Teststation in Promachonas. Die Hopkins-University registrierte bis Donnerstag knapp 4000 Infektionen in Griechenland.
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Teststation in Promachonas. Die Hopkins-University registrierte bis Donnerstag knapp 4000 Infektionen in Griechenland.

Griechenland

Athen hat es eilig

  • vonGerd Höhler
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Auf dem EU-Gipfel am Wochenende verhandeln die Staats- und Regierungschefs über das Corona-Hilfspaket. Griechenland hofft auf Unterstützung, denn es droht eine tiefe Rezession.

Für den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis und sein Land geht es beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs um sehr viel Geld: Rund 33 Milliarden Euro könnte Griechenland aus dem Aufbauprogramm bekommen, mit dem die EU-Kommission die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abfedern will. Das wäre, umgerechnet auf die Wirtschaftsleistung, der höchste Betrag aller Mitgliedsländer. Griechenland hat es eilig. Wegen der Abhängigkeit vom Tourismus, der im vergangenen Jahr mehr als ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt beisteuerte, droht das Land jetzt besonders tief in die Rezession zu stürzen.

Der griechische Regierungschef hofft deshalb, dass es Bundeskanzlerin Merkel schnell gelingen wird, im Tauziehen um das EU-Aufbauprogramm mit den „Sparsamen Vier“ einen Kompromiss auszuhandeln: Österreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden halten die von der EU-Kommission vorgeschlagenen 750 Milliarden Euro für zu üppig. Sie wollen zudem das meiste Geld als Kredite auszahlen. Griechenland, das bereits jetzt die höchste Schuldenquote aller Mitgliedsstaaten zu tragen hat, drängt dagegen auf möglichst viele Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Dass sich ausgerechnet Merkel für den Vorschlag der Kommission stark macht, war für Griechenland eine angenehme Überraschung. In den Jahren der Eurokrise sahen viele Griechen Merkel als treibende Kraft hinter dem, was sie als „deutsches Spardiktat“ empfanden. Vielen galt Merkel damals als kaltherzige Zuchtmeisterin. „Es muss weh tun“, habe die deutsche Kanzlerin ihm 2010 zu Beginn der Sparauflagen gesagt, erinnert sich der frühere griechische Premier Giorgos Papandreou.

Jetzt feiern Athener Medien die Kanzlerin als „große Europäerin“, die sich auf die Tugend der Solidarität besinne. Der linksgerichtete Oppositionsführer und Ex-Premier Alexis Tsipras traut Merkel sogar eine „europäische Wiedergeburt“ zu. Auch Griechenlands Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis meint, es sei „ein großes Glück“, dass Deutschland jetzt die Ratspräsidentschaft übernehme, denn in diesen Zeiten brauche man in Europa eine „effiziente Führung“.

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