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Im russischen Staatsfernsehen: Der Glaube an einen „gigantischen europäischen Krieg“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der russische Journalist und Putin-Vertraute Wladimir Solowjow.
Der russische Journalist und Putin-Vertraute Wladimir Solowjow liebt markige Sprüche. (Archivfoto) © imago

Warum solle sich Russland mit der Ukraine begnügen, fragt Putin-Vertrauter Wladimir Solowjow. Der TV-Mann glaubt an einen großen Krieg gegen Europa.

Moskau – Spätestens seit Beginn des Ukraine-Konflikts sind die russischen Staatsmedien auch im Westen für ihre aggressive Rhetorik bekannt. Wladimir Solowjow, einer von Wladimir Putins bekanntesten Propagandisten, hat nun von einer Ausweitung der Kampfhandlungen auf weitere Teile Europas gesprochen.

Die Äußerungen tätigte Solowjow in einem Interview mit Jewgeni Satanowski, dem Vorsitzenden der russischen Organisation „Institute of the Middle East“. Ein Ausschnitt des Gesprächs wurde von Journalistin und Russland-Expertin Julia Davis auf Twitter hochgeladen. Davis ist Gründerin des Blogs Russian Media Monitor, auf dem sie in regelmäßigen Abständen Beiträge des russischen Staats-TV analysiert und diese ins Englische übersetzt. Mehr als 200.000 Menschen haben sich den Clip auf dem Kurznachrichtendienst bisher angesehen.

Ukraine-Krieg ist ein „heiliger Krieg“

Zunächst verteidigt Gast Satanowski die Äußerungen von Ramsan Kadyrow. Der als „Putins Bluthund“ bekannte Machthaber der Teilrepublik Tschetschenien hatte vergangene Woche von einem Krieg gegen „Satanisten“ gesprochen, den man in der Ukraine führe. „Heute wird ein Gläubiger, der etwas auf sich hält, nicht zu Hause bleiben. Er wird sich ein Maschinengewehr besorgen, alles, was er braucht, und in den Kampf gegen den Satanismus ziehen. Ich rufe euch erneut auf. Dies ist ein großer Dschihad, an dem wir uns alle beteiligen sollten“, sagte Kadyrow in einer Videoansprache.

„Kadyrow hat recht, wenn er sagt, dass das ein Heiliger Krieg ist. Auf Arabisch heißt das: Dschihad. Jeder hat sich darüber aufgeregt, aber er liegt damit richtig“, sagt Satanowski. Zudem stimmt er der Aussage zu, dass Russland den Ukraine-Krieg unbedingt gewinnen müsse. Anderenfalls stehe das Riesenreich am Rand des Abgrunds.

News zum Ukraine-Krieg: Russlands Staats-TV spricht von „gigantischem europäischen Krieg“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs schaltet sich Solowjow ein. Warum solle man in der Ukraine stoppen, führt der TV-Mann aus. Er spricht davon, dass Russland vor einem „gigantischen europäischen Krieg“ stehe. In Bezug auf die europäischen Staaten fragt Solowjow: „Wenn sie die meisten ihrer Waffen in der Ukraine verbrennen, wenn ein bedeutender Teil ihres militärischen Potenzials (...) in der Ukraine vernichtet wird, warum sollten wir dann aufhören?“

Satanowski widerspricht. „Wir werden nicht in einen europäischen Krieg geraten“, glaubt er. Das beschriebene Szenario sei sehr unwahrscheinlich. Dennoch gehe er davon aus, dass sich Russland auf einen „großen Krieg“ zubewege. „Die Amerikaner wollen, dass er auf dem europäischen Kriegsschauplatz beschränkt bleibt.“ Die USA würden europäischen Staaten wie Rumänien und Polen im Angriffsfall nicht unterstützen. Und auch Deutschland sei auf sich allein gestellt.

News zum Ukraine-Krieg: Auch ein Atomschlag wird diskutiert

Die beiden Männer fabulieren zudem über Polen, das angeblich darüber nachdenke, russische Stellungen in der Ukraine, Belarus oder der Exklave Kaliningrad anzugreifen – wofür es keinerlei Belege gibt. „In diesem Fall wird ein Atomschlag gegen das polnische Territorium durchgeführt“, droht der Moderator.

Solowjow ist eine der bekanntesten TV-Persönlichkeiten in Russland. Beim staatlichen TV-Sender Rossija 1 moderiert er eine Talksendung, außerdem hat er einen eigenen Podcast sowie einen Telegram-Kanal, dem knapp 1,4 Millionen Menschen folgen. Der 59-Jährige gilt als enger Vertrauter Putins und unterstützt den Krieg gegen die Ukraine seit Beginn des Überfalls am 24. Februar. (tvd)

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