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Atomausstieg verschoben: Habeck will AKWs bis 2023 am Netz halten

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Von: Karolin Schäfer

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Voraussichtlich bis April 2023 sollen zwei der drei letzten verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland weiterbetrieben werden. Das reicht der FDP aber nicht aus.

Berlin – Ursprünglich war die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke (AKW) in Deutschland bis Ende des Jahres gedacht. Nun wurde der Atomausstieg offiziell verschoben.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet damit, dass die Atomkraftwerke Isar 2 (Bayern) und Neckarwestheim (Baden-Württemberg) „wohl“ im ersten Quartal 2023 am Netz bleiben. „Stand heute halte ich das für notwendig“, machte der Grünen-Politiker am Dienstag (27. September) in Berlin deutlich.

Habeck will Atomkraftwerke weiterbetreiben: Entwicklung am französischen Strommarkt kritisch

Grund für den Weiterbetrieb ist die Entwicklung am französischen Strommarkt. Diese sei Habeck zufolge sei deutlich schlechter als prognostiziert.

Wasserdampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks (AKW) Isar 2. (Archivbild)
Wasserdampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks (AKW) Isar 2. Das AKW soll bis 2023 weiter am Netz bleiben. (Archivbild) © Armin Weigel/dpa

In Frankreich seien mehr als die Hälfte der Atomkraftwerke nicht am Netz. Dementsprechend fehle es an Strom, die die Bundesrepublik zum Teil mit Storm aus Gaskraftwerken ausgleiche. Entwickle sich die Lage in Frankreich schlecht, verschärften sich die Stressfaktoren für das deutsche Stromsystem, so Habeck.

Atomausstieg verschoben: Zwei Atomkraftwerke bleiben am Netz

Inzwischen seien die Gespräche mit den Betreibern der AKWs abgeschlossen. Man habe auch Eckpunkte zur Umsetzung der sogenannten Einsatzreserve vereinbart. Damit soll ein drohender Stromnetzengpass verhindert werden. Das dritte noch aktive AKW in Niedersachsen soll aber nicht Teil dieser Reserve sein. Es wird fristgerecht zum Jahresende abgeschaltet. Zuvor hatte sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für eine Verlängerung der Atomlaufzeiten in Deutschland ausgesprochen.

Der FDP reichen die Ankündigungen von Habeck dagegen nicht aus. „Die innerhalb der Ampelkoalition nicht abgestimmten Vorstellungen des Wirtschaftsministers bleiben hinter dem zurück, was in der angespannten Lage auf dem Strommarkt notwendig ist“, sagte FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Habeck bereitet Weiterbetrieb vom AKWs vor: FDP mit Kritik

Aus Sicht der FDP müssten „jetzt zwingend alle verfügbaren Kapazitäten ans Netz“, so Köhler. Das bedeutet: Alle drei noch verbliebenen AKWs sollen bis 2024 weiterbetrieben werden.

Dennoch sei es erfreulich gewesen, dass „Herr Habeck Isar 2 und Neckarwestheim weiterlaufen lassen will“, sagte FDP-Fraktionschef Christian Dürr den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Dabei dürfen wir das Kernkraftwerk Emsland nicht außen vor lassen, denn dieser Meiler ist einer der funktionsfähigsten und sichersten der Welt. Wir brauchen jede Kilowattstunde und sollten deshalb in dieser schwierigen Zeit auch neue Brennstäbe bestellen, damit wir sicher durch die nächsten zwei Winter kommen.“ (kas/dpa)

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