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Putins Atompoker: In Russland geht die Angst vorm Atomkrieg um

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Von: Oliver Schmitz

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Im Zuge der Atomwaffen-Debatte im Ukraine-Krieg bereitet sich die russische Bevölkerung aufs Schlimmste vor. Doch dahinter könnte auch Putins Kalkül stecken.

Moskau – Je länger der Ukraine-Krieg andauert, desto mehr befürchten auch Fachleute eine weitere Eskalation des Konfliktes. Auch ein Einsatz von Atomwaffen wird in diesem Kontext immer häufiger diskutiert. Und das nicht ohne Grund: Der russische Präsident Wladimir Putin droht immer wieder, diese im Notfall einzusetzen. Das führt wohl auch in Russland zur zunehmender Sorge vor einem möglichen Atomkrieg oder zumindest Bombenangriffen.

Angst vor Atomkrieg: Russische Bevölkerung baut immer mehr Bunker – auch Behörden reagieren

Abrüstungsgespräche in Genf
Russland hat Ende Oktober wieder seiner Atomwaffen getestet. (Symbolbild) © -/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Derzeit steige die Nachfrage nach privaten Luftschutzbunkern in Russland stark an, berichtet das russische Newsportal 66.RU. Dabei beruft sich das Medium auf die Angaben von Bauunternehmen, die sich auf den Bau von Bunkern in Häusern spezialisiert haben. So berichtet unter anderem die Firma Cromwell aus der russischen Stadt Yekaterinburg, dass die Zahl der Anfragen insbesondere nach Putins Ankündigung der Teilmobilisierung Ende September gestiegen sei.

Laut dem russischen Sender Sib.fm hat unter anderem auch die Stadtrat-Abgeordnete von Nowosibirsk, Svetlana Kaverzina, im Keller ihres Hauses einen Bunker gebaut. Vor allem in den russischen Regionen Kursk und Belgorod gebe es „eine beachtliche Nachfrage nach Bunkern“, berichtet Newscontrol. Demnach gibt es auch zunehmende Berichte über mehr Luftschutzanlagen in und um Moskau.

Doch offenbar werden nicht nur neue Bunker gebaut, sondern auch bestehende rücken in Russland zunehmend in den Fokus. Einerseits werden diesen wieder ausgerüstet, andererseits die Bevölkerung auf die genauen Orte hingewiesen. So plant die lokale Behörde in Sewastopol (Krim), die Eingänge von mehrstöckigen Gebäuden mit Schildern auszustatten, die auf den schnellen Zugang zu Bombenschutzräumen hinweisen. Das schrieb der dortige Gouverneur Mikhail Razvozhayev am 23. Oktober auf seinem Telegram-Channel.

Russland: Atom-Debatte und Bunker nur Propaganda von Putins Regierung?

Die aktuellen Ereignisse in Russland, könnte darauf hinweisen, dass Putin die russische Bevölkerung auf eine weitere Eskalation vorbereite, sagt Russland-Expertin Natia Seskuria gegenüber Newsweek. Jedoch könnte das Aufstellen von Bunker-Schildern auch durchaus Propaganda der russischen Regierung sein, um „das Gefühl der Angst in der Bevölkerung zu verstärken und die Unterstützung für Russlands Krieg in der Ukraine, die infolge der Mobilisierung schwindet, zu vergrößern“.

Dieses Vorgehen würde laut Seskuria in die jüngsten Behauptungen des Kremls passen, dass die Ukraine eine „schmutzige Bombe“ einsetzen könnte. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, glaubt sogar, dass Putin mit seinen Atom-Drohungen im Ukraine-Krieg vor allem Einfluss auf Deutschland ausüben möchte. „Mit der Atomwaffen-Drohung zielt er in erster Linie auf Deutschland“, sagte Heusgen den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Putin versuche, mit dieser Drohung Ängste zu schüren und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. „Wir sind zurück in der Logik des Kalten Krieges.“

Atomwaffen im Ukraine-Krieg? USA sieht keine Hinweise – doch Russland macht Nuklear-Tests

Zwar hatte Joe Biden Anfang Oktober erklärt, dass Wladimir Putin mit seinen Atom-Drohungen „nicht scherzen“ würde, doch die reale Gefahr schätzt die USA aktuell eher gering ein. „Wir sehen nach wie vor keine Vorbereitungen der russischen Seite für den Einsatz von Atomwaffen und zu diesem Zeitpunkt auch nichts in Bezug auf den möglichen Einsatz einer ‚schmutzigen Bombe‘“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am 24. Oktober.

Nichtsdestotrotz hat Russland erst am Mittwoch (26. Oktober) die Einsatzbereitschaft seiner strategischen Atomstreitkräfte getestet. Jedoch löste dies keine Besorgnis bei westlichen Militärs aus, da es lange im Voraus geplant war. Auch die NATO hatte zuletzt die Verteidigung des europäischen Bündnisgebiets mit Atomwaffen getestet.

Die Fronten im Ukraine-Konflikt sind derzeit äußerst verhärtet. Monatelange gab es kaum diplomatische Kontakte und auch wenn langsam wieder mehr Gespräche zwischen den USA und Russland geführt werden, ist wohl unter anderem der direkte Austausch über den „heißen Draht“ wohl Geschichte. (os mit dpa)

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