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Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland: Nukleare Rolle rückwärts?

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Von: Lucas Maier

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In Deutschland wird Atom-Energie seit langem kritisiert. Ist die Forderung nach neuen AKWs der Beginn eines nuklearen Rollbacks?

Berlin – Über 40 Jahre kämpfte die Anti-Atom-Bewegung gegen die Nutzung der „Hochrisikotechnologie“. Die Bewegung war auch einer der Gründungspfeiler der Grünen. 46 Jahre nach der „Schlacht um Brokdorf“, bei der sich Atom-Kraftgegner:innen gegen den Bau des Meilers in Brokdorf einsetzten, wird wieder Atom-Energie gefordert.

Ebenso wie im Jahr 1976, als noch um Brokdorf gekämpft wurde, sind SPD und FDP heute Teil der Regierung. Dass diese sich die Stellung mit der Anti-Atom-Partei der Grünen teilen, ist heute jedoch anders. Einige Grüne-Politiker:innen scheinen aktuell zumindest einer Verlängerung der Atom-Betriebe nicht abgeneigt

Atom-Energie in Deutschland: Die Grünen auf Abwegen?

Derzeit wird von den Grünen noch das Ergebnis eines Stresstests erwartet. Angeordnet hatte diesen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Während eine klare Positionierung der selbsterklärten Umweltpartei noch aussteht, bleibt die Jugendorganisation der Grünen standhaft.

„Eine Laufzeitverlängerung ist mit uns nicht zu machen. Und eine Laufzeitverlängerung ist das, was über den Streckbetrieb hinausgeht.“

Sarah-Lee Heinrich, Vorsitzende der Grünen Jugend

Angestoßen wurde die Debatte vom Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“. Dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie, geht es nicht nur um eine Verlängerung von Laufzeiten. „Weltweit werden derzeit 50 neue Atomkraftwerke gebaut, die Technik hat sich weiterentwickelt“, plädierte Stefan Wolf am Wochenende für den Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland

EU und Atom-Energie: Greenwashing-Kampagne oder wahre Chance?

Der Gedanke, dass Atomkraft eine „grüne“ Energie sei, kommt auch von der EU. Erst Anfang Juli 2022 hatte die Europäische Union eine Art Katalog für klimafreundliche Investitionen auf den Weg gebracht. Auch Investitionen in Atom-Energie finden sich unter der sogenannten Taxonomie und gelten somit ab 2023 als klimafreundliches Investment.

Bundesfinanzminister Christian Lindner hat sich bereits für eine Verlängerung der Laufzeiten ausgesprochen. „Vieles spricht dafür, die sicheren und klimafreundlichen Kernkraftwerke nicht abzuschalten, sondern nötigenfalls bis 2024 zu nutzen“, so Lindner wörtlich.

Atom als Rettung: Forderung nach mehr AKW´s wird laut.
Atom als Rettung: Die Forderungen nach mehr Atomkraftwerken in Deutschland werden laut. (Archivfoto) © Friso Gentsch/dpa

Strom aus Gas: Nicht nur Atom-Kraft wird derzeit diskutiert

Der Chef der FDP forderte vor dem Hintergrund der anhaltenden Energie-Krise, ein Ende der Gas-Verstromung. Rund zehn Prozent des Stromes für private Haushalte in Deutschland wird durch Gasturbinen erzeugt. Die Industrie greift teilweise auf Strom aus Gaskraftwerken zurück. Insgesamt macht die Gasversorgung 15,4 Prozent der Energieversorgung in Deutschland aus, wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) errechnete. Wie die Debatte um Gas- und Atom-Kraft weitergehen wird, bleibt abzuwarten. Dass es zum nuklearen Rollback der Grünen kommt, kann derzeit zumindest nicht ausgeschlossen werden. (lm mit dpa/AFP)

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