Flüchtlinge

Asylanträge: Drei von zehn Anträgen werden für Kleinkinder gestellt

  • Markus Decker
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2019 haben bisher gut 120 000 Menschen ein Asylbegehren gestellt. Pro Asyl fordert mehr Integrationsangebote für Flüchtlinge.

Mehr als ein Fünftel aller Asylantragsteller in diesem Jahr in Deutschland waren jünger als ein Jahr und wurden in Deutschland geboren. Das teilte ein Sprecher des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit. „2019 waren bis zum 31. Oktober 26 756 der Asylerstantragstellenden in Deutschland geborene Kinder im Alter von unter einem Jahr“, sagte der Sprecher dem RND. Dies entspreche einem Anteil von 21,9 Prozent. Der Anteil der Asylbewerber bis vier Jahre betrug zuletzt sogar 29,1 Prozent und damit fast ein Drittel. Die Zahl der Asylerstanträge lag bis Ende Oktober bei insgesamt 122 225.

Bis Ende September seien zudem 2108 Asylerstanträge unbegleiteter Minderjähriger gestellt worden, sagte der Sprecher weiter. Vergleiche man aber die Zahl der Inobhutnahmen unbegleiteter Minderjähriger mit der Zahl der von ihnen gestellten Asylanträge, so zeige sich, dass ein relevanter Anteil dieser Kinder und Jugendlichen auf einen Asylantrag verzichtet und sie – bzw. ihre gesetzlichen Vertreter – einen anderen aufenthaltsrechtlichen Weg gesucht haben. Im ersten Halbjahr 2019 betrug die Gesamtzahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge 12 867.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden dem Bamf zufolge nach ihrer Ankunft in Deutschland dem örtlich zuständigen Jugendamt übergeben. Die Jugendämter seien dann für die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung zuständig, heißt es.

Der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfsorganisation „Pro Asyl“, Günter Burkhardt, sagte dem RND: „Die Zahl der kleinen Kinder unter den Flüchtlingen zeigt, dass in Wahrheit deutlich weniger Schutzsuchende in Deutschland ankommen, als öffentlich wahrgenommen wird. Die Festung Europa funktioniert. Wenn Kinder hier geboren werden, dann wachsen sie automatisch in die Gesellschaft hinein.“

Er fügte hinzu, angesichts der Tatsache, dass viele hier eintreffende Flüchtlinge immer noch aus Syrien und Afghanistan stammten, müsse wegen der dramatischen Menschenrechtslage dort „der Schalter bei uns auf Integration umgelegt“ werden. Debatten über etwaige Abschiebungen wie jetzt nach Syrien führten hingegen nur zu massenhafter Verunsicherung.

Der derzeitige Abschiebestopp nach Syrien soll nach dem Votum der soeben zu Ende gegangenen Innenministerkonferenz in Lübeck um ein halbes Jahr verlängert werden. Allerdings gibt es Länder, die danach möglichst bald sogenannte Gefährder, schwere Straftäter und Menschen, die für Heimatbesuche nach Syrien reisen, abschieben wollen. Laut Auswärtigem Amt gibt es dpa zufolge im Bürgerkriegsland Syrien aktuell keine Region, in die Flüchtlinge ohne Risiko zurückkehren können.

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