Die Menschen werden hier nicht vom Staat, sondern von Hilfsorganisationen und Angehörigen der Kommunalverwaltung betreut.
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Die Menschen werden hier nicht vom Staat, sondern von Hilfsorganisationen und Angehörigen der Kommunalverwaltung betreut.

Flüchtlinge

Athen will vorbildliche Camps schließen

  • vonGerd Höhler
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Hilfsorganisationen fordern Erhalt von zwei Flüchtlingslagern auf Lesbos.

Die griechische Regierung will zwei Migrantenlager auf Lesbos schließen – ausgerechnet solche, die als vorbildlich gelten. Dagegen protestieren jetzt mehr als 160 Nichtregierungsorganisationen.

Das vor vier Wochen abgebrannte Camp Moria auf Lesbos galt wegen der katastrophalen Lebensbedingungen als „Schande Europas“. Aber auf Lesbos gibt es auch zwei als vorbildlich geltende Lager: Kara Tepe und Pikpa beherbergen etwa 1150 besonders schutzbedürftige Migranten wie Familien mit kleinen Kindern, Alte und Kranke, Opfer von Folter und Misshandlungen, unbegleitete Minderjährige und schwangere Frauen.

Die Menschen werden hier nicht vom Staat, sondern von Hilfsorganisationen und Angehörigen der Kommunalverwaltung betreut. Aber der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis will die beiden nicht-staatlichen Lager jetzt schließen lassen – Pikpa schon Ende Oktober, Kara Tepe zum Jahresende.

Gründe für die geplante Schließung hat die Regierung bisher jedoch nicht genannt. Unbekannt ist bisher auch, was mit den dort lebenden Menschen passieren soll.

In einem offenen Brief an die griechische Regierung fordern jetzt mehr als 160 Hilfsorganisationen und Persönlichkeiten, den Fortbestand der beiden Lager zu sichern. Sie seien „die einzigen menschenwürdigen Alternativen“ für die Unterbringung von Migranten auf Lesbos und hätten in den vergangenen Jahren Tausenden Geflüchteten Schutz gegeben, heißt es in dem Brief. Die Verfasser fürchten, dass die Bewohner der beiden Camps in das neue Zeltlager gebracht werden sollen, das die Obdachlosen aus dem abgebrannten Moria aufnahm.

Die dortigen Verhältnisse werden als ähnlich schlecht beschrieben wie früher in Moria. In dem neuen Notaufnahmelager könnten die besonders Schutzbedürftigen nicht angemessen betreut werden, heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehören Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen, Human Rights Watch, Medico International, Pro Asyl und das Kinderhilfswerk Terre des hommes Hellas. (Von Gerd Höhler)

SCHIFFE WIEDER FREI:

Das Bundesverkehrsministerium darf zwei Schiffe der Flüchtlingshilfsorganisation Mare Liberum nicht länger im Mittelmeer festsetzen. Laut einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg vom Freitag sind die Festhalteverfügungen rechtswidrig (Az. 5 E 3819/20). Das Gericht gab damit einem Eilantrag des Berliner Vereins Mare Liberum statt, der die Menschenrechtslage für Migranten an der türkisch-griechischen Seegrenze beobachtet. Mitte August hatte das Ministerium die beiden Schiffe „Mare Liberum“ und „Sebastian K“ am Auslaufen gehindert und dies damit begründet, dass die Organisation nicht über die notwendigen Schiffssicherheitszeugnisse verfüge. Dabei berief es sich auf eine seit dem Frühjahr geltende Änderung der Schiffssicherheitsverordnung. (dpa)

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