Weißen Haus vor einem Jahr einseitig aufgekündigte Atomvertrag endgültig Makulatur. Und die Golfregion könnte in einen offenen Krieg hineinschlittern.

Denn auf beiden Seiten, im Iran und in den Vereinigten Staaten, schaukeln sich die Hardliner immer weiter hoch. Die gemäßigten Kräfte in Teheran dagegen, die bislang auf Dialog und Ausgleich setzten, geraten durch diese ökonomische Belagerung immer mehr in die Defensive. Ihre heimischen Kontrahenten suchen offen nach Kraftproben mit dem „Großen Satan“ in Washington. Sie argumentieren, die Europäer seien zu schwach und den Amerikanern sei grundsätzlich nicht zu trauen.

Donald Trump droht mit Vernichtung

In der Tat, die Iran-Äußerungen von Donald Trump oszillieren extrem – mal droht er Teheran mit Vernichtung, dann bietet er der iranischen Führung wieder jederzeit direkte Gespräche an. Jenseits aller Twitter-Attacken jedoch fühlt sich der Mann im Weißen Haus bisher an sein zentrales Wahlkampfversprechen gebunden, nach den Billionen-Dollar-Desastern in Irak und Afghanistan die Nation niemals wieder in einen endlosen Großkrieg im Nahen Osten zu verwickeln – ein strategischer Eckstein für seine mögliche Wiederwahl 2020 und seine „America first“ Ideologie.

Trotzdem fördert er den Einfluss von Hardlinern in der US-Administration, wie den evangelikalen Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John R. Bolton, die beiden Architekten der Strategie des „maximalen Drucks“ auf den Iran. Praktisch alle mäßigenden Stimmen im Umfeld des Oval Office dagegen haben inzwischen das Feld geräumt, freiwillig oder unfreiwillig.

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Dieser Mangel einer klaren, kohärenten Strategie gegenüber der Islamischen Republik wiederum reizt die provokanten Gelüste iranischer Hardliner. Sie wollen den amerikanischen Präsidenten als wankelmütigen Ignoranten vorführen. Und sie setzen darauf, dass die USA trotz ihrer haushoch überlegenen Streitmacht einer assymetrischen Kriegsführung in der Region wenig entgegenzusetzen haben. Tankerzwischenfälle zum Beispiel in der Straße von Hormus, durch die ein Drittel der weltweiten Öltransporte laufen, könnten die Weltwirtschaft ins Straucheln bringen. Auch in Syrien und Irak bieten sich Möglichkeiten für empfindliche Nadelstiche – von Sabotage-Angriffen auf saudische und emiratische Ölanlagen ganz zu schweigen.

Insofern spricht wenig dafür, dass der Iran bei seinem angekündigten Countdown zur Urananreicherung in letzter Minute noch einen Rückzieher macht. Ende Juni wäre das Atom-Abkommen dann endgültig Geschichte, das bei seiner Unterzeichnung vor vier Jahren noch als Musterbeispiel für die friedliche Beilegung eines hochbrisanten Konfliktes gefeiert wurde. Was jetzt aber folgt, könnte weitaus verheerender sein: Ein offener militärischer Schlagabtausch, Resultat eines toxischen Zusammenspiels von Hardlinern beider Seiten, und entzündet durch gewissenlose Propaganda, Drohungen, Missverständnisse und Fehlkalkulationen.

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